https://www.faz.net/-gyl-adfc0

Diversität in Agenturen : Nachholbedarf bei der Gleichberechtigung

Die Gehaltsunterschiede in der Agenturbranche sind zwischen Männern und Frauen zum Teil gravierend. Bild: dpa

Werbeagenturen bekennen sich öffentlich gerne zur Diversität. Innerhalb der Betriebe kann von echter Gleichberechtigung aber noch nicht die Rede sein. Das zeigt eine neue Studie.

          2 Min.

          Die Unternehmen überbieten sich zurzeit mit ihren Bekenntnissen zu Diversität und deren Symbol, dem Regenbogen. In vielen Branchen ist es in den Betrieben mit der Gleichberechtigung allerdings nicht weit her. So auch in der, die sich um das öffentliche Image der Unternehmen kümmert. Das geht aus einer neuen Studie des Werbeagenturverbandes GWA hervor, die der F.A.Z. vorliegt. Demnach sind in den Werbeagenturen etwa 60 Prozent der Belegschaft weiblich, in der obersten Führungsebene sind es jedoch nur 18 Prozent.

          Gustav Theile
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Allerdings gibt es Hinweise, dass sich das Verhältnis ändert: Von der zweiten Führungsebene an machen Frauen mindestens die Hälfte aus. Der Vergleich mit einer Erhebung aus dem Jahr 2017 zeige, „dass damals noch deutlich weniger Frauen in Führungspositionen in den Agenturen waren“, heißt es in der Untersuchung. Vor allem im mittleren Management sei der Frauenanteil gestiegen. Für die Studie haben sich die Autoren knapp 2000 anonyme Personaldaten aus 21 Mitgliedsagenturen des Verbands angeschaut.

          Der Gehaltsunterschied beträgt über alle Agenturbranchen und Hierarchiestufen hinweg 6,5 Prozent. Am größten ist er in Datenanalyse-Abteilungen. Dort kommen Männer auf ein Medianjahresgehalt von 55.000 Euro, Frauen auf knapp 45.000 Euro. Im Bereich Strategie haben Frauen dagegen sogar einen kleinen Vorteil und verdienen im Median knapp 2000 Euro mehr. Blickt man auf die verschiedenen Stufen, so ist der Unterschied in der zweiten Führungsebene am größten. Frauen verdienen hier mit einem Jahresgehalt von gut 60.000 Euro 10.000 Euro weniger als ihre männlichen Kollegen auf der gleichen Stufe. Die Autoren betonen dabei, dass sie Teilzeit-Gehälter auf Vollzeit-Gehälter hochgerechnet haben.

          Die Untersuchung zeigt auch: Die Gehaltsunterschiede und der geringere Anteil von Frauen in Führungsebenen treten in den Altersgruppen auf, in denen viele Frauen in Teilzeit gehen. Bis Mitte 30 sind fast gleich viele Frauen und Männer in Teilzeit, jeweils gut zehn Prozent. In der Altersgruppe von 35 Jahren an ist es dagegen jede zweite Frau, unter Männern steigt der Teilzeit-Anteil dagegen nur um wenige Prozentpunkte an.

          Auch wenn Frauen in Führungspositionen unterrepräsentiert sind und es weiterhin Unterschiede in der Bezahlung gibt, hält ein Großteil der Agenturen laut einer parallel durchgeführten Umfrage Diversität für wichtig. Der Aussage, dass diverse Teams „erkennbar positive Effekte auf die Qualität des kreativen Produkts“ haben, stimmen nur 8 Prozent von 84 befragten Agenturen (eher) nicht zu. Zudem ist für 80 Prozent Diversität „ein sehr gewichtiger positiver Faktor von Arbeitgebermarken“. Drei Viertel der Agenturen sind der Meinung: „Wir sind bereits divers aufgestellt.“ In drei von fünf Agenturen ist Diversität ein wichtiger oder ein eher wichtiger Faktor in der Stellenbesetzung.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Hochwasser im Ahrtal : Déjà-vu der Katastrophe

          War die Flutkatastrophe im Ahrtal ein bislang einmaliges Ereignis und schon der Vorbote des Klimawandels? Zwei Bonner Geoforscher sind skeptisch – und liefern neue Erkenntnisse.
          Strenge Standards: Fachleute des Bundeskriminalamts suchen nach der Flutkatastrophe nach Merkmalen, um Tote eindeutig zu identifizieren.

          Identifizierung der Flutopfer : Der Ausweis allein reicht nicht

          Nach dem verheerenden Hochwasser sind noch immer viele Todesopfer nicht identifiziert. Weil Häuser zerstört oder weggeschwemmt wurden, fehlt oft DNA-Material für eine sichere Zuordnung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.