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Max-Planck-Gesellschaft : Kein Sonnenkönig

Martin Stratmann ist seit Juni 2014 Präsident der Max-Planck-Gesellschaft Bild: Picture-Alliance

Martin Stratmann ist gänzlich frei von Allüren eines Alleinherrschers. Darin unterscheidet er sich von seinen Vorgängerinnen. Nun stellt der Korrosionsforscher die Max-Planck-Gesellschaft neu auf.

          6 Min.

          Martin Stratmann ist das Gegenteil eines Glamour-Präsidenten und auch gänzlich frei von Sonnenkönig-ähnlichen Allüren. Der Korrosionsforscher ist unprätentiös, mit 65 Jahren jungenhaft und unkonventionell. Das sollte aber niemanden über seine Ansprüche an Qualität und Klarheit hinwegtäuschen. Als Stratmann, der aus einem evangelischen Pfarrhaus stammt, 2013 zum Präsidenten der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) gewählt wurde, war er schon fünf Jahre Vizepräsident der Chemisch-Physikalisch-Technischen Sektion gewesen.

          Heike Schmoll
          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Lange war Stratmann an der Universität Erlangen-Nürnberg, bevor die Max-Planck-Gesellschaft ihn zu einem ihrer fast 300 Direktoren machte und an die Spitze des Max-Planck-Instituts für Eisenforschung holte. Vor kurzem ist er für eine zweite sechsjährige Amtszeit von Juni 2020 an gewählt worden, hat sich jedoch vorbehalten, das Amt aus persönlichen Gründen vorzeitig niederzulegen. Vor ihm liegen entscheidende Weichenstellungen für die Zukunft der MPG.

          Mehrfach hatte Stratmann in seiner ersten Amtszeit mit Max-Planck-Direktorinnen zu tun, die ihre Macht offenbar missbraucht haben. Daraus hat die MPG ihre Konsequenzen gezogen. Zunächst hat sie einen Verhaltenskodex für die MPG verabschiedet, dann eine Umfrage nach fachlichen Sektionen in Auftrag gegeben, um möglichst große Anonymität zu wahren. „Wir haben eine Kanzlei beauftragt, an die sich jeder Mitarbeiter der MPG wenden kann. Diese Kanzlei soll jedem, der meint, sexuelle Belästigung oder Mobbing erfahren zu haben, erst einmal beratend zur Seite zu stehen. Dann kann der Betroffene selbst entscheiden, wie damit umzugehen ist, ob die MPG also die Meldung anonymisiert bekommt oder ob sie mit Namen weitergegeben werden.“

          Der Weg zum Erfolg

          Die letzten Meldungen seien nicht mehr so gravierend gewesen, dass sie überhaupt zu ihm gelangt seien. Er bekomme nur die besonders schwerwiegenden Fälle, sagt Stratmann. Bei einer Umfrage unter den Mitarbeitern der MPG gaben zehn Prozent an, in den vergangenen zwölf Monaten Mobbingerfahrungen gemacht zu haben und 3,9 Prozent fühlten sich sexuell diskriminiert. Das sogenannte Harnack-Prinzip, also das Exzellenzprinzip, das bei der Auswahl der Institutsdirektoren geltend gemacht wird, könnte mit seiner Machtfülle auch Machtmissbrauch begünstigen.

          Stratmann macht demgegenüber die besondere Verantwortung der Institutsdirektoren geltend. Das Attraktive an den Max-Planck-Instituten: Sie sollen nicht von vornherein spezialisiert sein, vielmehr wird die Arbeitsrichtung durch die Persönlichkeit des leitenden Gelehrten bestimmt. „Das Harnack-Prinzip ist ein Exzellenz-Auswahlprinzip und dient der Freiheit der Wissenschaft“, so Stratmann.

          Dieser personenorientierte und vertrauensbasierte Ansatz habe die MPG zu einer der weltweit erfolgreichsten und renommiertesten Wissenschaftsorganisationen gemacht. Auf diesem Hintergrund habe man sich gefragt, ob die Struktur und das Harnack-Prinzip, die den Direktoren so große Gestaltungsfreiheit gäben, Mobbing oder sexuelle Übergriffe begünstige. Das allerdings widerlege die Umfrage. Es gebe noch einen anderen Hinweis, der dieser Wahrnehmung widerspreche, sagt Stratmann.

          In Dresden waren ausländische Wissenschaftler stark betroffen

          „Die Nichtwissenschaftler sind beim Mobbing mehr betroffen als die Wissenschaftler. 12 Prozent sehen sich Mobbing ausgesetzt, bei den Wissenschaftlern waren es 7,5 Prozent. Dann haben wir festgestellt, dass Ausländer sich häufiger ausgeschlossen fühlen als Deutsche“, das sei auch eine Form von Mobbing, sagt Stratmann und verweist auf das gesellschaftliche Umfeld, was vor allem in neuen Ländern nicht selten feindselig agiert. Vor allem in Dresden gab es erhebliche Probleme.

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