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Gastkommentar : Digitalisierung im Handel und in der Arbeitswelt

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Frauke von Polier ist Vice President People & Organisation bei Zalando. Davor leitete sie von 2006 bis 2011 das Recruiting bei der Otto GmbH. Bild: F.A.Z.

Ein Gastkommentar von Frauke von Polier (40), Vice President People & Organisation bei Zalando.

          2 Min.

          Das Ziel von Zalando als Europas größter Mode-Online-Plattform ist es, alle Akteure im Fashion-Business miteinander zu verbinden – vom Online-Shop zum klassischen Einzelhandel über Logistikanbieter, Modemarken, Blogger, Hersteller bis zum Kunden. Das alles basiert auf dem Einsatz neuester Technologien, die durch die Digitalisierung erst ermöglicht werden.

          Während wir uns als Unternehmen in Richtung einer offenen Plattform-Organisation bewegen, müssen wir auch die Art des Arbeitens neu denken. Eine offene Plattform, die für alle Mitspieler zugänglich ist, führt zu deutlich mehr Komplexität als ein geschlossenes Handelsmodell. Wie gehen wir mit dieser Komplexität als Arbeitgeber um? Die natürliche Reaktion des Menschen auf Komplexität ist Kontrolle. Die richtige Antwort ist aber genau das Gegenteil: Vertrauen. Die Aufgabe als Arbeitgeber ist es also, Jobs so zu designen, dass jeder Mitarbeiter seinen individuellen Beitrag zum Gesamterfolg leisten kann. Das bedeutet, Entscheidungsspielräume und selbstbestimmtes Arbeiten zu ermöglichen. Vertrauen bedeutet auch, ein Umfeld zu schaffen, in dem Mitarbeiter ermutigt werden ihre Meinung zu äußern. Nur so gehen gute Ideen und konstruktive Kritik nicht unter. Wir sind es heute gewohnt, unsere Meinung auf allen möglichen sozialen Kanälen zu äußern und uns einzubringen. Wieso nicht auch im Arbeitsumfeld ganz selbstverständlich mit Schwarmintelligenz, Prototyping und zeitgemäßen Analyseformen arbeiten?

          Mit der Digitalisierung und dem beschriebenen Wandel in Unternehmen verändern sich auch die Anforderungen an Führung. Führungskräfte sind nicht mehr die alleinigen Informationsträger, die Informationen über Kaskaden an Mitarbeitern weiterleiten. Führungskräfte tragen heute die Verantwortung dafür, dass Mitarbeiter die Zusammenhänge verstehen, Ziele und strategische Entwicklungen kennen, um ihren Beitrag einordnen zu können. Diesen Kontext kontinuierlich herzustellen ist gerade in einem sich schnell verändernden Umfeld enorm wichtig. Coachen ist ein weiterer wichtiger Bestandteil der neuen Führungsrolle. Das Konzept an sich ist nicht neu, aber die Methodik verändert sich. Es gilt, in einer agilen Welt den Mitarbeitern das richtige Maß an Unterstützung zu geben, ohne sie einzuschränken. Eine gesunde Fehlerkultur aufzubauen ist dabei unerlässlich. Damit einher geht, dass die Führungskraft künftig fragt, wo Mitarbeiter Unterstützung benötigen – und nicht umgekehrt.

          Wir befinden uns im Umbruch zu einem neuen Arbeiten. Ohne entsprechende Technologie geht das nicht. Mit großem Engagement kann die entsprechende interne Infrastruktur aufgebaut werden, um diesen Wandel zu ermöglichen. Wir stehen wie viele Unternehmen sicher noch am Anfang. Aber wir freuen uns über die Herausforderung, das deutsche und europäische Arbeitsumfeld neu zu denken. Digitalisierung macht es möglich.

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