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Digitalisierung der Hochschule : Das System, das System, das hat immer recht

  • -Aktualisiert am

Studentischer Alltag in der digitalisierten Hochschule Bild: Jens Gyarmaty

Wo Diversität endet: Eine bayerische Hochschule versucht, die Leistungen ihrer Studenten digital zu erfassen. Und ist bald auf bizarre Weise in die Zwänge des Computerprogramms verstrickt.

          3 Min.

          An einer bayerischen Universität soll ein computergestütztes Programm namens Campus Online „die Phasen des studentischen Lebenszyklus in einem einheitlichen Online-System“ zusammenführen. Das Programm, das an mehr als zwei Dutzend deutschen und österreichischen Hochschulen zum Einsatz kommt, hat den Anspruch, den „Student-Life-Cycle mit so geringem Verwaltungsaufwand wie möglich“ abzubilden. Um es kurz zu machen: Das geht an der bayerischen Universität gerade gründlich in die Hose. Der Arbeitsaufwand an vielen Lehrstühlen explodiert, Sekretariate und wissenschaftliche Mitarbeiter investieren Arbeitsstunde um Arbeitsstunde in Verwaltungsakte, die zu Zeiten der Scheinvergabe in wenigen Minuten zu bewältigen waren. Studenten und Studentinnen berichten von einer kafkaesken Jagd nach dem akkuraten transcript of records.

          Nun ist es keineswegs so, dass man sich um die Behebung systemimmanenter Fehler nicht bemühte. Es gibt einen Arbeitskreis Campus Online, tagtägliche Diskussionen in den Fachgruppen, Beratungsangebote des cm-help-teams und vieles mehr. Die Versuche, das Programm reibungslos zum Laufen zu bringen, münden zwangsläufig in Kompromisse. Leider sind darunter sehr faule. Ein Schlüsselwort der Debatte lautet: Abbildbarkeit. Im Kern geht es darum, dass erbrachte Leistungen im transcript of records vom System oftmals entweder falsch abgebildet werden oder überhaupt nicht auftauchen. Gerade bei Studiengängen, deren Curricula (noch) nicht in standardisierten Massenveranstaltungen und Massenklausuren aufgehen, stößt das System an Grenzen. Modul- und Veranstaltungstitel werden unterschiedlich dargestellt, die Titel von Studienleistungen und schriftlichen Seminararbeiten werden mal abgebildet und mal nicht. In manchen transcripts of records stehen sogar Prüfungsdaten, die vor der Immatrikulation liegen. Die Probleme häufen sich, Fehler setzen sich fort, Campus Online ist personell unterbesetzt, rasche Lösungen müssen her.

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