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Teure Studentenbuden : Die Wohnungsnot wächst

  • -Aktualisiert am

Die Wohnsituation von Studierenden in Deutschland verschärft sich weiter. Bild: dpa

Schon vor der Pandemie wurden Studentenwohnungen und WG-Zimmer in Unistädten immer umkämpfter und teurer. Jetzt wird die Suche noch schwieriger.

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          Es ist eine typische Situation für eine studentische Wohngemeinschaft: Nachdem eine Mitbewohnerin kurzfristig ausgezogen war, suchte Pauli, die in Darmstadt Soziologie studiert, einen neuen Mitbewohner für ihre WG. Sie stellte eine Anzeige auf einer einschlägigen Wohnungsseite online: Ein Zimmer, Studenten-WG, 400 € Warmmiete. „Innerhalb kurzer Zeit erhielt ich sehr viele Nachrichten, obwohl anfangs nicht einmal Bilder eingestellt waren“, sagt Pauli. „Viele der Nachrichten klangen verzweifelt und unspezifisch, als ob sie in gleicher Form an viele Menschen geschickt wurden.“ Fast schon wie kleine Hilferufe.

          Dass es ein Problem am Wohnungsmarkt in vielen Universitätsstädten gibt, ist kein neues Phänomen. Seit Jahren fordern Studierendenvertretungen in ganz Deutschland den Ausbau bezahlbaren Wohnraums. Auch temporäre Notunterkünfte, wie sie etwa gerade vom AStA der Universität Köln organisiert werden, sind keine neue Erscheinung. Aktuell ist die Situation allerdings noch einmal verschärft. Das liegt zu einem erheblichen Teil an Corona.

          „Die studentische Wohnungsnot zeigt sich zu Beginn dieses Wintersemesters besonders deutlich. Denn durch die Pandemie und die digitale Lehre sind viele Studierende aus finanziellen Gründen wieder bei ihren Eltern eingezogen. Studierende, die erst in den vergangenen Semestern ihr Studium begonnen haben, sind oftmals gar nicht erst in ihre Studienstädte gezogen. So suchen nun Studierende mehrerer Studienjahrgänge gleichzeitig nach bezahlbarem Wohnraum“, schreibt Matthias Konrad, Vorstandsmitglied im Freien Zusammenschluss von Student*innenschaften (fzs), in einer Pressemitteilung. Zusammen mit den neuen Erstsemestern ergibt sich eine erhöhte Nachfrage, die auf einen Wohnungsmarkt trifft, der sich trotz niedrigerer Nachfrage während der Pandemie kaum entspannte. Laut dem MLP Studentenwohnreport 2021 sind die Mieten in 19 von 30 untersuchten Universitätsstädten gestiegen – im Durchschnitt um 1,8 Prozent bei Wohnungen und 0,9 Prozent bei WG-Zimmern. Das ist zwar weniger als in den Jahren davor, allerdings weist der Report darauf hin, dass es sich wahrscheinlich um ein vorübergehenden Phänomen handelt. Die Situation könnte sich durch eine gesteigerte Nachfrage in den nächsten Semestern sogar noch einmal drastisch verschlechtern.

          Kurze Vorlaufzeit

          Ein Blick auf die verschiedenen Wohnungsportale im Internet zeigt ebenfalls eine angespannte Lage für die Studierenden. In Frankfurt etwa wird nur ein Bruchteil der WG-Zimmer für weniger als 500 Euro Miete angeboten, von 1-Zimmer-Wohnungen ganz zu schweigen. Frankfurt gehört zwar zu den teuersten Universitätsstädten in Deutschland, allerdings liegen auch in anderen Städten die Mieten in den meisten Fällen über der BAföG-Wohnpauschale von 325 Euro. Bei Plätzen in Studierendenwohnheimen sieht es nicht viel besser aus. Auf Anfrage schreibt Matthias Anbuhl, Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks: „Seit Oktober sind Zehntausende Studierende bei den Studierendenwerken auf der Warteliste für einen Wohnheimplatz.“ Ein kleiner Einblick: Beim Studentenwerk München warten Anbuhl zufolge rund 15.000 Studierende auf einen Wohnheimplatz; beim Studentenwerk Frankfurt am Main sind es 3000. In Hamburg warten 2000 Studierende, in Heidelberg 2300 und in Hannover 2100.

          Wissen war nie wertvoller

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          Diese Situation ist an sich schon schwierig, wird für einige Studenten allerdings noch schwieriger: Durch unklare Kommunikation war an einigen Universitäten bis kurz vor Beginn des Semesters nicht klar, in welchem Umfang Präsenzlehre verpflichtend sein wird. Ein Beispiel hierfür ist die Ruhr-Universität in Bochum, die zwar den gesamten Sommer über schon den Wunsch äußerte, das Wintersemester in Präsenz zu veranstalten, jedoch keine verbindliche Regelung traf. „Am 24.09. erhielt ich eine interne Mail, die implizierte, im Wintersemester möglichst viele Veranstaltungen in die Präsenz zu überführen“, erklärt Marcel Schmittchen, der seit einigen Jahren am Lehrstuhl für Informations- und Technikmanagement als wissenschaftlicher Mitarbeiter arbeitet. Am 28.09. wurde dieser Umstand allen an der Universität Beschäftigten mitgeteilt, etwa 2 Wochen vor Semesterbeginn. Für Studierende, die bis dahin (temporär) nicht vor Ort wohnten, kam das einer Verpflichtung gleich, kurzfristig in die Nähe der Universität zu ziehen – ein extrem kurzer Zeitraum, um eine bezahlbare Bleibe zu finden.

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