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Akademische Planwirtschaft : Die strukturelle Sowjetisierung der Geisteswissenschaften

  • -Aktualisiert am

Uniformität statt Qualität: Das heutige Universitätssystem fördert unterschiedslos die Masse Bild: dapd

Die gegenwärtige Struktur der Universität fördert Opportunismus und Massenware. Es ist an den Hochschullehrern, sich dagegen zu wehren. Ein Gastbeitrag.

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          Seit den 1990er Jahren durchliefen die Universitäten zwei fundamentale Reformen, deren Folgen heute mehr denn je spürbar sind. Zum einen hat die stets umstrittene Bologna-Reform das Studium verschult, auf Verwertbarkeit ausgerichtet und als Lebensphase entwertet. Sie hat die Studentenschaft in beträchtlichem Ausmaß zu funktionierenden akademischen Azubis gemacht, die auf der Jagd nach Leistungspunkten kaum andere Ziele kennen als gute Noten. Heute ist festzustellen, dass die Ruhigstellung der historisch renitenten Studenten in Europa voll und ganz gelungen ist. Nicht Studenten, sondern Schüler gehen am „Friday for Future“ auf die Straße. Wie bezeichnend!

          Die andere Reform betraf die Umstände des Forschens und wurde im Kern durch die Veränderung des Finanzrahmens bewirkt. Die Folgen sind hier mindestens so gravierend wie in der Lehre. Sie koppeln die Einforderung hoher wissenschaftlicher Qualität an die Gängelung der Forscher. Der Wandel vollzog sich jedoch weitaus subtiler als bei der Bologna-Reform.

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