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Die Mars-Mission des Bas Lansdorp : Der fliegende Holländer

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Raumfahrtunternehmer Bas Lansdorp will aus der Expedition ins All das größte Medienevent der Geschichte machen, zusammen mit einem der Macher der Big-Brother-Show. Selbst mitfliegen? Lieber nicht.

Raumfahrtunternehmer Bas Lansdorp will aus der Expedition ins All das größte Medienevent der Geschichte machen, zusammen mit einem der Macher der Big-Brother-Show. Selbst mitfliegen? Lieber nicht. Bild: Hartmut Nägel

Bas Lansdorp, Unternehmer aus den Niederlanden, will eine Gruppe Astronauten zum Mars schicken. Ein Flug ohne Wiederkehr. Denn die Crew soll als Außenposten der Menschheit auf dem Planeten bleiben. Klingt irre? Das ist erst der Anfang.

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          Die Reise zum Mars beginnt in einem Außenbezirk von Amersfoort, wo regennasse Straßen die Namen bekannter Opern tragen. Aida, Traviata, auch Faust – symbolträchtiger geht es kaum. Das Haus mit der Nummer 537, ein mehrstöckiger Gebäuderiegel, sieht aus, als sei es zu der Zeit erbaut worden, als Neil Armstrong im Juli 1969 die Leiter der Mondlandefähre herunterstieg – und mit einem kleinen Schritt die Entdeckerambitionen aller nach ihm kommenden Astronauten ein Stückchen weiter in die schwarzen Tiefen des Weltalls katapultierte. Das Treppenhaus ist frisch gewischt. Es riecht nach Chlorix.

          Über den Mann, der im ersten Stock des Gebäudes die Wohnungstür öffnet, lassen sich an diesem Punkt der Geschichte nur wenige Dinge mit Sicherheit sagen: dass er Socken trägt, dass er die Hand seines Gegenübers mit kräftigem Druck schüttelt und dass er bereit ist, zu außergewöhnlichen Mitteln zu greifen, um seinen Traum Wirklichkeit werden zu lassen: Bas Lansdorp, 35, will im Jahr 2022 die erste bemannte Mars-Mission ins All schicken.

          Nun ist der Niederländer weder der Erste noch der Einzige, der es auf den Roten Planeten abgesehen hat. Seit Jahren arbeiten die großen Raumfahrtagenturen an entsprechenden Projektplänen. Im Juni 2010 schlossen Roskosmos und ESA, Russen und Europäer, im Rahmen des „Mars-500“-Experimentes eine Gruppe Freiwilliger in der Nähe von Moskau für 520 Tage in Isolationskammern, um eine Mars-Expedition zu simulieren. Seit Ende August zieht der „Curiosity“-Rover als eine Art Vorhut der Menschheit seine Runden auf dem Mars und schickt Bilder zurück zur Erde. In Zeiten globaler Finanzkrisen und schrumpfender öffentlicher Etats stehen diese Projekte jedoch immer wieder auf dem Prüfstand.

          Mit dem schleichenden Rückzug staatlicher Institutionen aus der Raumfahrt schlägt die Stunde junger Visionäre, die sich mittlerweile die Star-Trek-Träume kaufen können, mit denen früher ihre Bettwäsche bedruckt war. So gelang es im vergangenen Mai SpaceX-Chef Elon Musk, durch den Verkauf seiner Firma PayPal zu Geld gekommen, erstmals eine private Rakete zur internationalen Raumstation ISS zu schicken. Wenn es ein Symbol brauchte, um die Übernahme ehemals öffentlicher Aufgaben durch Privatiers zu versinnbildlichen: bitte sehr!

          Bas Lansdorp sieht aus wie jemand, den man zuzeiten der Mondlandung vielleicht im Umfeld eines Schachklubs verortet hätte: ein blonder, schlanker Mann mit Geheimratsecken. Er reicht eine Visitenkarte über den Tisch. Sie zeigt den Mars als Scheibe, versehen mit einem Fingerabdruck. Er betrachtet die Karte und lächelt einen Augenblick lang zufrieden. Dann kommt er auf sein Unternehmen zu sprechen, dem er den schlichten Namen „Mars One“ gegeben hat.

          Man wäre geneigt, sich nicht übermäßig lange mit jemandem aufzuhalten, der in einer niederländischen Stadt mittlerer Größe davon träumt, den Weltraum zu besiedeln. Aber es gibt mindestens zwei Gründe, die dafür sprechen, dem studierten Maschinenbauingenieur zuzuhören. Der eine hat damit zu tun, dass Lansdorp durch den Verkauf seiner Anteile am Windstrom-Start-up Ampyx Power zu Geld gekommen ist und sein neues Unternehmen auf diese Weise selbst finanziert: sich selbst und fünf Mitarbeiter, die sich aus den Niederlanden, Kanada und den Vereinigten Staaten in Teilzeit zuschalten. Der andere hängt damit zusammen, dass Lansdorp bereits einen recht konkreten Plan entwickelt hat, um die Konkurrenz an der Raketenrampe um mehrere Milliarden zu unterbieten. Und der klingt so absurd, dass man gar nicht anders kann, als aufzuhorchen: Lansdorp plant eine One-Way-Mission. Seine Astronauten sollen zum Mars fliegen, den Planeten besiedeln und niemals zur Erde zurückkehren. Das spart Treibstoff, enorme Kosten. Und katapultiert den jungen Unternehmer in die Schlagzeilen.

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