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Die Mars-Mission des Bas Lansdorp : Der fliegende Holländer

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Roboter, die den Menschen voraus entsendet werden, sollen das Gröbste bereits vorbereitet haben, wenn die Astronauten landen: die Landekapseln, die mit aufblasbaren ovalen Waben verbunden sind, in denen die Siedler leben sollen, bedeckt von einer vier Meter dicken Sandschicht, um sie vor der Strahlung zu schützen. Wasser will Lansdorp aus Wasserstoff gewinnen, der in der obersten Marsschicht nachgewiesen worden sei, für das Leben auf 250 Quadratmetern Fläche – die sich verdoppeln soll, wenn rund zwei Jahre später das nächste Team landet. Alle 26 Monate will Lansdorp vierköpfige Delegationen auf den Mars schicken. So lange, wie die Zuschauer bereit sind, ihnen beim Leben im All zuzusehen. Denn, so Lansdorp, irgendwie muss das Projekt ja finanziert werden. Ja, man hat gerade richtig gehört. Die Marslandung soll ein Medienspektakel werden – noch so eine Idee, die Punkte auf dem Boulevard bringt, aber der Seriosität schaden.

Feiner Regen fällt auf die Bäume zwischen den schmutzig weißen Häuserblöcken, während Lansdorp erzählt, wie ihn das Marsfieber überkam, als 1997 der erste Rover auf dem Roten Planeten landete. Damals habe er angefangen, alles zu lesen, was ihm über Mars-Missionen in die Hände fiel, – und über eine eigene Strategie nachzudenken. Zehn Jahre lang nahm er an einem Design-Workshop der ESA zur Entwicklung von Weltraum-Habitaten teil. Ein wissenschaftliches Gedankenspiel, das er zu Hause fortsetzte. Mit sechs Milliarden Dollar, so seine Rechnung, müsste er hinkommen. Die NASA veranschlagt für eine Mission mehr als das Zehnfache. Als Lansdorp vor 18 Monaten bei Ampyx Power ausstieg, fehlten allerdings selbst für seine Kalkulation noch mehrere Milliarden. Bas Lansdorp plante und rechnete. Dann schrieb er Paul Römer eine E-Mail. In Deutschland ist der Name kaum jemandem geläufig. Weit mehr Menschen erinnern sich an Zlatko, der seine Prominenz eben jenem Niederländer verdankt, nämlich dem Miterfinder und Produzenten der Fernsehsendung „Big Brother“.

Eine Weile rechneten Lansdorp und Römer nun gemeinsam. Wenn es möglich ist, über den Verkauf der Übertragungsrechte für Sportwettkämpfe wie die Olympischen Spiele Millionen zu erwirtschaften: Wie viel würde dann erst eine Sendung abwerfen, bei der die Zuschauer aus einer Gruppe von Bewerbern zunächst 40 Teilnehmer und später das erste vierköpfige Team auswählen können, das den Mars erobert? Und den Astronauten anschließend Tag für Tag dabei zusehen, wie die Menschheit den Weltraum besiedelt?

Lansdorp lehnt sich im Stuhl zurück. „Die technischen Experten sagen: Ja, es ist möglich, den Mars zu besiedeln – aber wir bezweifeln, dass ihr das nötige Geld dafür mit einer Fernsehshow zusammenkriegt.“ Er macht eine Pause. „Die Medienleute sagen: Ja, es ist möglich, das Geld mit den Übertragungsrechten einzuspielen – aber wir bezweifeln, dass eine Siedlung auf dem Mars technisch möglich ist.“ Lansdorp grinst. Dann sagt er einen dieser Sätze, die klingen, als habe er sie als Zwischentitel seiner Autobiografie vorgesehen: „Es ist mir egal, wenn etwas schwierig ist. Nur möglich muss es sein, sonst versuche ich es gar nicht erst.“

Michael Newman lacht. „Für so was finden sich bestimmt jede Menge Freiwillige“, sagt er in den Hörer. Ehe er wieder anfängt zu lachen. Es ist ein freundliches „Sachen gibt’s!“-Lachen, kein verärgertes. Newman, Jurist im Wiener UN-Büro für Weltraumfragen UNOOSA, stammt aus Texas. Da haben sich Leute schon ganz andere Sachen einfallen lassen.

Was den rechtlichen Aspekt der Mission betreffe, habe darüber letztlich allein die Nation zu entscheiden, unter deren Gerichtsbarkeit „Mars One“ das Projekt am Ende an den Start bringe. Und er, Newman, sehe nicht, was dem grundsätzlich entgegenstehen sollte. „Mir gefällt der Gedanke“, sagt Newman. „Es ist wichtig, über diese Dinge nachzudenken.“

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