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Die Mars-Mission des Bas Lansdorp : Der fliegende Holländer

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„Wer meine Idee nicht gut findet, gehört vermutlich zu den Leuten, die für eine solche Mission sowieso nicht infrage kämen“, sagt Lansdorp. Er selbst zum Beispiel sei für seine Mission charakterlich leider völlig ungeeignet. „Ich habe zwar den nötigen Enthusiasmus, um sie zu vermarkten, aber ich bin nicht gelassen genug, um dauerhaft konfliktfrei in einer kleinen Gruppe zu leben.“ Es klingt nicht, als bedauere er diesen Umstand übermäßig. Er sei ein Pragmatiker, so Lansdorp. Während der eigene Blick hinaus in den Regen wandert und an einem Passanten hängen bleibt, der auf dem Bürgersteig mit seinem Hund spazieren geht.

Entdeckertum trifft Boulevard-TV: Fernsehzuschauer sollen voten, wer ein One-Way-Ticket zum Mars bekommt.


Keine Passanten. Keine Hunde. Keine Bäume. Keine Luft, die nach feuchter Erde riecht. Nie wieder.

Während am Himmel über Berlin die Sonne strahlt, ist Dietrich Manzey an seinem ersten Tag zurück im Büro mit dem Sortieren von Papieren auf seinem Schreibtisch beschäftigt. Der Psychologieprofessor trägt einen weinroten Pullover und eine Farbe im Gesicht, die erkennen lässt, dass sein Urlaub gerade erst zu Ende gegangen ist. Es sind die letzten Tage der Semesterferien. Die Flure der Technischen Universität liegen noch verwaist.

Manzey ist einer von zwei Psychologen, die im Auftrag der Europäischen Weltraumbehörde ESA Astronauten betreuen, die Langzeitmissionen absolvieren. Die Gespräche – alle 14 Tage 15 bis 30 Minuten lang – sind obligatorisch. Damit im Ernstfall niemand den schwerelosen Kollegen gegenüber seine Bedürftigkeit eingestehen muss. Bei den Unterhaltungen, die Manzey als Coaching bezeichnet, gehe es vor allem darum, die Astronauten in ihren Alltag auf der Erde eingebunden zu halten, sagt der Psychologe.

Manzey hat ein Buch über die psychischen Implikationen von Mars-Missionen geschrieben. Mutmaßungen, nicht mehr, darauf legt er Wert. Ihn habe dabei vor allem die Frage beschäftigt, was passiert, wenn Astronauten ihren Heimatplaneten aus den Augen verlieren. Im günstigsten Fall dauert eine Reise zum Mars rund sieben Monate, in deren Verlauf die Erde im Raketenfenster schließlich zur Größe eines Sternes schrumpft. „Wir wissen nicht, was das mit einem Menschen macht“, sagt Manzey, „man kann es auch nicht simulieren.“ Bei den Astronauten, die er bisher begleitet hat, habe der Blick zurück jedenfalls immer eine sehr wichtige Rolle gespielt. Der Niederländer, den er zuletzt coachte, kehrte mit 15.000 Fotos der blauen Erde aus dem All zurück.

Die Idee einer Mars-Mission ohne Wiederkehr hält Manzey für „komplett wahnsinnig“. Was diese Versuchsanordnung mit Menschen mache, sei „kaum vorhersehbar“. Sicher, auch andere Entdecker hätten Risiken in Kauf genommen. Aber selbst Christopher Kolumbus und Robert Falcon Scott sei dabei doch stets die Hoffnung geblieben, eines Tages unversehrt von ihren Expeditionen nach Hause zurückzukehren. „Ich würde ja hoffen“, sagt Manzey, „dass man so etwas gar nicht machen darf.“ Darf man? Und muss denn alles gemacht werden, was gemacht werden kann?

Am langen Esstisch seines Wohnzimmers in Amersfoort baut Bas Lansdorp jetzt eine Galaxie aus Essteller (Sonne), Espressotasse (Mars) und Kaffeebecher (Erde), während er erklärt, warum sich die Planeten nur alle 26 Monate in einer Konstellation befinden, die es möglich macht, Menschen und Material zu verschicken. Im April 2023 soll das erste vierköpfige Team auf dem Mars landen – mit einer Rakete, die Lansdorp derzeit noch entwickeln lässt. Pläne, sagt der Maschinenbauingenieur, gebe es ja schon genug. Sein Raumschiff wird voraussichtlich stark an die Falcon Heavy des amerikanischen Unternehmens SpaceX angelehnt sein. „Wir lassen die Rakete derzeit noch an unsere Ansprüche anpassen.“ So lasse er etwa prüfen, ob es möglich wäre, den Durchmesser auf 5,2 Meter zu verbreitern, um größere Gegenstände transportieren zu können.

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