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Die Karrierefrage : Wie überstehen stille Menschen die Krise?

Bild: Imago / Bearbeitung F.A.Z.

Introvertierte liefern gute Leistungen ab, wenn sie Rückzugsräume haben. Gerade herrscht viel verordneter Rückzug. Davon profitieren können die Ruhigen nicht unbedingt.

          6 Min.

          Ein Drittel der Menschen in westlichen Ländern gilt als introvertiert. Sie laufen zur Höchstform auf, wenn man sie in Ruhe arbeiten lässt. Die anderen zwei Drittel gelten als energiegeladene Extrovertierte, die das Berufsleben als Bühne nutzen, um ihre Lebendigkeit auszuleben. Geprägt hat der Psychoanalytiker C. G. Jung die Begriffe Introversion und Extraversion als Teil der Persönlichkeit. Wie kommen zurückhaltende Menschen durch diese Zeit, in der es kaum noch persönliche Treffen gibt? In der sie in digitalen Konferenzen auf einer Videokachel glänzen sollen? Sind sie nicht zwangsläufig die als Eigenbrötler etikettierten Verlierer, die jetzt noch weniger gesehen werden, sich durch die verordnete Distanz noch mehr verpanzern?

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Sylvia Löhken, die das Thema der „unterschätzten Intros“ durch Bücher und Vorträge einer breiten Öffentlichkeit eröffnet hat, sieht das nicht so düster: „Für Introvertierte ist diese Zeit eine Chance, weil solide Arbeit zählt, sie gut allein arbeiten und rasch überstimuliert sind. Schwierig ist das für Extrovertierte, sie haben wenig Resonanz.“ Die Bonner Sprachwissenschaftlerin erklärt aber auch: „Andererseits haben wir Introvertierten ein empfindliches Sicherheitszentrum im Gehirn, fühlen uns relativ leicht verunsichert, sind begnadete Sorgenmacherinnen und Sorgenmacher, das ist neurobiologisch nachweisbar. Wir leben wirtschaftlich und gesundheitlich in einer Krise. Das ist eine Gleichung mit vielen Unbekannten und für Introvertierte doppelt belastend.“

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