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Hochschulbauten : Man gönnt sich wieder etwas

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Riesenhaifisch mit Promifaktor: Zentralgebäude der Leuphana Universität Lüneburg von Daniel Libeskind Bild: Picture-Alliance

Der Hochschulbau boomt wieder. Ein Experimentierfeld für soziale Visionen ist er nicht mehr. Die Neubauten schwanken zwischen Stararchitektur und Pragmatismus.

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          Vergangenes Jahr wurde in Lüneburg Daniel Libeskinds Zentralgebäude der Leuphana Universität eingeweiht, ein ebenso wuchtiger wie effektheischender Solitär. Die Hochschule wollte erkennbar ein unverwechselbares gebautes Logo haben und setzte ganz auf die Prominenz seines Entwerfers. Der Kontrast zu den früheren Leitbildern der Universitätsarchitektur könnte größer nicht sein. Hochschulbauten waren über Jahrhunderte Modelle für funktionale Raumbildung und soziale Interaktion – von den klösterlich abgeschirmten Kollegien des Mittelalters über die angelsächsischen Campusareale der Neuzeit bis zu den als technokratische Idealstädte konzipierten Megastrukturen der sechziger und siebziger Jahre.

          Im Nachkriegsdeutschland lösten die steigenden Studentenzahlen damals einen Universitätsbauboom aus, der von der Planungseuphorie der Moderne angetrieben war. Ideen der Rationalisierung und Standardisierung einerseits und der Demokratisierung und Egalisierung andererseits bestimmten die Riesenkomplexe, die meist auf den grünen Wiesen an den Stadträndern aus dem Boden gestampft wurden, beispielsweise in Bochum, Bielefeld, Konstanz, Stuttgart-Vaihingen oder West-Berlin.

          Es dauerte allerdings nicht lange, bis die als Schrittmacher für gesellschaftlichen Fortschritt erbauten Massenuniversitäten in Verruf gerieten und als monotone Betonmoloche gebrandmarkt wurden, die ganz entgegen ihrem Programm für eine autoritäre Architektur stünden. Es lag wohl auch an ihrer abschreckenden Wirkung, dass ambitionierte Hochschulbauprojekte in der Folgezeit zu einer Seltenheit wurden. Mittlerweile ist der Blick auf die Universitätsbauten der Nachkriegsmoderne differenzierter. Selbst die Ruhr-Universität Bochum, lange Zeit Inbegriff des Scheiterns eines megalomanen, tyrannischen Funktionalismus, erlebt inzwischen unter Architekturhistorikern einige Wertschätzung.

          Konkurrenz unter den Hochschulen

          Der neue Bauboom, den die Hochschullandschaft seit rund eineinhalb Jahrzehnten erlebt, folgt ganz anderen Modellen. Der Architektur kommt dabei eine andere Rolle zu. Waren einst gesellschaftliche Modernisierungsvisionen die treibende Kraft, so stehen die heutigen Neubauten im Zeichen des Wettbewerbs zwischen den Hochschulen. Es geht dabei um Verbesserung der Studienbedingungen, aber auch um Schauwert, Imagebildung und Marketing. Manche Universität setzt dafür ganz auf die Werbewirkung spektakulärer Stararchitektur.

          Den Anfang machte der gekurvte Glaskoloss mit bedruckten Fassaden, den das Basler Architekturbüro Herzog & de Meuron, damals ein aufgehender Stern der internationalen Szene, für die Bibliothek der Brandenburgischen Technischen Universität in Cottbus entwarf. 2004 wurde er fertiggestellt. Wenig später setzte Norman Foster in die sogenannte Rostlaube – das geistes- und sozialwissenschaftliche Zentrum der Freien Universität Berlin aus den sechziger und siebziger Jahren – eine silbrig geschuppte Riesenglasblase als Domizil für die Philologische Bibliothek. Die damals noch für ihre Kühnheit bestaunten Bauten wirken heute geradezu zurückhaltend im Vergleich zu Libeskinds zackigen Exaltationen in Lüneburg.

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