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Gründerserie : „Ein echter Rassist würde sich wahrscheinlich nicht bei uns melden“

Jacques Bastien Bild: Shade

Jacques Bastien hat eine Agentur für schwarze Influencer. Er findet, nach dem Tod von George Floyd sind Wohlfühlbotschaften fehl am Platz.

          4 Min.

          Jacques Bastien glaubt, dass es diesmal anders ist. Oft genug ist es in den Vereinigten Staaten nach Fällen von Polizeigewalt gegenüber Schwarzen zu Protesten gegen Rassendiskriminierung gekommen, ohne dass sich letztlich viel geändert hat. Was nach dem Tod von George Floyd in Polizeigewahrsam in Minneapolis passiert, hat nach Einschätzung des 30 Jahre alten New Yorker Unternehmers aber eine neue Qualität. Er meint damit nicht nur all die Demonstrationen in Amerika und auch anderswo.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Er sagt, er spüre diesmal viel stärkeres Mitgefühl von Weißen und auch mehr Bereitschaft, zuzuhören: „Das ist ein großer Wandel. Früher haben die Menschen nicht wirklich akzeptiert, dass es ein Problem gibt.“ Warum das so ist, ist ihm selbst nicht ganz klar. Er mutmaßt, es könnte mit dem drastischen Video zusammenhängen, das die Brutalität der Polizisten im Umgang mit Floyd offengelegt hat.

          Und womöglich habe auch die Corona-Krise die Bereitschaft erhöht, sich zu engagieren. Bastien meint, vielleicht habe sogar die Feindseligkeit, die der amerikanische Präsident Donald Trump gegenüber Demonstranten an den Tag gelegt hat, der Protestbewegung eher genutzt als geschadet und ihr zusätzliche Unterstützer in die Arme getrieben.

          „Man kann nicht alle Herzen über Nacht verändern“

          Auch in seinem Unternehmen spürt Bastien eine Veränderung, denn nach seinen Worten hat es in den vergangenen Wochen deutlich mehr Anfragen von potentiellen Kunden gegeben. Er führt die Marketing-Agentur Shade, die sogenannten „Influencern“, also populären Nutzern auf Plattformen wie Youtube oder Instagram, bei der Vermarktung ihres Internetruhms hilft. Was sie besonders macht, ist der Umstand, dass sie sich ausschließlich auf schwarze Influencer spezialisiert hat.

          Sie funktioniert im Prinzip wie eine Model-Agentur und vertritt nach Bastiens Worten rund 80 Influencer, darunter Blogger, Köche und Schauspieler. Sie hat mit Kunden wie dem Bezahldienst Square oder der Bekleidungskette Forever 21 gearbeitet. Shade ist eine von mehreren Agenturen unter dem Dach der von Bastien gegründeten Marketing-Holding Boogie Brands, und der gemeinsame Nenner ist es dabei, Schwarzen in der Vermarktung von Produkten eine stärkere Präsenz zu verschaffen. Es gibt auch eine Beratungsgesellschaft, die Unternehmen helfen will, „schwarze Kultur zu verstehen“, und eine Fotoagentur, die Bilder mit schwarzen Personen vertreibt. Insgesamt beschäftigt Bastien rund zwanzig Mitarbeiter.

          Ungleichgewicht im Influencer-Geschäft

          Die Idee für Shade kam dem Unternehmer, als er ein enormes Ungleichgewicht im Influencer-Geschäft bemerkte. Er hörte von schwarzen Influencern, die es nicht gewohnt waren, für die Zusammenarbeit mit Unternehmen bezahlt zu werden, sondern zum Beispiel mit T-Shirts abgespeist wurden, wenn sie in sozialen Netzwerken bestimmte Marken bewarben. Für weiße Influencer sei es dagegen völlig normal, für solche Dienste Geld einzufordern und auch zu bekommen.

          Bastien hat mehrere Erklärungen für die Diskrepanz. Teils liege es an den Influencern selbst, die mangels Selbstwertgefühl nicht aggressiv genug verhandelten, und das habe mit der langen Geschichte von Rassendiskriminierung im Land zu tun: „Wenn man im Geschichtsunterricht gesagt bekommt, dass man früher nur als drei Fünftel einer Person gesehen wurde, hat das Auswirkungen auf das Selbstvertrauen.“

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