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Jetzt gründen! : Dieser Investor macht Frauen Mut

Die Gründerinnen des Start-ups Brainsight: Rimjhim Agrawal (L) und Laina Emmanuel Bild: Entrepreneurs Frist

In der Corona-Krise fallen Gründerinnen alte Probleme wie die geringere Ausstattung mit Kapital auf die Füße. Warum dennoch gerade jetzt eine gute Zeit für die Unternehmensgründung sein könnte.

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          Für alle Frauen, die mit dem Gedanken spielen, ein Unternehmen zu gründen, hat Philipp Herkelmann eine klare Botschaft: „Seid mutig, und lasst euch nicht abschrecken.“ Herkelmann ist seit April dieses Jahres Deutschland-Chef des Investmentfonds Entrepreneur First, der Einzelpersonen im Aufbau von Technologieunternehmen unterstützt. Er trat seine neue Stelle also mitten im Corona-Lockdown an und damit zu einer Zeit, in der es Gründer nicht leicht hatten. „Als die Pandemie anfing, haben sich viele Investoren zurückgezogen und nur noch das Überleben des eigenen Portfolios gesichert“, berichtet Herkelmann.

          Jessica von Blazekovic

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Das dürfte zwar weibliche und männliche Gründerteams gleichermaßen getroffen haben, die frisches Geld brauchten. Herkelmann glaubt aber, dass es gerade Frauen, die oftmals in Bereichen der Nachhaltigkeit und des sozialen Unternehmertums aktiv seien, schwer hatten. „Das sind nicht die Industrien, die Investoren in der Krise primär für förderungswürdig hielten.“

          Unterfüttert wird seine Vermutung von einer Umfrage des Bundesverbands Deutscher Start-ups unter 155 Gründerinnen aus dem Juni dieses Jahres. Darin gaben sieben von zehn Gründerinnen an, negative Auswirkungen der Krise auf ihre Start-ups zu sehen. 60 Prozent stellten eine starke Beeinträchtigung ihres Geschäfts fest, dabei neben gesunkenen Umsätzen insbesondere das Ausbleiben von Finanzierung. Fast die Hälfte der Befragten berichtete über einen erschwerten Zugang zu Investoren.

          Geringere Investmentgrundlage

          Die Folge für die Gründerinnen: Die Liquidität reduzierte sich in fast jedem zweiten Unternehmen. Auch hier könnte es Herkelmann zufolge weibliche Gründerteams härter getroffen haben als männliche: „Gründerinnen haben aufgrund bestimmter Vorurteile und Hürden oftmals eine geringere Investmentgrundlage als Gründer.“

          Eine Studie des Beratungsunternehmens Boston Consulting Group von September 2019 bestätigt das: Der Durchschnitt aller Investments, die ein Start-up in Deutschland über alle Finanzierungsphasen hinweg akquirieren kann, beträgt demnach bei männlich geführten Unternehmen 10,6 Millionen Euro. Gründerinnen hingegen erhalten im Schnitt 3,5 Millionen Euro, also nur knapp ein Drittel. Als Grund für diese Diskrepanz nennen die Studienautoren unter anderem die Tatsache, dass Investoren weiblich geführte Unternehmen schlechter bewerteten. Der Wert von deutschen Neugründungen mit Männern an der Spitze wird demnach durchschnittlich 16,4-mal höher eingeschätzt.

          Trotz der scheinbar widrigen Bedingungen für eine Unternehmensgründung rät Entrepreneur-First-Manager Herkelmann Frauen dazu, gerade jetzt den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen: „Die Corona-Krise verändert unser Leben in vielen Bereichen, etwa in der Bildung und der Gesundheit. Darauf müssen Antworten gefunden werden, und das sind wiederum Industrien, in denen Frauen überrepräsentiert sind.“ Ein Beispiel aus der Start-up-Schmiede von Entrepreneurs First im Bereich Gesundheit ist das von zwei Frauen gegründete Unternehmen Brainsight AI mit Sitz in Bangalore, das die Erforschung von neuropsychiatrischen Erkrankungen wie Alzheimer mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz verbessern will.

          Herkelmann ist außerdem überzeugt davon, dass mit einer neuen Generation von Gründern und Investoren alte Denkmuster aufgebrochen werden – etwa das Vorurteil, Frauen könnten infolge einer Familiengründung weniger Leistung bei der Arbeit erbringen. „Familie wird immer mehr als etwas Positives gesehen. Verantwortungsbewusstsein, Resilienz, Commitment – das sind alles Eigenschaften, die auch ein Gründer braucht“, sagt Herkelmann. Nicht jedes Start-up müsse zudem in kürzester Zeit zu einem Multimillionen-Dollar-Konzern heranwachsen.

          Auch bei Entrepreneur First bemüht man sich seit kurzem darum, mehr Frauen für das Gründer-Programm zu finden. Als erster Schritt seien die internen Teams und Entscheidungsgremien diverser gestaltet worden, berichtet Herkelmann. Außerdem habe man das Vokabular in Bewerbungsformularen und Werbekampagnen modifiziert, um Frauen besser anzusprechen. Erste Erfolge der Maßnahmen kann das Unternehmen schon verzeichnen: Im aktuellen Bewerbungszyklus für das Gründerprogramm liege die Frauenquote immerhin schon bei 25 Prozent.

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