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Paper Plane Records : Von der Uni in die Charts

Alice Merton und Paul Grauwinkel in ihren Geschäftsräumen in Berlin Bild: Matthias Lüdecke

Alice Merton ist längst eine bekannte Musikerin. Unter Vertrag steht sie bei ihrem eigenen Plattenlabel, das sie gemeinsam mit einem Freund führt. Seit „No Roots“ hat sich für die beiden viel verändert.

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          Wassergläser fehlen noch und auch sonst sieht es in den frisch bezogenen Räumen von Alice Mertons und Paul Grauwinkels neuer Unternehmenszentrale ein wenig provisorisch aus. Der Flur hängt aber auch früh im Jahr schon voll mit Auszeichnungen, verliehen für Mertons Debütalbum „Mint“ und vor allem „No Roots“. Das Lied, veröffentlicht am 2. Dezember 2016, bildet die Grundlage für den Erfolg der beiden und hat die Musikerin in Windeseile bekannt gemacht. Gut ein Jahr später spielte sie in der amerikanischen „Tonight Show“ von Jimmy Fallon, 2019 folgte ein Auftritt auf dem legendären Coachella-Festival in Kalifornien. Keine Selbstverständlichkeit, erst recht nicht für eine deutsche Künstlerin, die im Sommer 2016 mit ihrem besten Freund kurzerhand ein eigenes Label gegründet hat, weil sie zuvor bei großen Plattenfirmen abgeblitzt waren.

          Benjamin Fischer

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Wir hatten alles fertig, von der Musik bis zu den Pressefotos“, erinnert sich Paul Grauwinkel an die Treffen mit Universal Music und Co. Doch die Lieder überzeugten die Label-Manager nicht restlos, Merton und Grauwinkel wiederum weigerten sich die Aufnahmen zu verändern. „Mein Ziel war es, direkt nach dem Studium einen Plattenvertrag zu unterschreiben“, sagt Merton. Diesen Ehrgeiz haben viele der Künstler, die es an die Pop-Akademie in Mannheim zieht. Die Aussicht auf ein eigenes Unternehmen und Amerika-Touren dürfte Merton und Grauwinkel allerdings doch recht kühn vorgekommen sein, als sie sich 2013 im Studentenwohnheim kennenlernten.

          „Das Netzwerk ist ein sehr großer Mehrwert“

          Merton hatte einen Platz im Bachelor-Studiengang Pop-Musikdesign ergattert, Grauwinkel war für Musik-Business eingeschrieben. „Ich habe zehn Jahre Gitarre gespielt und auch Musik-Abitur gemacht“, sagt Grauwinkel. Aber spätestens an der Akademie habe er gemerkt, dass es deutlich bessere Gitarristen gebe. Als Merton im Laufe des Studiums kleine Auftritte hatte, kümmerte sich Grauwinkel um den Ton. Mit den ersten Vertragsverhandlungen intensivierten sie ihre Zusammenarbeit. Dabei erwies sich auch das Umfeld in Mannheim als vorteilhaft.

          Viele Vorlesungen an der Pop-Akademie werden von Vertretern aus der Musikbranche gehalten. Wer sich clever anstellt, kann so schon früh Kontakte zu Labels, Verlagen oder Vertrieben knüpfen. „Das Netzwerk ist ein sehr großer Mehrwert“, sagt Grauwinkel und natürlich sei auch das erlernte Wissen für die Label-Gründung wichtig gewesen. Merton hat derweil an der Akademie nicht nur ihre heutige Band gefunden, sondern überhaupt erst gelernt für eine Band zu schreiben. „Bis dahin habe ich immer nur für mich selbst auf der Gitarre geschrieben“, sagt die heute 26 Jahre alte Musikerin. Alice Merton ist in Frankfurt geboren, zog mit der Familie aber schon früh erst nach Amerika, dann nach Kanada. Mit 13 kam die Familie nach München. Viele Stationen in kurzer Zeit.

          Die Beziehung zur Uni in Mannheim ist aber weiter eng. Im Rahmen des Bachelor-Abschlusskonzerts spielte Merton im Sommer 2016 das erste Mal den späteren Hit „No Roots“. Eine goldene Schallplatte für mehr als 200.000 verkaufte Einheiten des Liedes steht heute im Büro des Künstlerischen Leiters der Pop-Akademie, Udo Dahmen. Musiker mit eigenen Labels gibt es einige. Der Weg von Grauwinkel und Merton ist dennoch beachtlich. Anfangs sei es vor allem darum gegangen, eine Partner-Struktur rund um Paper Plane Records aufzubauen, so Grauwinkel.

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