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Gründerserie : Die Gras-Papierschale für Bioäpfel

Als größte Hürde macht der Unternehmer die Vorbehalte der Papierfabriken gegenüber dem neuen Material aus. Neben der hohen Auslastung gebe es oftmals Sorgen, in den teuren Maschinen könnten Störungen auftreten. Bei der Überzeugungsarbeit half der Versandhändler Otto, für den Creapaper vor drei Jahren das allererste Produkt – einen Schuhkarton aus Graspapier – entwickelte. Mittlerweile werden die Gras-Pellets von fünf Papierfabriken eingesetzt, darunter bei der Papierfabrik Scheufelen in Lenningen bei Stuttgart.

Dort will D’Agnone bis Jahresende seine erste eigene Anlage zur Pellet-Herstellung aufstellen. Mit einem Maschinenbauer zusammen hat er sie auf die speziellen Bedürfnisse zugeschnitten, rund 1,3 Millionen Euro wird das Ganze kosten. Im Lauf des kommenden Jahres, so sieht es der Plan vor, sollen zwei weitere Anlagen folgen. Neben einer Volksbank gewährte dafür auch die Bochumer GLS-Bank Kredite. Bis zu 35 000 Tonnen Gras-Pellets will D’Agnone im kommenden Jahr herstellen und damit zwischen 8 und 10 Millionen Euro umsetzen. Den Sprung in die Gewinnzone hält er dann für machbar.

Derzeit werden die Gras-Pellets noch in Lohnarbeit von einem Betrieb im Münsterland gefertigt. Das in Ballen angelieferte Heu wird luftgetrocknet, von Steinen und Sand befreit, zerkleinert, gemahlen und zu Pellets gepresst. Je Tonne Grasfaser kämen zwei Liter Wasser zum Einsatz und damit erheblich weniger als bei der Herstellung von Zellstoff aus Holz, sagt D’Agnone. Auch der Stromverbrauch und die Emissionen an Kohlendioxid seien deutlich geringer als bei der chemischen Holz-Aufbereitung, beruft er sich auf eine vom Heidelberger Ifeu-Institut erstellte Öko-Bilanz. Nur aus dem näheren Umkreis der Papierfabriken und von ungenutzten Ausgleichsflächen will er das Heu beziehen. Mit der Verwendung von Heu als Tierfutter soll seine Geschäftsidee nicht in Konkurrenz treten.

Chancen auch bei Einkaufstüten

Für den Rohstoff Gras gebe es „ein gewisses Potential“ in der Branche, heißt es vom Verband Deutscher Papierfabriken unter Verweis auf das positive Image und die Optik des Graspapiers. Der Einsatz von Pflanzenfasern sei in der Papierherstellung altbekannt, Holzfasern hätten sie aber Mitte des 19. Jahrhunderts wegen besserer technischer Eigenschaften verdrängt. „Die Gras-Pellets machen diesen Rohstoff auch wegen ihrer guten Lagerfähigkeit wieder interessanter für die Papierindustrie“, stellt ein Verbandssprecher fest.

Rund 90 Prozent aller Papieranwendungen sind nach Einschätzung von D’Agnone mit Gras machbar. Einsatzchancen für sein Graspapier, das preislich zwischen der teureren Frischfaser und dem günstigeren Altpapier positioniert ist, wittert er in erster Linie bei Verpackungen für Lebensmittel, aber auch etwa bei Einkaufstüten. Mit mehreren Einzelhändlern befinde sich Creapaper derzeit in Gesprächen. „Die Händler sind sehr offen, viele suchen nach ökologischeren Verpackungen“, befindet D’Agnone. Seine Ziele sind ehrgeizig. Neue Mitarbeiter hat er an Bord geholt, „um das Thema auch international schnell auszurollen“. Die Verhandlungen mit weiteren Investoren stehen seinen Worten zufolge kurz vor dem Abschluss. Auch privat hegt D’Agnone ein besonderes Faible für Rasen. In seinem Garten hat er den gleichen Rasensamen gesät, auf dem einer seiner Kunden spielt – der Fußballclub Juventus Turin.

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