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Unternehmen Wildling Shoes : So wenig Schuh wie möglich

Kein Barfußschuh, sondern ein Minimal-Schuh: Wildling Shoes Gründerin Anna Yona Bild: Edgar Schoepal

Die Sohle ist dünn und biegsam, der Fuß kann den Boden noch spüren: Mit ihren Minimal-Schuhen hat Anna Yona einen Nerv getroffen. Ihre Mitarbeiter arbeiten quer übers Land verteilt im Home Office.

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          Als Anna Yona mit ihrer Familie noch in Israel auf dem Land lebte, liefen ihre kleinen Kinder die meiste Zeit barfuß herum. Nach dem Umzug in Yonas Heimat – das Bergische Land bei Köln – vor sieben Jahren musste wegen der kühleren Temperaturen neues Schuhwerk her. Doch den Kindern fiel es schwer, sich daran zu gewöhnen.

          Christine Scharrenbroch

          Freie Autorin in der Wirtschaft.

          „Sie fühlten sich eingezwängt und weigerten sich, die Schuhe anzuziehen“, erzählt die dreifache Mutter. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Ran Yona, einem Sporttherapeuten, kam sie auf die Idee, einen Kinderschuh zu entwickeln, der dem Fuß möglichst viel Spielraum lässt. Durch die dünne Sohle sollte der Boden zu spüren sein, die Zehen sollten viel Platz bekommen, die Materialien möglichst nachhaltig sein. Das Motto: „So wenig Schuh wie möglich“, sagt die 41 Jahre alte Yona.

          Mit ersten Entwürfen wurde sie bei einem örtlichen Schuhmachermeister vorstellig. Doch der schickte sie gleich wieder weg, weil sie keinen Leisten – dieses Formstück ist einem Fuß nachempfunden und dient zum Bau eines Schuhs – vorweisen konnte. Daraufhin machte sich Yona zunächst auf die Suche nach einem Leistenbauer. Für das Schuhdesign engagierte sie einen italienischen Designer. Mit dem Leisten und den Designentwürfen im Gepäck flog das Paar nach Portugal. Sie klapperten mehrere Schuhfabriken ab, bis sich ein kleiner Hersteller bereit erklärte, die Produktion zu erledigen.

          Für Menschen mit einem Bewusstsein für Nachhaltigkeit

          Schon in dieser Anfangszeit machten sich die Gründer die sozialen Netzwerke zunutze. Auf Facebook eröffneten sie eine Seite, auf der sie den Aufbau ihrer Wildling Shoes GmbH schilderten. Dabei gab es so manche wertvolle Anregung, die umgesetzt wurde. Etwa die Idee, nicht nur Kinder-, sondern auch Erwachsenenschuhe anzubieten. Über die Internet-Plattform Kickstarter kam im Rahmen einer Crowdfunding-Kampagne in kurzer Zeit ein Startkapital von 100.000 Euro zusammen. Daneben half ein Gründerkredit der Förderbank KfW.

          Wenige Wochen nach dem Start des Online-Shops Anfang 2016 war die erste Lieferung aus Portugal verkauft. Anna Yona orderte nach, stellte erste Mitarbeiter ein. Das Geschäft zog rasant an: Im vergangenen Jahr verkaufte Wildling Shoes 150.000 Paar Schuhe, setzte einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag um und zählt inzwischen fünf portugiesische Lieferanten. Vertrieben werden die Kollektionen nur über den eigenen Online-Shop. Selbst in den beiden Showrooms in Köln und Berlin ist lediglich eine Anprobe möglich, bestellt werden muss im Internet. Auch auf Festivals und Events wie Heldenmarkt oder Fair-Goods ist das junge Unternehmen vertreten.

          Ihre Produkte über den stationären Schuhhandel anzubieten kommt für Yona nicht in Frage. „Wir wollen selber die Beziehung zu unseren Kunden aufbauen und unsere Marke pflegen.“ Dafür arbeitet sie intensiv mit Influencern zusammen und setzt auch ansonsten stark auf Weiterempfehlungen. Ihre Zielgruppe beschreibt sie als „Menschen mit einem hohen Bewusstsein für Gesundheit und Nachhaltigkeit“.

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