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Gründerserie : Ein Programm wie eine Skyline

Marc Hildebrandt, Mitbegründer der Seerene GmbH Bild: Andreas Müller

Konzernlenker durchschauen immer weniger die Softwarestrukturen in ihrem Haus – das Startup-Unternehmen „Seerene“ verspricht, Licht ins Dunkel zu bringen.

          3 Min.

          Unternehmen und Stadtlandschaften bestimmen sein Leben, einerseits ganz real, andererseits abstrakt. Eines der jüngsten Kinder von Marc Hildebrandt heißt Seerene. Wenn der 35 Jahre alte Unternehmer erklärt, was er macht, wirft er mit seinem Laptop eine Grafik an die Wand.

          Manfred Schäfers
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Im ersten Moment sieht es so aus wie eine stilisierte Stadtlandschaft, es könnte Manhattan bei Nacht sein. Doch es handelt es sich um etwas völlig anderes: eine Visualisierung der Programme, die auf den Rechnern eines Konzerns laufen. „Man sieht, wo die Entwickler arbeiten und welche Probleme sie umtreiben“, erläutert er.

          Jedes Gebäude steht demnach für ein Softwarepaket. Wenn ein Programm sehr komplex ist, spiegelt sich das zum Beispiel in der Höhe, wenn dort oft etwas geändert werden muss, ist es rot eingefärbt.

          Über die Jahre und Jahrzehnte haben Großunternehmen immer mehr Prozesse und Entscheidungen den Computern übertragen. „Die Software ist so kompliziert, dass das kein Mensch nicht mehr völlig durchblicken kann“, sagt Hildebrandt.

          Eine bessere Grundlage für notwendige Entscheidungen

          Wenn man einzelne Programme ausdrucken und stapeln würde, hätte man mit gigantischen Papierbergen zu kämpfen. So würden Entscheidungen, wo in die Software investiert werde, letztlich nach Bauchgefühl getroffen. Mit seiner Plattform will er die Konzernlenker in die Lage versetzen, die eigenen Systeme besser zu verstehen.

          In einer Zeit, in der die Zukunft ganzer Unternehmen davon abhängt, dass ihre Software zu jeder Zeit ohne Ausfälle funktioniert, werden nach seinen Angaben rund um den Globus jedes Jahre Tausende von Milliarden Dollar in die Entwicklung und den Erhalt der Systeme investiert.

          Mit Seerene sollen die Verantwortlichen effizientere Entscheidungen treffen können. Der Name des Unternehmens erinnert an das englische Wort „serene“, das man mit ruhig oder gelassen übersetzen kann. Für Hildebrandt heißt das: „Wir geben ihnen eine bessere Grundlage für notwendige Entscheidungen. Wir knipsen ihnen das Licht an.“

          Man bringe die Daten zusammen und bereite sie so auf, dass sie der menschliche Verstand gut verarbeiten könne, ohne dass mit dem Quellcode der Schlüssel zu den Unternehmensgeheimnissen den Konzern verlässt. Das alles geschieht mit Hilfe der Stadtlandschaft.

          Bewährte und verständliche Grundprinzipien

          Die zugrundeliegenden kartographischen Grundprinzipien hätten sich bewährt und seien universell verständlich, betont Hildebrandt. Die Programme in den Unternehmen seien zuweilen Jahrzehnte alt. „Oft traut sich keiner mehr an sie heran. Man weiß, dass sie funktionieren, aber nicht, warum.“

          Getreu der Regel, niemals ein Programm anzufassen, das funktioniere, würden sie zwar weiterhin genutzt, aber abgekapselt. Nun kann man nach seinen Worten sehen, wie viel Zeit es jeden Tag kostet, den abgeschirmten Bereich zu umkurven. „Man kann Software schneller entwickeln und Altlasten auflösen.“

          Man findet das Unternehmen in Potsdam-Babelsberg. Die Eingangshalle des Gebäudes, in dem es Untermieter ist, dominieren ein riesiges gemaltes Landschaftsbild mit einem Hirsch auf einer Felskuppe vor mächtigem Bergpanorama und weitere Requisiten aus dem Kinohit Grand Budapest Hotel.

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