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Second-Hand-Maschinen : Ein Marktplatz für Kreissägen und Traktoren

  • -Aktualisiert am

Heico Koch Bild: Matthias Lüdecke

Das junge Unternehmen Trade Machines hat eine Marktlücke entdeckt und vermarktet gebrauchte Gabelstapler, Traktoren und ähnliches Gerät. Der Gründer ist Ingenieur - und sehr internetaffin.

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          Unternehmer werfen alte Maschinen nur ungern weg. Die Verwertung von ausgemusterten Objekten ist allerdings oft mühsam und schon gar nicht schnell möglich. Das ärgert Unternehmer und vor allem Insolvenzverwalter. Seit Oktober 2013 sollte es diese Sorge nicht mehr geben. Die Online-Plattform www.trademachines.com will den bislang holprigen, weitgehend intransparenten Secondhand-Markt für gebrauchte Bagger, Gabelstapler, Kräne, Fräs- und Landmaschinen, Traktoren oder Turbinen transparenter machen. Der digitale Dienstleister nennt sich heute bereits Weltmarktführer. Er verschafft einen Marktüberblick, indem er große Mengen Angebote aus dem Internet bündelt und potentiellen Käufern auf seiner Homepage zur Verfügung stellt.

          „Wir sind quasi das Google für Gebrauchtmaschinen - ähnlich wie Trivago für Hotels. Wir führen Kaufinteressenten und Verkäufer international zusammen“, beschreibt Gründer Heico Koch die Idee. Der 45 Jahre alte promovierte Maschinenbau-Ingenieur konzipierte zunächst großtechnische Anlagen bei der damals noch bestehenden Hoechst AG, danach erste E-Business-Produkte für die Anlagen-Überprüfung. „1999 bin ich in die wachsende Dot-Com-Blase eingestiegen.

          Seitdem ist die Produktentwicklung für das Internet mein Fokus“, berichtet Koch. Und fügt hinzu, dass er bei Unternehmen wie Dooyoo und Immobilien-Scout24, vor allem aber bei sieben selbst gegründeten kleinen IT-Unternehmen wie der Condrix GmbH, Ticketool und Leanovate Erfahrung gesammelt habe. Seinen Anteil an Leanovate veräußerte Koch im Sommer 2013. Anfang September kam die Idee zu Trade Machines, die innerhalb von zwei Wochen konkretisiert wurde. „Der Business Plan war eine Excel-Tabelle, das erste Produkt ein Video. Als zehn Kunden gefunden waren, habe ich am 8. Oktober 2013 die GmbH gegründet.“ Den Namen für sein neues Berliner Unternehmen wählte er bewusst sachlich, „passend zu einem Markt, der sich Moden weitgehend verweigert.“ Gut einen Monat nach Gründung war Trade Machines mit der Google-Suchmaschine einsatzbereit. Am 1. Dezember 2013 konnte die erste Rechnung geschrieben werden. Als Geschäftsführer der „Trade Machines FI GmbH“ verantwortet Koch Produktion, Vertrieb und derzeit noch Marketing, sein Partner Wieland Knodel Finanzen, Technik und Administration. Das Unternehmen hat inzwischen 30 Mitarbeiter, die aus 15 Nationen kommen.

          Schon mehrere Unternehmen gegründet

          Als Unternehmensgründer ist Koch „Serientäter“. Das Wort amüsiert ihn: „Es klingt lustig, weil für mich jede Gründung eine sehr individuelle Erfahrung war.“ Mit E-Business, Innovation und dem Verbessern von Prozessen für Menschen hätten alle zu tun gehabt. „Das ist für mich der Treiber, der mich morgens zum Aufstehen bewegt. Es macht mir einfach Spaß, darüber nachzudenken, wie Dinge besser gehen könnten. Zumal ich inzwischen weiß, wo typische Hürden bei der Digitalisierung liegen.“ Bei Trade Machines kam hinzu, dass Koch den Maschinenmarkt kennt: Er ist international und hat ein Volumen von 380 Milliarden Dollar im Jahr. Die Marktteilnehmer begannen erst vor 3 bis 4 Jahren, online zu werben und auch zu handeln.

          Das Geld aus seinen Unternehmens-Verkäufen half Heico Koch beim Start von Trade Machines. Finanziell unterstützt haben ihn auch die Familie, Freunde und Business Angels wie Wolfgang Heigl und Philipp Klöckner. Eine kürzlich abgeschlossene, überzeichnete Crowdfunding-Kampagne bei (dem Jungunternehmen) Companisto brachte 775 505 Euro. Insgesamt hat das Start-up bis heute 3,5 Millionen Euro Finanzmittel eingesammelt. Bisher betreibt das Unternehmen online 37 lokale Länder-Marktplätze. 2016 sollen es 60 werden.

          Bezahlt wird Trade Machines dafür, dass Käufer auf die Plattform kommen. Das Grundmodell ist wie bei Google AdWords „cost per click“. Bisher sind für etwa 7 Milliarden Euro Maschinen über die Plattform gehandelt worden. Alle 8,6 Sekunden wurde ein potentieller Käufer an einen Verkäufer vermittelt. In einem Monat kommen 500 000 Anfragen. Der monatliche Umsatz von Trade Machines selbst liegt um die 70 000 Euro. „Gewinn steht für 2017 auf der Agenda“, sagt Koch. „Bei weiteren Investments verschieben wir den Break Even“, fügt er hinzu.

          Flugzeugturbine für 1,2 Millionen Euro verkauft

          Die bemerkenswerteste Vermarktung von Trade Machines war eine Flugzeugturbine in England. Acht Interessenten boten dafür, ohne dass einer besichtigt hatte. Am Ende wurden 1,2 Millionen Euro über den Tisch gereicht. Zuweilen offeriert das Portal sogar ganze Werke - für 5 Millionen Euro oder mehr. Typischer sind allerdings Angebote von Tischkreissägen für 3000 Euro bis zu Baumaschinen um die 200 000 Euro. Das meiste wechselt den Besitzer, ohne dass die Käufer das Objekt vorher sehen. Vertrauen für Blind-Käufe generieren Verkäufer über Fotos, Videos, Hersteller-Original-Belege, Umbau- und Pflegenachweise sowie dem offenen Umgang mit Schäden oder Mängeln. Oft auch durch Service, Risiko-Übernahme, Garantien und Abwicklung aus einer Hand. Agrarmaschinen wandern häufig von West- nach Osteuropa, Holzbearbeitungsmaschinen eher von Europa nach Asien.

          Konkurrenz für Trade Machines sieht Koch kaum: „Für unseren Ansatz, einen Überblick für den Käufer zu schaffen und damit ein Google für Gebrauchtmaschinen zu werden, gibt es nur einen regionalen Mitbewerber in den Vereinigten Staaten.“ Wichtig sei aber, dass sich der Online-Markt weiter entwickele. „Solange wir die führende Position haben, hilft uns jeder weitere Wettbewerber.“ Der Markt sei riesig. „Bei uns in Deutschland stehen viermal so viele Traktoren, als wir bräuchten, um die Agrarfläche zu bewirtschaften. Und auf der letzten Baumaschinenmesse hieß es, dass viele Investitionen in neue Maschinen zurückgestellt würden: Da wachse der Reiz von Secondhand-Käufen.

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