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Gründerserie : Mit dem „Waldkauz“ auf die Pirsch

Gudela und Markus Holthausen Bild: Edgar Schoepal

Markus Holthausen ist passionierter Jäger. Er weiß, dass es in Jagdtaschen nicht rascheln darf und welche Hüllen sich für Ferngläser eignen. Aus seinem Wissen hat er ein Start-up gemacht - und bedient mittlerweile nicht mehr nur Jäger.

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          Mitten in der Nacht saß Markus Holthausen in der Eifel auf einem Hochsitz und wartete auf Wildschweine, als plötzlich ein Fuchs auftauchte. Um ihn mit Geräuschen anzulocken, kramte der Grafikdesigner in seinem großen Rucksack nach dem sogenannten Mauspfeifchen. Die Suche machte allerdings selbst so laute Geräusche, dass der Fuchs das Weite suchte. Holthausen war klar: Eine Tasche musste her, in der alle wichtigen Jagdutensilien schnell und leise griffbereit sein sollten. Aus einer alten, weichen Decke nähte sich Holthausen eine Ansitztasche. Neben Patronen-Etuis bietet sie in mehreren Fächern Platz für allerlei Kleinteile. In den Taschendeckel ist ein Kern aus Blei eingearbeitet. So kann der Deckel über die Brüstung des Hochsitzes geklappt werden, und der Jäger hat direkten Zugriff auf sein Zubehör.

          Christine Scharrenbroch

          Freie Autorin in der Wirtschaft.

          Bei den Jagdkollegen sorgte die ungewöhnliche Eigenkreation immer wieder für Interesse, etliche wollten sie gerne bestellen. Aus ihrem Wohnzimmer in Neuss heraus starteten Holthausen und seine Frau Gudela einen kleinen Nebenerwerb – als Testballon, wie sie sagen. Von einer Schneiderin ließen sie die Taschen nähen und verkauften sie von 2011 an unter der Marke „Waldkauz“ über das Internet. Mit der Zeit wuchs die Produktpalette. „Auf der Jagd fallen einem immer Dinge an der Ausrüstung auf, die nicht optimal sind“, sagt der 44 Jahre alte Holthausen. Einen Fernglasschutz aus Filz und Leder entwarf er ebenso wie eine Lichtschutzblende für das Zielfernrohr und eine Decke, die sich zum Poncho umfunktionieren lässt. Am Wochenende fuhr das Ehepaar auf Jagdmessen und Landpartien auf Schlössern, um für seine Marke zu werben. Auch die Mund-zu-Mund-Propaganda half.

          Vor drei Jahren machten die Eltern zweier kleiner Kinder den „Waldkauz“ dann zu ihrem Haupterwerb. Gudela Holthausen kehrte aus der Elternzeit nicht mehr auf ihren Posten als Führungskräftetrainerin bei der Bekleidungskette Peek & Cloppenburg zurück. Ihr Mann stieg aus seiner Düsseldorfer Ateliergemeinschaft aus. Längst ist das Geschäft aus dem heimischen Wohnzimmer herausgewachsen. Mit ihren sieben Angestellten arbeiten die Holthausens inzwischen in einer Neusser Jugendstilvilla.

          Ein mittelgroßer Rucksack kostet 240 Euro

          Der kleine Showroom im Erdgeschoss ist kein Ladenlokal im engeren Sinne, dennoch schauen regelmäßig Kunden vorbei. Meist sind sie über den Online-Shop aufmerksam geworden, wollen die Jacken, Westen oder Mäntel aber gerne vor dem Kauf anprobieren. In der Werkstatt im ersten Stock fertigen drei Näherinnen gerade neu entworfene Jagdrucksäcke. Von der Form ähneln sie Trekkingrucksäcken, bestehen aber aus gewachster Baumwolle und Loden, einem widerstandsfähigen, dichten Wollstoff. Zu seiner Herstellung wird gesponnene Wolle erst verwoben und dann mit Wasser gewalkt.

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