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Gründerserie : Dieses Start-up bekämpft die Zettelwirtschaft

Jan-Martin Josten, Gründer von Shyftplan Bild: Shyftplan

Dass bald die Arbeitszeiterfassung für alle kommen könnte, finden viele gruselig. Die Gründer des Start-ups Schyftplan nicht: Sie haben eine Cloud-Software für Dienstpläne und Lohnabrechnung geschaffen - und wittern eine rosige Zukunft.

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          Als der Europäische Gerichtshof im Mai sein vielbeachtetes „Stechuhrurteil“ sprach, löste das in der Wirtschaft großes Missfallen aus. Auch wenn das Urteil Interpretationsspielräume lässt, könnte es für viele Arbeitgeber bedeuten, dass sie bald mehr Aufwand betreiben müssen, um die Arbeitszeiten ihrer Mitarbeiter zu erfassen.

          Dietrich Creutzburg

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Für ein junges Unternehmen aus Berlin allerdings war das eine willkommene Werbung für sein Produkt: für eine Software, die nicht etwa nur Arbeitszeiten dokumentiert – sondern im Unternehmen gleich den gesamten Ablauf von der Schicht- und Dienstplanung bis zur Lohnabrechnung vereinfachen kann.

          Denn das ist es, was Jan-Martin Josten und seine Mitstreiter mit ihrer Shyftplan GmbH bieten: Während nicht wenige Unternehmen ihre Schicht- und Dienstpläne immer noch mit Hilfe von Excel-Tabellen oder gar auf Papier erstellen, haben sie eine Lösung, die die Möglichkeiten cloudgestützten Informationsaustauschs nutzt. Das bedeutet, dass alle Mitarbeiter, die es angeht, von ihren Geräten aus am Erstellen der Pläne mitwirken können, in Echtzeit. Das erlaubt mehr Selbstorganisation und kann helfen, individuelle Wünsche besser zu berücksichtigen.

          Mehr als 130.000 Nutzer

          Zudem lassen sich die nächsten Schritte einer digitalen Personalwirtschaft direkt anknüpfen, wo die so erstellten Pläne in passender Form vorliegen: von Arbeitszeitdokumentation bis Lohnabrechnung.

          „Anstelle einer Zettelwirtschaft in Schuhkartons, die man zum Steuerberater trägt, werden die Daten in Shyftplan organisiert“, erläutert Gründer und Geschäftsführer Josten. Aber auch für Unternehmen mit eigener Personalbuchhaltung biete dieser Digitalisierungsschritt Einsparpotential. Wer die Software abruft, zahlt nach einer Testphase eine von der Mitarbeiterzahl abhängige Monatsgebühr.

          Sechs Jahre nach der Gründung zählt Shyftplan mehr als 130.000 Nutzer – und darunter nicht nur Kleinbetriebe ohne professionelle Personalabteilung, sondern selbst Dax-Konzerne und andere namhafte Unternehmen bis hin zu Tesla, dem amerikanischen Elektroauto-Pionier.

          Die mittlerweile wichtigste Referenz ist aber die: Seit 2017 darf Shyftplan als offizieller Produktpartner des Software-Riesen SAP auftreten; auf der diesjährigen Hannover Messe im April präsentierte es sich auf dessen Stand. Die Berliner haben eine Marktlücke besetzt, die eigentlich im Vorgarten des Weltkonzerns für Unternehmens-Software lag.

          Der Geschäftsführer läuft auf Socken durchs Büro

          Besuch im Szenebezirk Kreuzberg, wo mittlerweile 45 Menschen aus aller Welt in der Büroetage eines Geschäftshauses an der Weiterentwicklung und Verbreitung von Shyftplan arbeiten – in einer Atmosphäre, die nach wie vor Gründergeist verströmt. Josten, 31 Jahre alt und Kopf der Unternehmung, führt hier seine Alltagsgeschäfte in Jeans und T-Shirt. Mit Kaffeebecher in der Hand und auf Socken kommt er um die Ecke, macht es sich auf der Couch in dem unprätentiösen Besprechungsraum bequem und erzählt: über die Anfangszeit, über „API-Schnittstellen“ und Softwarearchitektur, über Unternehmertum. Und auf Nachfrage ein wenig über American Football. Denn darin hat er es bis in die Bundesliga gebracht.

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