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Gründerserie : Im Kampf für die Kaffeekirsche

Es ist ein langer Kampf mit den Behörden, der daraufhin beginnt. Um die Anerkennung der Kaffeekirsche als neues Lebensmittel in der EU kümmert sich ein Kaffee-Importeur aus Österreich – Ergebnis noch offen. Ein Strafverfahren gegen Zumbaum wegen des Verstoßes gegen das Lebensmittelschutzgesetz wurde zwar bald wieder fallengelassen. Erst vor wenigen Wochen aber verhängten die Behörden in der Sache ein Bußgeld gegen sie. Zumbaum bleibt aber optimistisch: Immerhin sei sie nicht vorbestraft.

Und kleingekriegt haben die Bürokraten die Gründerin auch nicht. Stattdessen kam sie auf die Idee mit dem grünen Kaffee. Auch ungewöhnlich, aber erlaubt. Ende 2017 sammelten Zumbaum und ihre Mitstreiter wieder 25 000 Euro über eine Crowdfunding-Kampagne ein, um eine erste große Charge zu finanzieren. Und dieses Mal wird der Trunk nicht nur an einige hippe Bars verteilt. Auch erste Supermärkte konnte Zumbaum schon von ihrem Getränk überzeugen. Vor allem Bio-Märkte wie Alnatura oder Denn’s seien schnell dabei gewesen.

„Im Handel sind die Vertriebswege sehr verrostet“

Einen Ritterschlag erhielt Selo vor wenigen Tagen von der Einzelhandelskette Rewe, die die Limonade aus grünem Kaffee im Rahmen eines Wettbewerbs zum innovativsten neuen Produkt gekürt hat. Belohnung ist die Aufnahme von Selo in das Sortiment aller 3000 Rewe-Märkte. Hans-Jürgen Moog, der bei Rewe für den Einkauf und die Eigenmarken verantwortlich ist, bescheinigte Selo großes Marktpotential. „Auch konventionelle Supermärkte wie Rewe und Edeka wollen sich inzwischen gerade über ausgefallene Produkte vom Discounter unterscheiden“, sagt Zumbaum.

Dennoch ist das Geschäft mühsam. „Im Handel sind die Vertriebswege oft sehr verrostet.“ Deshalb versucht Zumbaum, gemeinsam mit anderen Neulingen am Lebensmittelmarkt einen stärkeren Auftritt gegenüber den Handelsgrößen zu organisieren. „Es hilft auf jeden Fall, mit anderen kleinen Food-Herstellern Kooperationen einzugehen.“ Um für den Handel attraktiver zu werden und um im Supermarktregal nicht unterzugehen, hat Zumbaum nun auch zwei weitere Geschmacksrichtungen von Selo entwickeln lassen; natürlich wieder nichts, was nach nullachtfünfzehn klingt. Kurkuma-Orange und Hibiskus heißen die Neuen. „Mehr als eine Sorte zu haben ist wichtig, um im Handel richtig präsent sein zu können“, sagt Zumbaum.

Ihr Fernziel bleibt allerdings noch immer, die Kaffeekirsche zu etablieren. Denn aus Sicht von Zumbaum sind die Hersteller des Kaffees die schwächsten Glieder in der weltumspannenden Wertschöpfungskette, die Weltmarktpreise bestimmen und drücken die riesigen Kaffeekonzerne. „Wenn die Kaffeebauern die Kaffeekirsche auch verkaufen können, kann das ihren Umsatz um 50 Prozent steigern“, meint Zumbaum.

Wenn sich das bisherige Abfallprodukt ebenfalls etabliere, könnten sich die Landwirte ein zweites Standbein aufbauen. Sollte die Genehmigung als neuartiges Lebensmittel in Brüssel im ersten Anlauf scheitern, will Zumbaum daher weiterkämpfen und versucht, die Stiftungen großer Kaffeekonzerne für ihre Ziele zu gewinnen. „Meine Hoffnung ist, dass der grüne Kaffee ein Botschafter für die Kaffeekirsche sein kann.“

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