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Die Gründer : Gegen den Widerstand der Krankenkassen

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Ein Hinweis auf der Versichertenkarte

Die ausgedruckte und unterschriebene Patientenverfügung wird bei Dipat und beim Kunden hinterlegt. Der Arzt wiederum hat auf die Verfügung bei Dipat Zugriff, um sie im entscheidenden Moment einzusehen. „Der Kunde erhält einen Aufkleber für die Versichertenkarte seiner Krankenkasse, auf der ein Code steht, über den die Patientenverfügung online abrufbar ist.“ Dass dies im Notfall funktioniert, weiß er aus seiner Zeit als Notarzt. „Natürlich geht es bei einem Einsatz vor allem darum, den Menschen zu retten. Dennoch müssen Rettungssanitäter schon mit Blick auf die Abrechnung routinemäßig nach der Versichertenkarte suchen“, sagt Brandenburg.

Ein Code auf der Versichertenkarte ermöglicht den Zugang zur Patientenverfügung.
Ein Code auf der Versichertenkarte ermöglicht den Zugang zur Patientenverfügung. : Bild: dpa

Um sein Unternehmen professionell aufzustellen, bewarb sich der Mediziner beim SpinLab der Handelshochschule Leipzig und bekam im Accelerator-Programm für sechs Monate die Gelegenheit, sich im Bereich Betriebswirtschaft, Recht und Marketing unterstützen zu lassen. Dort traf er auch den Entwickler, mit dem der Gründer den Spagat zwischen Datensicherheit und schnellem Informationszugang für die Rettungskräfte bewerkstelligt: Die verschlüsselte Software wurde programmiert und die Daten aus Datenschutz-Gründen auf Servern ablegt, die in Deutschland gehostet werden.

Große Investoren steigen ein

Brandenburgs Geschäftsmodell ist seiner Zeit möglicherweise noch etwas voraus. Seine Annahme, dass die Krankenkassen die Monatsbeiträge für ihre Mitglieder übernehmen würden, hat sich nicht bestätigt. Zwar habe er lobende Worte erhalten, da ungewünschte Behandlung und damit verbundene Kosten vermieden werden könnten, dennoch erschien die Idee den Krankenkassen kommunikativ zu heikel. Man habe ihn vertröstet mit den Worten: „Wenn der Gedanke in der Bevölkerung angekommen ist, dann sprechen wir noch mal.“

„Anbieter auf dem E-Health-Markt brauchen Durchhaltekraft“, weiß Brandenburg. „Nur sehr wenige bekommen mit ihren Produkten eine Kassenerstattung.“ Er bietet seinen Service nun gegen eine jährliche Gebühr an, die einem Monatsbeitrag für ein gutes Fitness-Studio entspricht. Nachdem der Bundesgerichtshof im Februar 2017 entschieden hatte, dass eine Patientenverfügung nur dann rechtliche Gültigkeit erlangt, wenn sie konkrete Behandlungsentscheidungen in konkreten Behandlungssituationen aufweist, fanden sich auch Investoren: Im April 2017 stiegen der Technologiegründerfonds Sachsen und die Madsack Mediengruppe mit 2 Millionen Euro ein. Gleichzeitig siedelte Brandenburg sein Unternehmen mit zehn Mitarbeitern in Leipzig an und hatte Ende Juli 2017 nach eigenen Angaben 5000 Kunden. Vor wenigen Tagen ist auch der Axel Springer Verlag als Investor eingestiegen, um Medienleistungen im Umfang von einer Million Euro zu erbringen.

Dipat plant bis Ende 2018 einen Umsatz von 2,4 Millionen Euro mit 130000 Nutzern. Dafür wirbt er analog in ganzseitigen Zeitungsanzeigen. „Mit steigendem Alter wächst das Interesse an unserem Produkt. Fast die Hälfte unserer Kunden ist über sechzig und eher offline“, berichtet Brandenburg. Der Patient, dessen Schicksal die Initialzündung für sein Start-up war, verstarb nach einigen Monaten im Koma an einer Lungenentzündung. An das Leiden der Angehörigen, die das Ableben täglich mit ansahen, denkt er noch heute.

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