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Die Gründer : Heißer Kaffee im Mehrwegbecher

  • -Aktualisiert am

Ein Recup-Kaffee-Pfandbecher wird in einem Cafe in Oldenburg befüllt. Bild: dpa

Immer diese Einwegbecher! Wie zwei junge Gründer aus einem Ärgernis aus Studentenzeiten ein erfolgreiches Start-up machten.

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          Wie so viele Start-ups der jüngeren Zeit entstand auch Recup (www.recup.de) aus einer Mischung von persönlichem Ärgernis und dem Wunsch, mit eigenem Einsatz die aktuelle Welt wenigstens ein Stück weit zu verbessern. Die Idee zum Pfandsystem für Coffee-to-go-Becher hatten die beiden Gründer Fabian Eckert (geboren 1989 in Heidelberg) und Florian Pachaly (geboren 1995 in Rosenheim) schon als Studenten: Wann immer sie einen Kaffee zum Mitnehmen kauften, wurde ihnen der unverhältnismäßig hohe Verbrauch an Einwegbechern für dieses Heißgetränk bewusst. Allein in Deutschland sind es 2,8 Milliarden jährlich, die alsbald im Müll landen und wegen ihrer Mixtur aus Pappe und Kunststoff kaum zu recyceln sind. Um einen Beitrag zum Umweltschutz und gegen diese Ressourcenverschwendung zu leisten, suchten Eckert und Pachaly nach einer unkomplizierten, attraktiven Alternative. Sie kamen auf ein Pfandsystem für Mehrwegbecher, ähnlich, wie es bei Flaschen funktioniert.

          An den Pfandbechern selbst verdienen Eckert und Pachaly kein Geld. „Wir finanzieren uns über eine monatliche Systemgebühr, die die Recup-Partner an uns entrichten“, erklären die beiden Gründer ihr Geschäftsprinzip. Gegen eine Finanzierung über den Verkauf der Pfandbecher haben sie sich bewusst entschieden, weil sie ein stabiles Pfandsystem mit so wenig Bechern wie möglich aufbauen wollten. Die Höhe der Systemgebühr, die die teilnehmenden Gastronomen bezahlen, richtet sich nach der Länge der gewählten Vertragslaufzeit. Sie ermöglicht den Bezug der Pfandbecher, die Nutzung einer Online-Plattform sowie die Abbildung im Pfandnetz und weitere Leistungen. Und das zum Preis von 25 bis 45 Euro monatlich.

          Gestartet sind Eckert und Pachaly 2017 mit 50 Kooperationspartnern in München. Mittlerweile ist ihr Pfandsystem deutschlandweit an mehr als 5000 Recup-Ausgabestellen präsent. Ein gewaltiger Schub kam jetzt zum Jahresbeginn dazu, da 1200 Shell-Tankstellen als neue Partner gewonnen wurden. Auch dort können nun Kaffeetrinker einen Coffee to go gegen 1 Euro Gebühr im Pfandbecher mitnehmen – und diesen leergetrunken an einer anderen Ausgabestelle einlösen.

          Vor allem kleine Läden machen mit

          Heute ist Recup als einziges Pfandsystem für Kaffee zum Mitnehmen in Deutschland vertreten, sagen die Gründer: „Denn im Vergleich zu einigen Mitbewerbern sind wir nicht nur regional aufgestellt.“ Insellösungen, die sich nur auf eine bestimmte Region oder Stadt beziehen, seien schwierig: „Wir meinen, nur wenn ein Pfandystem flächendeckend aufgebaut wird und neutral in Erscheinung tritt, hat es langfristig einen nachhaltigen Effekt.“ Um in ganz Deutschland flächendeckend anzukommen, sind die Recups im einheitlichen Design gestaltet. Es gibt die Pfandbecher in drei Größen und zwei Farben, darunter ein auffälliger mintgrüner Ton. Wenn Städte und Kommunen das Pfandsystem regional einführen wollen, besteht auch die Möglichkeit zu einer speziellen Edition: „Außerhalb dieser Individualisierung bedrucken wir die Recup-Becher aber nicht, weil wir Werbeneutralität und Zeitlosigkeit gewährleisten wollen“, so Eckert und Pachaly.

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