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Ökologisch gründen : Barsche und Tomaten für die Hauptstadt

  • -Aktualisiert am

Nicolas Leschke und Christian Echternacht Bild: Matthias Lüdecke

Nicolas Leschke und Christian Echternacht entwickeln eine kombinierte Fisch- und Gemüsefarm, die lokal, effizient und ökologisch arbeitet. Weil sie eine Leidenschaft fürs Essen haben - aber auch fürs Unternehmertum.

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          Barsche sind sensibel. Und neugierig. Sobald ein Besucher in eines der großen schwarzen Becken späht, ist es vorbei mit dem ruhigen Im-Kreis-Schwimmen. Sofort gibt es Turbulenzen im Tank, Fischleiber zappeln und pflügen als Schwarm durchs Wasser, ein wilder, rosa Wirbel. Jeder Bottich beherbergt eine Fischgeneration. Von den Neulingen, groß wie ein kleiner Finger, bis zu den Veteranen, die bald schon nebenan landen werden - wo Männer und Frauen in Schürzen sie ausnehmen und für den Verkauf verpacken.

          Es könnte eine ganz normale Fischzuchtstation sein, in der die Barsche ihre Runden drehen. Ist es aber nicht. Die Bassins gehören zur Vorführ- und Testfarm des Berliner Start-ups ECF Farmsystems. ECF steht für Efficient City Farming, also effiziente Landwirtschaft in der Stadt. Die Barsche sind „Hauptstadtbarsche“ und Teil eines ausgeklügelten Systems, mit dem die Firmengründer Nicolas Leschke und Christian Echternacht die Lebensmittelproduktion verändern wollen: lokal, effizient, ökologisch.

          Die Barsche sind Puzzlestück Nummer eins. Das passende Gegenstück lässt sich ein paar Meter weiter besichtigen: Im Gewächshaus ranken Tomatenpflanzen an Drähten Richtung Glasdach. Rot leuchtet die Sorte „Encore“, gelb die „Limoncito“. „Kulturen am hohen Draht“, sagt Leschke. Dann zeigt er nach unten. Die Pflanzen wachsen nicht in Erde, sondern auf gepresster Kokosfaser, Schläuche führen Richtung Wurzel. Jede Pflanze wird einzeln angesteuert vom Computersystem und nach Bedarf mit Nährstofflösung versorgt. Und hier kommen die Hauptstadtbarsche ins Spiel: Das, was die im Wasser hinterlassen, wird gefiltert, umgewandelt und als Dünger für die Tomaten im Gewächshaus genutzt. So wird das Grundwasser nicht belastet, und der Dünger muss nicht teuer eingekauft werden. Zusätzlich arbeitet das System wassersparend, nutzt Regenwasser und Strom aus erneuerbaren Quellen.

          Im Klima-Computer läuft alles zusammen

          Aquaponik nennt sich das, was die Gründer hier im Berliner Stadtteil Schöneberg aufgebaut haben: die Verbindung von Aquakultur und Hydroponik, dem Anbau von Pflanzen in Nährlösung statt Erde. Ein Glashaus weiter testen sie das an Salat und Kräutern, Paprika und Chilis. „Das ist das Piccolino“, sagt Nicolas Leschke und zeigt eine Basilikumstaude, „musst mal dran riechen!“ Gerade wird einer der Pflanztische geflutet. Die Salatköpfe und Kräuter wachsen derzeit auf Blähton und Vulkangestein. Die Firmengründer testen verschiedene Anbauverfahren, je nachdem, was für die entsprechende Pflanze am besten passt.

          Herzstück des Systems ist der Computer, „die zentrale Intelligenz“, sagt Leschke. Sensoren in der Fischzucht und im Gewächshaus senden Luft- und Wasser-Daten, im Klima-Computer läuft alles zusammen. Der Rechner steuert die Luftfeuchtigkeit, wann die Fenster geöffnet werden, wann verschattet wird, wann Nährstofflösung fließt. ECF-Mitarbeiter sortieren „Hauptstadttomaten“ in munter bedruckte Pappkisten.

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