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Schicke Geschäftsidee : Der Druck der Mode

  • -Aktualisiert am

Ute Binder Bild: Helmut Fricke

Sie ist Schneiderin, er Biotechnologe. Genau deshalb hatten Ute Binder und ihr Bruder eine Geschäftsidee: Schicke, umweltfreundliche Kleidung, die zugleich billig herzustellen ist.

          3 Min.

          Wer einen Blick auf den großen Betriebshof des Holzbauunternehmens am Rande von Vöhringen bei Rottweil wirft, muss schon zweimal hinschauen, bevor er etwas abseits das eher unauffällige Firmenschild von Robecode entdeckt. Das kleine Modeunternehmen mit Sitz in der schwäbischen Gemeinde, die etwas mehr als 4000 Einwohner zählt, ist auf Damenmode fokussiert. Hinter der 2013 gegründeten Robecode GmbH stehen Ute Binder und ihr Bruder Uli. Die 31-Jährige ist ausgebildete Schneiderin und Designerin. Im Alter zwischen 13 und 14 Jahren habe sie angefangen, selbst zu nähen, sagt die junge Frau, die zugleich geschäftsführende Gesellschafterin ist. Es folgte wenig später der Besuch eines entsprechenden Kurses an der Volkshochschule. „Ich habe mich dann auf das Zeichnen fixiert.“ Das Thema Mode lässt sie von nun an nicht mehr los. Nach dem Abitur folgen die Schneiderlehre und anschließend das Modedesign-Studium. In dieser Zeit wird ihr klar, dass sie den Sprung in die Selbständigkeit wagen will.

          Sie und ihr 36 Jahre alte Bruder sind bei dem Thema positiv vorbelastet. Hintergrund ist der elterliche Holzbaubetrieb. Als Kind habe man das Thema Selbständigkeit immer miterlebt, so der 36 Jahre alte Uli Binder, der von Haus aus mit Mode eigentlich nichts zu tun hat. Er studierte Molekularbiotechnologie und hat schon Erfahrung als Gründer gesammelt. Im Jahr 2009 rief er zusammen mit anderen ein Biotechnologieunternehmen ins Leben. Als Fachmann mit dem entsprechenden chemischen Wissen hat er seine Schwester im Hintergrund unterstützt. Denn sie bedruckt die speziellen Stoffe mit einem speziellen Verfahren. Dabei wird das farbige Motiv mit Hilfe eines Transferpapiers unter hoher Temperatur und hohem Druck aufgebracht. Am Anfang stand zunächst die Schwierigkeit, den richtigen Stoff zu finden. Das sei gar nicht so einfach gewesen, erklärt die 31-jährige Jungunternehmerin.

          Zum einen ist es eine Frage des Preises gewesen und zum anderen ist für den fotorealistischen Druck nicht jedes Material geeignet. Fündig geworden ist Ute Binder im Ausland. Dort werden die Stoffe unter anderem aus wiederverwerteten PET-Flaschen und Hightech-Fasern aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt. Das fühle sich an wie Baumwolle. Es habe mit den Polyesterfasern aus der Vergangenheit nichts mehr zu tun.

          Motive aus dem Alltag

          Die Hohlfasern seien aber notwendig, damit die wasserbasierenden Farben am Stoff hafteten. Die Motive für die bedruckten Stoffe findet Binder im Alltag. Das kann schon einmal auch ein Auto sein. Sie arbeite gleichfalls mit Fotografen oder Künstlern zusammen. Die verwendete Drucktechnik hat einen entscheidenden Vorteil: Sie kann kostengünstig umgesetzt werden. Würde Binder nämlich mit Seide oder Baumwolle arbeiten und ein klassisches Druckverfahren verwenden, wäre beispielsweise eine Anlage zur Behandlung von Abwasser notwendig. Und die Kosten dafür wären immens und für das kleine Unternehmen, das in diesem Jahr einen Umsatz von 100.000 Euro anstrebt, wohl nicht ohne weiteres zu stemmen gewesen. Die Robecode GmbH beschäftigt bislang eine Näherin und eine Mitarbeiterin im Vertrieb.

          Binder bedruckt ihre Stoffe bewusst selbst, um schnell auf Trends reagieren zu können. Das Design für die Kollektion aus Pullovern, Jacken, Leggins, Shirts und Accessoires entsteht am Computer, in dem nur wenige Quadratmeter großen Produktionsraum, in dem gleichfalls von der Näherin die individuellen Teile gefertigt werden. Robecode setzt auf Damenoberbekleidung. Das hat einen einfachen Grund: „Ein Blazer besteht aus vielen Einzelteilen. Das wäre zu aufwendig.“ Die Gewinnschwelle will das Unternehmen im kommenden Jahr erreichen, sagt Uli Binder, der die Entwicklung und Produktion der Stoffe organisiert und für das Rechnungswesen zuständig ist. Bislang wird die Mode nur über das Internet vertrieben. Doch die ersten Boutiquen sind nun auf das kleine Unternehmen zugekommen, das in den letzten Jahren die einschlägigen Messen in Deutschland und Österreich besucht hat, um in der Öffentlichkeit bekannt zu werden. Die Zielgruppe der Streetwear sind Frauen im Alter von 25 bis 35 Jahren.

          „Vor Ort produzieren“

          Der Wunsch der Boutiquen stellte die Gründer zunächst vor das Problem, wer fertigt dann künftig die Ware für das breitere Publikum. Ute Binder ist deshalb auf die Suche nach einer Näherei gegangen und in der näheren Umgebung fündig geworden. Die Näherei übernimmt künftig große Teile der Produktion. Diese sei bewusst nicht in das Ausland verlagert worden. „Wir wollen vor Ort produzieren“, sagt sie. Außerdem könne dann der gesamte Prozess gleichfalls besser überwacht werden. Binder hat sich bewusst für den Sitz des Unternehmens in der Provinz entschieden. In der Umgebung von Vöhringen, unweit ist die Schwäbische Alb, ist traditionell immer noch Textilindustrie ansässig.

          Eine Besonderheit unterscheidet Robecode wohl von anderen Modeunternehmen. Das ist die Verbindung von Kleidung und Online-Marketing. Bislang hat jedes Kleidungsstück seinen eigenen QR-Code. Damit können die Träger das Kleidungsstück unter anderem mit sozialen Netzwerken verknüpfen, erläutert die pfiffige Designerin. Gleichzeitig gibt es unter bestimmten Umständen auch einen Rabatt, wenn ein neuer Kunde unter Verweis auf den QR-Code bestellt. Die Ware für den Handel soll aber ohne den QR-Code auf den Markt kommen, sagt Designerin Binder. Denn das sei dann zu kompliziert und sicherlich erklärungsbedürftig. Neben dem Gang in den Handel plant Binder gleichfalls den Einstieg in die Mode für Kleinkinder.

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