https://www.faz.net/-gyl-9zj56

Gründerserie : Ein Start-up für Informationen aus der Zentrale

Meik Schwind, Frieder Reinhardt und Manuel Conrad (von links nach rechts) Bild: Marcus Kaufhold

IK-up! verkauft Software für Mitarbeiterkommunikation. Gerade in Zeiten des Homeoffice ist diese sehr gefragt. Gestartet ist das Trio aber mit einer ganz anderen Geschäftsidee.

          4 Min.

          Wir haben eine relativ bewegte Vergangenheit“, sagt Manuel Conrad. Er lacht, als er das sagt. Diese Entspanntheit kann er sich leisten, weil er und seine Mitstreiter aus Fehlern und Fehlentscheidungen gelernt haben und weil ihr Unternehmen inzwischen floriert. Das heißt IK-up!, hat seine Büros in Mainz und ist darauf spezialisiert, Software für Mitarbeiterkommunikation bevorzugt an mittelständische Betriebe zu verkaufen. Der Name ist Programm: IK steht für interne Kommunikation.

          Ursula Kals
          (uka), Beruf & Chance, Wirtschaft

          Dabei sind die Gründer vor fünf Jahren mit einer gänzlich anderen Geschäftsidee gestartet, einer selbst entwickelten Software mit automatisierten Abläufen für lokalen Online-Journalismus. Ihr Content-Management-System bindet Leser ein, sie regen Themen an, ihre Vorschläge werden von professionellen Journalisten eingeordnet, teils verworfen, teils aufgegriffen und recherchiert. Die zwei größten Kunden sind die Augsburger Mediengruppe Pressedruck und die VRM (früher „Verlagsgruppe Rhein Main“). Was vor der Haustür unter der Marke Merkurist eine Erfolgsgeschichte ist, kam aber bundesweit bisher bei anderen Verlagen nicht an.

          „Wir waren überzeugt, das wird nichts.

          2018 war ein hartes Jahr. „Wir haben viel Geld in Software und Technologien investiert. Zu erkennen und sich einzugestehen, das wird nicht funktionieren, war frustrierend“, berichtet Conrad ungeschönt. Der 35-jährige findet aber auch: „Wenn man stark unter Druck ist, kommen die besten Ideen. Wir haben gute Software.“ Bei einem befreundeten Unternehmer habe er sich „ausgeheult“, dieser hörte aufmerksam zu: Habt ihr mal überlegt, eure Software als digitale Mitarbeiterzeitung zu verkaufen? Wendet euch an die Mittelständler, da sind viele Missstände in der Mitarbeiterkommunikation. Manuel Conrad recherchierte.

          Er hat auf der European Business School in Oestrich-Winkel seinen Master of Finance gemacht und war dann Unternehmensberater bei Deloitte. Er sei der Zahlenmensch. Doch der erste Versuch, einen Kunden zu gewinnen, scheiterte. Ein zweiter Akquisetermin folgte. „Der lief extrem schlecht, wir waren überzeugt, das wird nichts.“

          Sie sollten sich irren. Frieder Reinhardt, einer der Mitgründer, meldete sich kurz darauf: „Die wollen das machen!“ Die Zusage kam von einer großen, modern organisierten Rechtsanwaltskanzlei mit 90 Mitarbeitern in Berlin. Die Befürchtungen der Mainzer, dass die Anwälte „uns beim Thema Datenschutz zerlegen“, traten nicht ein.

          40 Kunden im ersten Jahr

          Im ersten Jahr haben sie so 40 Kunden gewonnen, darunter eine Außenstelle der Malteser, eine Ikea-Filiale und den Facilitymanager Apleona in Neu-Isenburg, der mit seinen 20.000 Mitarbeitern eigentlich zu groß sei, aber eben nur eigentlich, sagen die drei Gründer, neben dem Betriebswirtschaftler und CEO Manuel Conrad der Ingenieurinformatiker und Technikchef Meik Schwind und Frieder Reinhardt, der als Wirtschaftsingenieur für den Vertrieb zuständig ist.

          Die Kundengespräche verlaufen ähnlich, denn alle hätten das gleiche Problem, redet sich Conrad in Schwung: „Stellen Sie einem Geschäftsführer die Frage, wie gut läuft die interne Kommunikation im Unternehmen? Ich habe noch keinen gefunden, der sagt, das läuft richtig gut. Jeder weiß, das können wir verbessern, aber es gibt wichtigere Dinge.“ Das ist durch Corona schlagartig anders geworden. Erreichbarkeit, Transparenz und rasche Information, was sich wie und wann für jemanden beim Arbeiten ändert, das hat jetzt Priorität.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Daisuke Inoue mit seiner Erfindung

          Geistiges Eigentum : Erfinden ohne Patente

          Der Schutz durch Patente treibt die Wissenschaft auf den Markt. Doch viele Forscher und Erfinder haben sich ihre geistigen Früchte gar nicht schützen lassen.
          Gefährdete Spezies: Auch für Hersteller von Spielzeugpuppen werden derzeit die Rohstoffe knapp.

          Rohstoffmangel in Europa : Bei Barbiepuppen wird es schon eng

          In Europa werden Rohstoffe knapp. Pappe, Metall und Kunststoff sind Mangelware. Lieferketten sind zu anfällig, die Vorräte zu dürftig. Vor Jahresende ist wenig Besserung in Sicht.
          Eine Figur des britischen Premierminister Boris Johnson im Hafen von Hartlepool am 7. Mai

          Nachwahl in Hartlepool : Die krachende Niederlage der Labour Party

          Die überwältigende Mehrheit für die Tory-Kandidatin in der früheren Labour-Hochburg Hartlepool erschüttert die Oppositionspartei. Und wirft die Frage auf, ob Keir Starmers Zeit als Vorsitzender abgelaufen ist.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.