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Gründerserie : Algorithmen für den Privatanleger

Die Aktienhandelsplattform Traderama ist nicht das erste Unternehmen, dass Michael Geke gegründet hat. Bild: Edgar Schoepal

Es gibt Anlageroboter – und es gibt die Aktienhandelsplattform Traderama. Michael Geke hat sie aufgebaut, um neue Strategien im Aktienhandel der Allgemeinheit zugänglich zu machen.

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          Es ist nicht das erste Unternehmen, das Michael Geke gegründet hat. Mit seiner Aktienhandelsplattform Traderama ist der gebürtige Nürtinger im Jahr 2018 im Internet an den Start gegangen. Davor hat Geke, der inzwischen sein Domizil in Meerbusch nahe Düsseldorf aufgeschlagen hat, schon eine Gesellschaft für strategische Personalplanung aufgebaut, die er im Jahr 2012 an die Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG verkaufte. Doch schon zwischen 2000 und 2003 leitete der promovierte Naturwissenschaftler, der zudem eine betriebswirtschaftliche Ausbildung mit dem Titel eines Masters of Business Administration (MBA) abgeschlossen hat, ein von ihm gegründetes Unternehmen, das sich auf Software-Lösungen für die Personalsuche ausgerichtet hatte.

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das Gen eines Unternehmensgründers scheint ihm mitgegeben worden zu sein. „Mir macht es Spaß, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen“, sagt er im Gespräch mit der F.A.Z. Eigene Ideen begeistern ihn, ebenso die Gelegenheit, mit Kunden etwas gemeinsam zu entwickeln. Erfährt Geke dann Bestätigung von außerhalb, dann nimmt die Begeisterung nochmal zu. Auf dem Feld der Internetunternehmen blickt er schon auf reichlich Erfahrung zurück. Nun ist er im Bereich der Online-Finanzdienstleistungen, der Fintechs, angekommen. An der Börse hat er als Privatanleger schon immer investiert.

          Dabei wird schnell klar, wen der Naturwissenschaftler zum Vorbild hat: James Simons, Gründer der legendären amerikanischen Anlagegesellschaft Renaissance. Das Hedgefonds-Flaggschiff Medallion hat über die Spanne von 30 Jahren zwischen 1988 und 2018 jährlich nach Abzug der Gebühren eine durchschnittliche Rendite von 39 Prozent erwirtschaftet. Damit hat der Mathematiker Simons die Konkurrenz an der Wall Street deklassiert. Seine Grundlage für Anlageentscheidungen sind mathematisch-statistische Analysen. Darauf setzt auch Geke mit Hilfe eigener mathematischer Modelle. Nötig sind dafür große Datenmengen, um Überbewertungen oder Unterbewertungen zu erkennen.

          Monatlichen Gebühren zwischen 29 und 129 Euro

          Mit Traderama hat Geke schon 700 Privatkunden gewinnen können. Hinzu kommen Vermögensverwalter, die mit seinen Handelsempfehlungen Anlegergelder in zweistelliger Millionenhöhe steuern. In diesem Jahr will Geke auf Basis von Traderama mit einem Partner einen Fonds auflegen. Immerhin ist seine neue Gesellschaft schon profitabel. Das spornt ihn an, sich neue ehrgeizige Ziele zu setzen. Seine Plattform bezeichnet er als „digitalen Assistenten für den Aktienanleger“.

          Seine Zielgruppe sind Personen, die sich für Aktien interessieren, aber nicht die Zeit, Systematik oder die Lust zu aufwendigen Analysen haben. Das Werkzeug dazu liefert Traderama. Um es für das eigene Depot zu nutzen, müsse nichts installiert werden. „ Man bekommt die Signale direkt online und kann diese dann im eigenen Depot eingeben. Rund fünf Minuten am Tag sollten reichen, um sein eigener Fondsmanager zu werden“, wirbt Geke.

          Die monatlichen Gebühren liegen zwischen 29 und 129 Euro. Dafür erhalten die Kunden regelmäßig, nämlich fast täglich, Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Diese beruhen auf der quantitativen Analyse, wie sie neben Renaissance auch der amerikanische Vermögensverwalter Invesco einsetzt. Nach den Worten Gekes stehen die Muster des Kursverlaufs im Mittelpunkt, um frühzeitig Trendwechsel zu erkennen.

          Daraus leitet dann Traderama Kauf- und Verkaufssignale ab. Dabei greift Geke auch auf Instrumente der Künstlichen Intelligenz zurück. Mit Charttechnik habe das nichts zu tun, fügt er hinzu. Vielmehr seien Wahrscheinlichkeitsrechnungen und Simulationen für den weiteren Verlauf die Werkzeuge. Schließlich würden für die Analyse einer Aktie rund 10.000 Datensätze genutzt. „Das größte Problem für den Anleger ist die Unsicherheit und damit verbunden die Angst“, sagt er. Sicherheit am Aktienmarkt sei nicht möglich, aber Systematik und Logik, ist Geke überzeugt. Der Anleger könne über Traderama erfahren, auf welchen Kursniveaus die Aktie gekauft oder verkauft werden solle.

          Anleger haben die volle Kontrolle

          Die Kunden können die Pakete je nach Bedarf auswählen, also zum Beispiel ob sie fast täglich handeln oder die Aktienanlage eher als Hobby betrachten. Die Analysen von Traderama beziehen sich auf deutsche und amerikanische Standardaktien, aber auch auf börsennotierte Indexfonds, sogenannte Exchange Traded Funds (ETF). Das Spektrum will Geke in Zukunft noch erweitern.

          Er denkt dabei auch an Themenpakete wie zum Beispiel Nachhaltigkeit. Der Vergleich mit der Entwicklung einschlägiger Indizes wie Dax, Dow Jones oder S&P 500 fällt Geke leicht, denn mit den Empfehlungen von Traderama wären die Anleger deutlich besser gefahren, als wenn sie auf die Indexentwicklung über ETF gesetzt hätten. Diese Anlageprodukte stehen bei den Anlagerobotern, den sogenannten Robo-Advisors wie zum Beispiel Scalable Capital, im Mittelpunkt. Anhand automatisierter Anlageempfehlungen stellen diese je nach Risikopräferenz des Anlegers ein ETF-Portfolio zusammen.

          Ein wichtiger Unterschied zu den Robo-Advisors stellt für Geke die volle Kontrolle der Anleger über ihr Portfolio dar: Das Geld liege nicht bei den hinter den Anlagerobotern stehenden Gesellschaften, sondern im Depot des Kunden. „Auch folgen wir einer anderen Logik“, sagt er. Hier verweist Geke auf das aktivere Portfoliomanagement, die computergesteuerten Zeitpunkte für Kauf und Verkauf und die flexible Investitionsquote.

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