https://www.faz.net/-gyl-8nt7p

Gründerserie : Unternehmensfinanzierung per Auktion

Moritz von der Linden Bild: Marcus Kaufhold

Der Kunde hätte gern attraktive Lieferkonditionen und der Lieferant gern geringe Forderungsbestände. Das geht, sagt Moritz von der Linden. Mit seiner Idee hat er die Plattform CRX.

          4 Min.

          Die Geduld hat sich gelohnt. Vor wenigen Tagen haben die Champagnerkorken geknallt. Jetzt scheint fast jedes Ziel erreichbar. Unternehmensgründer Moritz von der Linden gibt daher auch die ihm eigene Zurückhaltung auf: „Die Entscheidung von Nestlé für unser Produkt ist ein weiterer Meilenstein in unserer angestrebten Entwicklung zu einem global führenden Anbieter von Asset Based Finance“, lässt er sich zitieren. Nestlé ist nicht der erste große Kunde. Das war die Deutsche Lufthansa. Aber so wie die eine Schwalbe noch keinen Sommer macht, ist ein Vorzeigekunde noch keine Garantie für einen nachhaltigen Geschäftserfolg. Inzwischen kam aber der Energiekonzern Vattenfall dazu - und jetzt Nestlé. Nestlé ist nicht nur ein weiterer Großkonzern, sondern auch ein internationaler Branchenführer.

          Georg Giersberg

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Betriebswirt“.

          Den Großkonzernen der alten Welt steht mit der CRX Markets AG ein Jungunternehmen der neuen Welt gegenüber. CRX wurde 2012 von Carlo Kölzer und Moritz von der Linden gegründet, dem Gründerteam der inzwischen für 750 Millionen Euro an die Deutsche Börse verkauften Devisenplattform 360 T. CRX soll die sogenannte Supply-Chain-Finanzierung revolutionieren. Einfach ausgedrückt soll vor allem der Lieferant schneller an sein Geld kommen. Genau das unterscheidet CRX von verwandten Finanzierungen wie Factoring oder Kredit. Alle leben davon, dass ihr Partner gute Kunden mit hoher Bonität hat. Aber erst CRX geht einen Schritt weiter und setzt direkt bei diesem zahlungskräftigen Kunden an. Bei Factoring sind die Partner die Gläubiger, die ihre Forderungen verkaufen. Sie müssen die Bonität aller Schuldner prüfen. CRX prüft einen Schuldner - und dient sich all dessen Gläubigern als Partner an.

          CRX bündelt die Rechnungen des Schuldners (dessen, der sie bezahlen muss) zu Paketen von mindestens 125.000 Euro und bietet sie Investoren an. Der Erfolg des jungen Unternehmens hat bereits dazu geführt, dass man heute im Schnitt Volumina zwischen 2 und 15 Millionen Euro versteigert. In dieser Größenordnung erwerben die Investoren in einer Versteigerung die Rechnungen. Sie zahlen dafür in der Regel einen Abschlag von bis zu 2 Prozent. Dieses Geld (98 Prozent des Rechnungsbetrages) bekommt der Lieferant also vom Investor sofort überwiesen. Er minimiert auf diese Weise seine Außenstände und hat sofort Geld auf dem Konto. Daher wird er auch gewillt sein, einer Abtretung seiner Forderungen zuzustimmen. Für die Investoren - Family Offices, Pensionsfonds, Versicherungen, aber auch Großanleger jeder Art - lohnt sich das Geschäft, weil sie schon nach 30 bis 90 Tagen den vollen Rechnungsbetrag (100 Prozent) vom Kunden überwiesen bekommen. Damit ist die Verzinsung recht ordentlich. Für den Kunden (Schuldner der Rechnungen) wiederum lohnt sich das Geschäft, weil er aufgrund dieser Finanzierung von seinem Lieferanten in der Regel großzügigere Zahlungsziele und bessere Konditionen zugebilligt bekommt. Und CRX bekommt für seine Plattform eine Gebühr, die im Abschlag (also den 2 Prozent) enthalten ist und faktisch vom Lieferanten bezahlt wird.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Unser Sprinter-Autor: Cai Tore Philippsen

          F.A.Z.-Sprinter : Kein Brexit im Oktober

          Der Brexit muss warten – denn die britischen Abgeordneten wollen mehr Zeit. Währenddessen geht AKK ein riskantes Manöver ein und ein NPD-Ortsvorsteher muss seinen Platz räumen. Was sonst wichtig wird, steht im F.A.Z.-Sprinter.
          Mal wieder Münchner Mitarbeiter des Abends: Robert Lewandowski

          3:2 in Piräus : Bayern retten sich ins Ziel

          Die Bayern geraten bei Olympiakos Piräus früh in Rückstand und unter Druck – aber auf Torjäger Lewandowski ist Verlass. Für die Münchner Abwehr gilt das beim 3:2-Sieg schon wieder nicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.