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Gründerserie : „In Afrika findet man überall gute Ideen“

Thomas Festerling (links) und Erick Yong Bild: Privat

Der eine war Banker, der andere baute Unternehmen auf. Gemeinsam wollen sie jetzt afrikanischen Start-ups helfen, die zu mindestens einem der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen beitragen.

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          Manchmal stehen Erick Yong und Thomas Festerling in irgendeinem Büroraum in Afrika und können es kaum glauben. Bei Farmcrowdy in der nigerianischen Hauptstadt Lagos zum Beispiel. Was vor wenigen Jahren noch ein Start-up in den Kinderschuhen war, ist nun ein Unternehmen mit 50 Mitarbeitern, auch weil Yong und Festerling den Gründern beim Ausarbeiten eines Geschäftsmodells geholfen haben. Aus der Idee von Onyeka Akumah und seinen Mitgründern, über eine Internetplattform Kleinbauern mit lokalen Geldgebern zusammenzubringen, ist ein funktionierendes Unternehmen geworden. „Wir helfen Unternehmen, besser zu werden“, sagt Yong. Das sei das Schönste an ihrem Beruf.

          Tim Kanning
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Es ist erst fünf Jahre her, dass Yong und Festerling ihr eigenes Unternehmen gegründet haben, die Greentec Capital Partners GmbH, über die sie afrikanische Start-ups nicht nur mit Geld, sondern auch mit wirtschaftlichem Fachwissen und nicht zuletzt Kontakten zu möglichen Geschäftspartnern versorgen. Heute sind 21 Unternehmen in elf verschiedenen Ländern in ihrem Portfolio.

          Wie ein kleines Zahnrad gefühlt

          Die Lebenswege von Erick Yong und Thomas Festerling waren sehr unterschiedlich, haben aber kurioserweise exakt am gleichen Ort begonnen – sie wurden im gleichen Krankenhaus in Bonn geboren, Yong vor 44 Jahren, Festerling vor 40. Yong, dessen Eltern Diplomaten aus Kamerun waren, zog schon als Kind wieder nach Afrika und lebte dort in mehreren Ländern. Zum Studium ging er nach Frankreich und zog dann nach Luxemburg, um für ein internationales Investorenkonsortium Unternehmen aufzubauen, vor allem in Afrika. Festerling ging zur Deutschen Bank und machte Karriere in deren Fondsgesellschaft DWS.

          Über seine peruanische Frau kommt er auf die Idee, ehrenamtlich jungen Unternehmen aus Schwellenländern Kontakte zu potentiellen Investoren zu verschaffen. In einem Konzern wie der Deutschen Bank habe er sich oft wie ein kleines Zahnrad gefühlt, erzählt Festerling. In den kleinen Unternehmen sei er aufgelebt.

          Auf Yong wird Festerling aufmerksam, als er einen geeigneten Chef für ein afrikanisches Unternehmen sucht. Schnell wird den beiden klar, dass sie sich gut ergänzen könnten. „In meiner Welt drehte sich bis dahin alles darum, Unternehmen zu gründen und aufzubauen. In Thomas’ Welt wollten alle Unternehmen finanzieren“, erzählt Yong.

          Starbucks-Filiale als erstes „Büro“

          So kam ihnen im Jahr 2015 die Idee für ihr ungewöhnliches Start-up, dessen Geschäftsmodell sich wohl am ehesten mit dem Begriff ,Impact Investing‘ beschreiben lässt, also Investieren mit Wirkung: Die beiden wollen afrikanische Start-ups fördern, die zu mindestens einem der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen beitragen, also etwa der Bekämpfung der Armut oder des Hungers, dem Zugang zu sauberem Trinkwasser oder zu bezahlbarer und sauberer Energie. Zugleich sollen sich die Investments aber auch finanziell lohnen, so dass die beiden nach Geschäftsmodellen suchen, die sich in ihren Augen gut skalieren und auf mehrere afrikanische Länder ausweiten lassen.

          Als ihr erstes Büro bezeichnen die beiden Gründer die Starbucks-Filiale gegenüber der Frankfurter Börse. Von der ersten Idee bis zum ersten Investment vergehen etwa neun Monate mit vielen gemeinsamen Kaffees. Zunächst investieren sie ihr eigenes Geld. Eines merken sie sehr schnell: Deutsche sehen in Afrika eher Risiken als Chancen. „Viele afrikanische Unternehmer haben das Problem, dass sie in Europa niemanden ans Telefon bekommen“, erzählt Yong. „Wir wollten dann ihre Verbindung nach Europa sein.“

          Investieren in Afrika ist kein Selbstläufer

          Um die ersten Zielunternehmen zu finden, haben Yong und Festerling vor allem nach afrikanischen Start-up-Wettbewerben im Internet gesucht. „Wir haben uns vor allem die Zweitplazierten angesehen“, sagt Yong. „Die würden bestimmt ehrgeizig sein und bereit dafür, mit unserer Hilfe noch besser zu werden.“ Der Zufall wollte es, dass einer dieser Gründer auch noch auf die gleiche Schule gegangen war wie Yong, als der mit seinen Eltern in Äthiopien lebte. Da hatte man schnell eine Ebene gefunden.

          Doch ein Selbstläufer ist das Investieren in Afrika nicht, das müssen Yong und Festerling bald feststellen: Auf einer ihrer ersten Reisen nach Ghana wollten die beiden sich eigentlich nur ein Start-up anschauen, das sie interessierte. Am Ende seien sie zu euphorisch gewesen, erzählen sie, und mit drei Verträgen zurückgekommen – die zwei Schnellschüsse mussten sie bald wieder aufgeben.

          „In Afrika findet man überall gute Ideen und Möglichkeiten, Werte zu schaffen“, sagt Yong zurückblickend. „Entscheidend ist aber, ob die jeweiligen Gründer bereit sind, besprochene Schritte auch umzusetzen und ihre Ziele konsequent zu verfolgen. Zu Anfang hatten wir noch nicht ausreichend Kapazitäten, um das zu erkennen.“ Immerhin: Geld hätten sie durch die schlechten Investments nicht verloren, nur Zeit und Ressourcen.

          Gerd Müller (CSU) bescheinigte ihnen Pionierarbeit

          2017 werden die beiden von der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit mit dem Deutschen Unternehmerpreis für Entwicklung ausgezeichnet. Das gibt nicht nur ein stattliches Preisgeld von 25.000 Euro, sondern schafft auch Vertrauen bei potentiellen weiteren Investoren. Gerd Müller (CSU), Bundesminister für die Entwicklungszusammenarbeit, bescheinigte den beiden Pionierarbeit. Bald darauf meldet sich ein sogenannter Business Angel und unterstützt Greentec mit 150.000 Euro.

          Ein weiteres Jahr später liegt ihr Kapital schon bei mehr als 1 Million Euro. Sie nutzen das Geld unter anderem dafür, zusätzliche Mitarbeiter einzustellen, vor allem Analysten und Risikomanager, die auf Gründermessen und Start-up-Veranstaltungen in ganz Afrika nach potentiellen neuen Zielunternehmen Ausschau halten.

          „Lass den mal machen“

          Zwei Außenstellen hat Greentec inzwischen, eine in Nigeria und eine in Namibia. Die Zentrale in Frankfurt sitzt in den Büros des Vermögensverwalters Finance in Motion, der sich auf die Entwicklungsfinanzierung spezialisiert hat und auch einer der ersten Geldgeber von Greentec war. Zuletzt konnte Festerling sogar einige alte Kollegen von der DWS als neue Kollegen bei Greentec einstellen. „Als ich weggegangen bin, haben die Kollegen gelächelt und gesagt: Lass den mal machen.“

          Wie sich die Corona-Krise auf Afrika auswirken wird, ist nicht vorherzusagen. Sicher werde es die Bewertungen einiger Portfolio-Unternehmen sinken lassen. Doch Yong und Festerling wirken gelassen. „Wir beraten unsere Unternehmen jetzt, wie sie durch die Krise kommen können und für die Zeit danach gut aufgestellt sind“, sagt Festerling. Ein Unternehmen zum Beispiel, das normalerweise im Transportsektor tätig ist, hat sich nun darauf spezialisiert, Medikamente und Essen auszufahren.

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