https://www.faz.net/-gyl-9zzp5

Gründerserie : „In Afrika findet man überall gute Ideen“

Thomas Festerling (links) und Erick Yong Bild: Privat

Der eine war Banker, der andere baute Unternehmen auf. Gemeinsam wollen sie jetzt afrikanischen Start-ups helfen, die zu mindestens einem der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen beitragen.

          4 Min.

          Manchmal stehen Erick Yong und Thomas Festerling in irgendeinem Büroraum in Afrika und können es kaum glauben. Bei Farmcrowdy in der nigerianischen Hauptstadt Lagos zum Beispiel. Was vor wenigen Jahren noch ein Start-up in den Kinderschuhen war, ist nun ein Unternehmen mit 50 Mitarbeitern, auch weil Yong und Festerling den Gründern beim Ausarbeiten eines Geschäftsmodells geholfen haben. Aus der Idee von Onyeka Akumah und seinen Mitgründern, über eine Internetplattform Kleinbauern mit lokalen Geldgebern zusammenzubringen, ist ein funktionierendes Unternehmen geworden. „Wir helfen Unternehmen, besser zu werden“, sagt Yong. Das sei das Schönste an ihrem Beruf.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Es ist erst fünf Jahre her, dass Yong und Festerling ihr eigenes Unternehmen gegründet haben, die Greentec Capital Partners GmbH, über die sie afrikanische Start-ups nicht nur mit Geld, sondern auch mit wirtschaftlichem Fachwissen und nicht zuletzt Kontakten zu möglichen Geschäftspartnern versorgen. Heute sind 21 Unternehmen in elf verschiedenen Ländern in ihrem Portfolio.

          Wie ein kleines Zahnrad gefühlt

          Die Lebenswege von Erick Yong und Thomas Festerling waren sehr unterschiedlich, haben aber kurioserweise exakt am gleichen Ort begonnen – sie wurden im gleichen Krankenhaus in Bonn geboren, Yong vor 44 Jahren, Festerling vor 40. Yong, dessen Eltern Diplomaten aus Kamerun waren, zog schon als Kind wieder nach Afrika und lebte dort in mehreren Ländern. Zum Studium ging er nach Frankreich und zog dann nach Luxemburg, um für ein internationales Investorenkonsortium Unternehmen aufzubauen, vor allem in Afrika. Festerling ging zur Deutschen Bank und machte Karriere in deren Fondsgesellschaft DWS.

          Über seine peruanische Frau kommt er auf die Idee, ehrenamtlich jungen Unternehmen aus Schwellenländern Kontakte zu potentiellen Investoren zu verschaffen. In einem Konzern wie der Deutschen Bank habe er sich oft wie ein kleines Zahnrad gefühlt, erzählt Festerling. In den kleinen Unternehmen sei er aufgelebt.

          Auf Yong wird Festerling aufmerksam, als er einen geeigneten Chef für ein afrikanisches Unternehmen sucht. Schnell wird den beiden klar, dass sie sich gut ergänzen könnten. „In meiner Welt drehte sich bis dahin alles darum, Unternehmen zu gründen und aufzubauen. In Thomas’ Welt wollten alle Unternehmen finanzieren“, erzählt Yong.

          Starbucks-Filiale als erstes „Büro“

          So kam ihnen im Jahr 2015 die Idee für ihr ungewöhnliches Start-up, dessen Geschäftsmodell sich wohl am ehesten mit dem Begriff ,Impact Investing‘ beschreiben lässt, also Investieren mit Wirkung: Die beiden wollen afrikanische Start-ups fördern, die zu mindestens einem der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen beitragen, also etwa der Bekämpfung der Armut oder des Hungers, dem Zugang zu sauberem Trinkwasser oder zu bezahlbarer und sauberer Energie. Zugleich sollen sich die Investments aber auch finanziell lohnen, so dass die beiden nach Geschäftsmodellen suchen, die sich in ihren Augen gut skalieren und auf mehrere afrikanische Länder ausweiten lassen.

          Als ihr erstes Büro bezeichnen die beiden Gründer die Starbucks-Filiale gegenüber der Frankfurter Börse. Von der ersten Idee bis zum ersten Investment vergehen etwa neun Monate mit vielen gemeinsamen Kaffees. Zunächst investieren sie ihr eigenes Geld. Eines merken sie sehr schnell: Deutsche sehen in Afrika eher Risiken als Chancen. „Viele afrikanische Unternehmer haben das Problem, dass sie in Europa niemanden ans Telefon bekommen“, erzählt Yong. „Wir wollten dann ihre Verbindung nach Europa sein.“

          Weitere Themen

          Fintech Penta sichert sich frisches Geld

          In Finanzierungsrunde : Fintech Penta sichert sich frisches Geld

          Das Finanz-Start-up, das sich auf Geschäftskonten für Selbständige spezialisiert hat, sichert sich 4 Millionen Euro von Investoren. Ein kleiner Lichtblick für das Unternehmen. Für das laufende Jahr hatte man sich düstere Szenarien ausgemalt.

          Das virtuelle Klassenzimmer in Afrika

          Schulunterricht im Radio : Das virtuelle Klassenzimmer in Afrika

          Auch in Afrika wurden die Schule während der Corona-Krise geschlossen – Zeit für digitale Bildung. Weil nur wenige über einen Internetzugang verfügen, findet der virtuelle Unterricht bisher hauptsächlich via Radio und Fernsehen statt.

          Topmeldungen

          Ein Forscher des Australian Institute of Marine Science vermisst am Clerke Reef Korallenschäden.

          Wende in der Klimakrise? : Noch ist nichts verloren

          Der Klimaforscher Mojib Latif glaubt an die Wende in der Klimakrise – gerade nach dem Corona-Schock. In seinem neuen Buch „Heißzeit“ erklärt er, was auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zukommt.
          Bewohner des dicht besiedelten Viertels Hillbrow in Johannesburg, Südafrika

          Bevölkerungswachstum : Afrikas demographisches Dilemma

          Bis zum Ende des Jahrhunderts leben elf Milliarden Menschen auf der Erde. Vor allem in Afrika steigt die Zahl. Was bedeutet das für den Kontinent und seinen Nachbarn Europa – auch im Hinblick auf das Coronavirus?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.