https://www.faz.net/-gyl-8zdo7

Gründerserie : Gedanklich auf dem Mars

Carsten Reuter Bild: Edgar Schoepal

Der Schwerkraft-Verlag mischt mit zwei Nominierungen für das „Kennerspiel des Jahres“ die Branche auf. Der Gründer schlägt aus seiner Berufserfahrung in einem Comic- und Spieleladen Kapital.

          4 Min.

          Als Wikinger zum Räuber der Nordsee werden oder als erster Mensch den Mars besiedeln: Brettspiele entführen die Spieler in andere Welten. Carsten Reuter, Gründer und Inhaber des Schwerkraft-Verlags, ist daher geübt, sich immer neuen Herausforderungen zu stellen. Aktuell lautet sie „Kennerspiel des Jahres“. Die Auszeichnung ist zwar nur der kleine Bruder des „Spiels des Jahres“. Sie richtet sich aber an die treuen Vielspieler. Und deren Bereitschaft, Geld für Spiele auszugeben, ist hoch. Bisher hat Reuter die Spiele seines Verlages vor allem direkt an Endkunden verkauft. Damit ist es nun vorbei. Seit „Räuber der Nordsee“ und „Terraforming Mars“ für den Preis nominiert sind, klopfen alle großen Spielehändler bei ihm an. „Es gibt einen Automatismus der Händler, nominierte Spiele sofort in die Regale zu nehmen, auch um die Spiele verfügbar zu haben, wenn der Sieger gekürt wird“, sagt Reuter.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          In zwei Wochen ist es so weit. Dann werden die acht Jurymitglieder das „Spiel des Jahres“ und das „Kennerspiel des Jahres“ in Berlin bekanntgeben. Reuter wird vor Ort sein. Schließlich hat sein Schwerkraft-Verlag beim „Kennerspiel des Jahres“ gute Karten. Der einzig verbliebene Konkurrent ist mit dem Kosmos Verlag indes ein Großer der Branche, und mit der Reihe „Exit – Das Spiel“ ist das Trendthema vieler Partys schlechthin nominiert: durch Lösen von Knobelaufgaben aus einem Raum zu entkommen.

          Dass Reuter mit seinem Schwerkraft-Verlag gleich doppelt vertreten ist, sorgt für Aufmerksamkeit. Sein Verlag ist ein Außenseiter. Er setzt nicht auf die bekannten deutschen Spieleautoren, sondern bereitet fremdsprachige Spiele, die er im Ausland entdeckt, für den deutschen Markt auf. „Räuber der Nordsee“ hat ein Neuseeländer erfunden, „Terraforming Mars“ acht schwedische Brüder. Reuter hat als jahrelanger Inhaber eines Fachgeschäfts für Spiele und Comics in Moers viele Kontakte in der Branche. Schon damals hatte er ein Auge auf Spiele und Comics aus dem Ausland. 2013 hat er sich mit seinem Verlag selbständig gemacht. „Ich wollte kreativer werden“, sagt Reuter. Einen Mangel an Vorschlägen für Spiele gibt es nicht. „Nirgendwo auf der Welt wird pro Kopf so viel Geld für Spiele ausgegeben wie in Deutschland. Da wollen die ausländischen Verlage präsent sein“, sagt Reuter.

          „Auch der Preis ,Spiel des Jahres‘ ist ein Anreiz, auf den deutschen Markt zu kommen. Der Preis hat als Verkaufsargument Strahlkraft weit über Deutschland hinaus.“ Vierstellig waren bisher die Auflagen seiner Spiele. Die erfolgreichsten werden mehr als 10.000 Mal verkauft. Mit dem Preis hingegen würde sich der Absatz vervielfachen.

          „Mit jedem Spiel Geld verdient“

          Reuter filtert aus den vielen Spielevorschlägen, die ihn erreichen, diejenigen heraus, die er in Deutschland für gut verkäuflich hält. Als Diplom-Kaufmann steht die wirtschaftliche Vernunft für ihn über der Begeisterung für ein Spiel. „Seit der Verlagsgründung habe ich mit jedem Spiel Geld verdient“, sagt Reuter. Drei Spiele brachte er im ersten Jahr nach Deutschland, vier im zweiten, dann fünf, dann sieben, und dieses Jahr sollen es 13 bis 15 werden. Hält er ein Spiel für markttauglich, sieht er einen Vorteil in seinem kleinen Verlag, den er von seinem Reihenhaus in Oberhausen aus mit bislang einer festen Mitarbeiterin betreibt. „Ich kann schnell entscheiden.“ Große Verlage warten oft ab, ob das Spiel im Ausland Erfolg hat. Reuter verlässt sich auf sein eigenes Gespür. Damit kommen die Spiele im Idealfall zeitgleich mit dem Start im Heimatland auf den deutschen Markt. „Hieraus lassen sich erhebliche Vorteile ziehen“, sagt Reuter. Alle Sprachversionen eines Spiels können dann gleichzeitig und damit sehr viel kostengünstiger produziert werden.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Abstrich zur Corona-Analyse: Ein Mann lässt sich in Köln auf den Erreger Sars-CoV-2 testen.

          Engpass vor dem „Exit“ : Teste mich, wer kann

          Die Ärztekammer verlangt, dass viel mehr Menschen auf Corona getestet werden – doch der Verband der Laborärzte hält das für nicht machbar. Scheitert der „Exit“ an der Labor-Logistik?
          Beruft sich auf Hannah Arendt und die „Barbarei der modernen Welt“: Alain Finkielkraut

          Französische Kontroverse : Die Niederlage der Denker

          Wir bleiben eine Zivilisation: Der französische Philosoph Alain Finkielkraut geht mit Äußerungen von Giorgio Agamben und Peter Sloterdijk zur Corona-Krise hart ins Gericht.
          Eine der zentralen Aufgaben in der Küche: Gemüse und anderes mit dem Messer zerkleinern.

          Kochen für Anfänger : Da kocht was hoch

          Restaurants sind geschlossen, Supermärkte haben geöffnet, und die Menschen verbringen ihre Zeit zu Hause. Wer noch nicht kochen kann, sollte es jetzt lernen. Diese Werkzeuge sollte jeder Hobbykoch in der Küche haben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.