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Gründerserie : Freie Essensauswahl – mit Segen vom Finanzamt

Hungrig auf mehr: Florian Gottschaller (links) und Ralph Meyer Bild: Jan Roeder

Spendit macht Geschäfte mit Kreditkarten, auf die steuerfreie Zuwendungen des Staates geladen werden. Mit der Lunchit App fürs Essen ist die Bedingung denkbar einfach.

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          Eine „Lex Spendit“ hat es nicht gegeben; zumindest nicht dem Namen nach. Es bedurfte aber eines Mehrheitsbeschlusses der Bundesländer, der den Weg für das Geschäftsmodell von Florian Gottschaller und Ralph Meyer frei machte. Es geht um Essenszuschüsse für Mitarbeiter. Das Abrechnungssystem über eine App stellt das alte System mit Essenmarken oder Gutscheinen in Frage, wenn denn Mitarbeiter nicht in eine Kantine gehen können. Die Lunchit-App, so eine Idee, fotografiert die Rechnung für das Mittagessen im Restaurant und leitet diese an die Lohnbuchhaltung weiter. Die schreibt den täglich zustehenden steuerfreien Betrag von 6,27 Euro, knapp 130 Euro im Monat, mit der Gehaltsabrechnung gut.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Gottschaller und Meyer wagten sich in eine Sphäre vor, deren Tiefen und Abgründe sie nicht im Ansatz erahnen konnten. Die Lohn- und Einkommensteuer ist tangiert – also der Fiskus im Spiel. Es kostete viel Zeit, die Finanzbehörden vom Sinn einer solchen App zu überzeugen: eineinhalb Jahre. Anfang 2015 war die Idee umgesetzt; Lunchit startete Mitte 2016 – nach dem Plazet der Bundesländer.

          Investmentbanker und Robotikunternehmer

          Die beiden 43 Jahre alten Unternehmensgründer hätten es eigentlich wissen können. Denn in die Niederungen der Steuergesetzgebung tauchten sie schon ein, als sie mit der Spendit AG ihr Unternehmen im März 2014 gegründet hatten. Entstanden ist die Geschäftsidee ein dreiviertel Jahr zuvor. Der Bundesfinanzhof urteilte damals, dass für steuerfreie Zuwendungen des Arbeitgebers auch aufgeladene Kreditkarten genutzt werden können. Die Spendit AG gibt eine solche Kreditkarte aus.

          Gottschaller war einst Investmentbanker in London, bei Morgan Stanley und Bear Stearns, bevor er 2009 mit Partnern ein Robotikunternehmen gegründet hatte. Meyer ist Unternehmensberater bei Roland Berger gewesen. Beide haben sich bei einem Projekt kennengelernt. Beide wollten etwas anderes machen. Weil er das Thema mit den steuerfreien Sachbezügen aufgeschnappt hatte, rief Gottschaller im August 2013 seinen Kompagnon in spe vom Strand in Spanien an und erzählte ihm von seiner Idee. Meyer – vom Beraten müde – stand in der Schlange bei der Post in München-Solln. Als er das Postamt verließ, waren sich beide einig. Heute sitzen sie im Münchner Glockenbachviertel mit fat 40 Mitarbeitern.

          528 Euro im Jahr sind steuerfrei

          Eigentlich klingt es simpel. Unternehmen dürfen steuer- und abgabenfrei bestimmte Leistungen an Mitarbeiter geben. Da kommt was zusammen: Sachleistungen und Gutscheine von monatlich 44 Euro oder 528 Euro im Jahr; Geschenke an Mitarbeiter zu besonderen Anlässen (Hochzeit, Silberhochzeit, Geburt eines Kindes, Kommunion, Konfirmation) bis zu drei Mal im Jahr bis maximal jeweils 60 Euro; eine Werbefläche am Auto eines Beschäftigten seiner Firma bringt 252 Euro; Kosten für die geschäftliche Nutzung des privaten Internetanschlusses bis zu 600 Euro.

          Der Arbeitgeber übernimmt nicht nur die 40 Euro Jahresgebühr für die Spendit-Kreditkarte, die mit einem Bankpartner betrieben wird. Er lädt sie auch mit einem Betrag im Wert der steuerfreien Zuwendungen auf. Daneben kann sie als normales Bezahlmittel genutzt werden. Unternehmen sparen Lohnnebenkosten.

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