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Gründerserie : Freie Essensauswahl – mit Segen vom Finanzamt

Nach drei Jahren erwirtschaften die beiden Gründer mit der Spendit-Kreditkarte Gewinn. Davon ist das zweite Angebot mit der Lunchit-App, deren Absatz nur langsam Fahrt aufnimmt, weit entfernt. Zu lange haben die Verhandlungen mit dem Fiskus gedauert. „Wir wollten aber explizit die App von den Finanzbehörden abgesegnet bekommen, um auf der sicheren Seite zu sein“, sagt Meyer. Schließlich geschieht es auch in deren Interesse. Denn es gibt mehr Transparenz.

Zahlen, fotografieren, abschicken

Die App leitet die fotografierte Rechnung an die Buchhaltung weiter. Die Software erkennt die Inhalte, überprüft Ausstellungsort und -datum. Der Arbeitgeber bezuschusst so nicht mehr den Kauf von Lebensmitteln oder Zigaretten über abgegebene Gutscheine. Quittungen werden erkannt, die am Sonntag oder weit weg vom Arbeitsort ausgestellt worden sind.

Nebenbei hat der Mitarbeiter Flexibilität in der Auswahl, muss nicht mehr Gutscheine im Supermarkt ausgeben oder gar verfallen lassen. Und der Arbeitgeber hat einen erheblich geringeren Aufwand, indem er Anbieter und Dienstleister von Gutscheinsystemen wie Edenred und Sodexo aus Frankreich nicht mehr teuer bezahlen muss. Und doch läuft die App noch zäh an, muss das digitale Produkt erst einmal bekannt werden, weshalb Gottschaller und Meyer Klinken putzen gehen. Mit der Spendit-Kreditkarte haben sich bislang 1600 Unternehmen mit insgesamt 25 000 Mitarbeitern angefreundet. Monatlich kämen 100 Unternehmen als neue Kunden hinzu. Da es sich zumeist um Ingenieur- oder Architektenbüros, um Arztpraxen oder Rechtsanwaltskanzleien handelt, ist die durchschnittliche Zahl der Mitarbeiter gering. Oft wird es auch von relativ neuen Unternehmen genutzt, die sich im Aufbau befinden und noch kräftig expandieren werden. Darin sieht Gottschaller ein großes Potential, was zugleich Basis für Lunchit sein dürfte. Die Produkte ergänzten sich sehr gut. „Und vor allem funktioniert die App auch in vielen anderen Ländern“, sagt Meyer.

Sprung nach Europa geplant

Mit der Gesellschaftsform einer nicht börsennotierten AG gab es einen seriösen, transparenten Anstrich, um Finanzierer zu finden. Alte Kontakte von Gottschaller eröffneten den Zugang zu privaten Geldgebern wie Reimann Investors; einem Investmentvehikel für vermögende Privatinvestoren (Family Office). Es ist vom Erfolg der Spendit überzeugt und langfristig investiert. „Vom Fintech-Startup sind wir zum jungen Unternehmen geworden“, sagt Gottschaller. „Wir würden gerne ein altes Unternehmen werden.“ Die Gründer halten zusammen 80 Prozent, 20 Prozent drei Unternehmer und Reimann Investors. Nach Italien, Frankreich, Spanien oder Belgien würden sie gerne mit ihren beiden Produkten gehen. Erfahrungen mit Steuerfragen haben sie ja nun gemacht. Nicht immer müssen diese leidlich ausfallen. In Österreich, wo die Lunchit-App gerade gestartet ist, ging es wohltuend unkompliziert zu. Ralph Meyer stellte im Wiener Finanzministerium das neue Modell vor. Am nächsten Tag war Lunchit am Start.

Die Gründer

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