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Gründerserie : Ein digitaler Marktplatz für Strom

David Balensiefen (links) und Andreas Booke Bild: Edgar Schoepal

David Balensiefen und Andreas Booke haben sich schon in ihren ersten Semestern an der Uni mit Unternehmensgründungen beschäftigt – in einem studentischen Gründerverein. Jetzt haben sie gemeinsam einen Stromversorger geschaffen.

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          Mit der Idee für ein eigenes Unternehmen haben sich David Balensiefen und Andreas Booke schon in den ersten Semestern beschäftigt: in einem studentischen Gründerverein der RWTH Aachen. Der eine hatte ein neues Verfahren für die Kühlung von Getränken im Kopf, der andere machte sich über bessere E-Learning-Lösungen Gedanken. Dass sie einige Jahre später gemeinsam einen Stromversorger gründen würden, hätten sie sich damals nicht träumen lassen. Ihr Vorbild ist der Unterkunftsvermittler Airbnb. So wie der amerikanische Konzern im Internet Wohnungseigentümer und Touristen zusammenbringt, wollen sie einen großen digitalen Marktplatz für private Stromproduzenten und Stromkunden bauen.

          Helmut Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Die Idee kam Balensiefen, als er vor seinem Master in „Ressources Engineering“ (Rohstoffingenieurwesen) als Werkstudent beim Stadtwerkeverbund Trianel im Stromhandel arbeitete. „Meine Überlegung war, auch kleinere dezentrale Erzeugungsanlagen zu vernetzen, um deren Strom zu vermarkten. Aber es gab dafür keine technischen Lösungen, damit sich die Sache wirtschaftlich rechnete“, erzählt der heute 27 Jahre alte Neuunternehmer. Der Gedanke war im Kopf und ließ ihn nicht mehr los. Der entscheidende Anstoß kam 2015. Nach dem Uni-Abschluss reiste er zusammen mit dem alten Studienfreund Andreas Booke, einem Informatiker, einige Wochen durch Ecuador. In den gemeinsamen Wochen entstand ein erstes Konzept, das die beiden zum Antrag für ein Exist-Gründerstipendium des Bundeswirtschaftsministeriums ausarbeiteten. Räumlichkeiten stellte die RWTH den jungen Gründern kostenlos zur Verfügung, im Frühjahr 2016 konnte es losgehen.

          Der Ansatz, die wachsende Schar von Haushalten mit Photovoltaikanlagen und Batteriespeichern untereinander zu vernetzen, um sie als „virtuelles Kraftwerk“ zu nutzen, ist nicht neu. Das große technische Handikap bestehe darin, eine herstellerübergreifende Lösung zu entwickeln, schildert Balensiefen die Herausforderung. Die Komponenten hätten in der Regel keine Schnittstellen, um sie aus einer Hand steuern zu können. Hier setzt das Unternehmen mit seiner „Gridbox“ an: Das unscheinbare weiße Kästchen fungiert als zentrales Steuerungsinstrument im Haushalt. Es erfasst die Leistungsdaten der Solaranlage und den Speicherstand der Batterie. Auch die aktuellen Verbräuche können darüber gemessen werden. Über eine App lässt sich der Konsum der Stromfresser im Haushalt überwachen. Die Daten aus der Gridbox werden verschlüsselt an einen Zentralrechner des Unternehmens übertragen, der die Handelsplattform steuert. „Für Besitzer von Photovoltaikanlagen hat die Box einen riesigen Vorteil: Sie können dadurch ihren Eigenverbrauch maximieren“, wirbt Balensiefen. Da Strom aus dem öffentlichen Netz mehr als das Doppelte dessen kostet, was die Einspeisevergütung für neue Solaranlagen einbringt, zählt jede Kilowattstunde. Im Durchschnitt, sagt Balensiefen, lasse sich die Stromrechnung mit Hilfe der Box um rund ein Zehntel verringern.

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