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Gründerserie : Die Stimme der Vernunft in der Glamourwelt

Michael Tumminia Bild: Kai Nedden

Mit seiner Finanzberatung KRA hat sich der New Yorker Michael Tumminia auf eine sehr spezifische Kundschaft spezialisiert: Er hilft Models in Geldangelegenheiten. Dieser Beruf hat seine Eigenheiten.

          4 Min.

          Michael Tumminia ist kein Geldverschwender. Er hat nie vergessen, dass seine Großmutter in Italien in Armut aufgewachsen ist. Der einzige größere Luxus, den sich der 47 Jahre alte Inhaber einer Finanzberatung in New York selbst gönnt, ist ein Fitnesstrainer, von dem er sich mehrmals in der Woche in Form halten lässt. Seine konservative Einstellung predigt er auch seinen Kunden. Er fragt sie, ob es denn wirklich nötig sei, sich so oft vom Chauffeurdienst Uber herumkutschieren zu lassen, wo doch die U-Bahn in New York praktisch und viel billiger sei. Er mahnt, es mit dem Kauf von Designerkleidung und Designerhandtaschen nicht zu übertreiben. Von der Anschaffung schicker Autos rät er fast immer ab, lieber empfiehlt er, in eine eigene Immobilie zu investieren. Bisweilen findet sich Tumminia somit in der Rolle des Spielverderbers wieder, zumal seine Klientel sich in einer glamourösen Welt bewegt und oft von Luxus umgeben ist. Seine Firma KRA ist darauf spezialisiert, erfolgreichen Fotomodellen in ihren Geldangelegenheiten zu helfen. Zur Kundschaft gehören prominente amerikanische Models wie Karlie Kloss und Ashley Graham, aber auch Deutsche wie Toni Garrn und Katrin Thormann.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Warum brauchen Models einen designierten Finanzberater? Der Beruf seiner Klienten mag aufregend sein, aber so wie ihn Tumminia beschreibt, bringt er auch einige Komplikationen mit sich. Models sind selbständige Unternehmer, reisen ständig in der Welt herum und werden nicht regelmäßig bezahlt. Sie sind außerdem oft sehr jung und unerfahren in Gelddingen. „Wenn man 300 Tage im Jahr unterwegs ist, ist es nicht so leicht, den Überblick über seine Finanzen zu behalten“, sagt Tumminia. Zu seinen Aufgaben gehört es, dafür zu sorgen, dass die Models ihre Rechnungen und auch ihre Steuern bezahlen. Umgekehrt kümmert er sich darum, dass sie von ihren Agenturen entlohnt werden. Neben solchen administrativen Aufgaben spricht er mit seinen Kunden über ihre persönliche Finanzplanung. Rücklagen für das Alter hält Tumminia für besonders wichtig. Schließlich können Models ihren Beruf oft nur für eine recht überschaubare Zeit ausüben.

          Katrin Thormann hat Tumminia engagiert, um Ordnung in ihr „finanzielles Durcheinander“ zu bringen. Die 29 Jahre alte Deutsche lebt in New York und wird von acht über die ganze Welt verteilten Modelagenturen vertreten. Es gibt Wochen, in denen sie jeden Tag mit einer anderen Agentur für Fototermine zusammenarbeitet. Bezahlt wird dann oft in verschiedenen Währungen und üblicherweise nicht sofort. Sie bekommt ihr Geld von den Agenturen, die aber erst einmal abwarten, bis sie selbst von ihrem jeweiligen Auftraggeber entlohnt werden. „Da können Monate vergehen“, sagt Thormann.

          Online-Kalender für alle Kunden

          So bekommt Tumminia sehr viel vom Leben seiner Klientel mit: „Das geht ziemlich ins Detail.“ Er hat Einblick in die Bankkonten der Models und sieht, wie sie mit ihrem Geld umgehen. So erfährt er zum Beispiel, wie viel sie für Trips mit Uber ausgeben. Er legt für alle Kunden einen Online-Kalender an, in dem festgehalten wird, wann sie wo Termine haben oder wann Zahlungen fällig werden. Er folgt ihnen auch auf der Smartphone-App Instagram und findet dort oft heraus, wo sie sich gerade aufhalten. Auf diese Weise bekommt er dann mit, wenn eines seiner Models an ein Foto-Shooting auf einer exotischen Insel noch ein paar Tage Urlaub dranhängt.

          Seine Arbeit lässt sich Tumminia mit einem Stundensatz zwischen 90 und 120 Dollar vergüten. Viele der alltäglichen Verwaltungsaufgaben überträgt er an seine 15 Mitarbeiter. Er selbst greift ins Geschehen an, wenn größere Entscheidungen zu treffen sind. „Kann ich es mir leisten, einen persönlichen Assistenten zu beschäftigen?“ sei in jüngster Zeit eine populäre Frage gewesen. Rund einmal im Quartal kommen seine Models zum persönlichen Gespräch in Tumminias Büro im New Yorker Stadtteil Soho. Dann erlebt er sie von einer recht lässigen Seite, wie sie der Öffentlichkeit auf Hochglanzfotos üblicherweise verborgen bleibt. Auch in ihrem Alltag seien die Models freilich eine „auffällige Erscheinung“, urteilt Tumminia.

          In das Büro ist der Finanzberater mit seinem Unternehmen erst kürzlich gezogen. Es hat schickes Loft-Ambiente, wie es in Soho oft zu finden ist, aber ansonsten deutet nicht allzu viel darauf hin, welch glamouröse Klientel hier ein und aus geht. Jenseits der geschäftlichen Verbindungen legt Tumminia nach eigenen Worten eh wenig Wert darauf, sich in der Modelszene zu bewegen. Er ist erst einmal zu einer Modenschau gegangen – im vergangenen Jahr auf Einladung von Ashley Graham.

          Großteil der Karriere fernab der Glitzerwelt

          Es geschah auch eher aus Zufall, dass er sich in seiner Arbeit auf Models spezialisiert hat. Den größten Teil seiner Karriere hat er fernab der Glitzerwelt verbracht. Er hat zum Beispiel lange Zeit für den Wirtschaftsprüfungskonzern Pricewaterhouse Coopers (PWC) gearbeitet. Als er vor rund sieben Jahren bei KRA einstieg, war die Firma vor allem darauf spezialisiert, reiche Familien in finanziellen Dingen zu unterstützen, zum Beispiel bei der Bezahlung von Hausangestellten. Vor vier Jahren fragte ihn ein Bekannter, ob er nicht auch einem Model mit seinen Finanzen helfen könnte. Dieses Model empfahl ihn dann weiter, und Tumminia spürte, dass sich vor ihm eine Geschäftsidee auftat. Er beschloss, KRA neu zu erfinden und auf Betreuung von Models auszurichten. Reiche Familien gehören noch immer zu seinen Kunden, aber das Geschäft mit der neuen Zielgruppe wächst schneller und soll künftig die Mehrheit der Umsätze bringen.

          Das Unternehmen, das mittlerweile von Tumminia vollständig übernommen wurde, arbeitet heute mit 18 Models. Fast alle sind weiblich; nur ein männliches Model aus Frankreich ist dabei. Die ausländischen Kunden haben oft zusätzlichen Beratungsbedarf. Einige von ihnen müssen sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in ihrer Heimat eine Steuererklärung abgeben. Katrin Thormann hat deshalb einen amerikanischen und einen deutschen Steuerberater, und Tumminia hilft bei der Koordination beider Seiten. Auch in Dingen, die nicht unmittelbar mit Finanzen zu tun haben, schaltet er sich manchmal ein. Er hat Thormann für ihre Beantragung einer Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung in Amerika („Green Card“) einen Anwalt vermittelt und begleitete sie zu ihrem ersten Treffen mit ihm. Vor einem halben Jahr hat sich Thormann eine Wohnung in Soho gekauft – eine Anschaffung, die auch Tumminia gutheißt.

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