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Gründerserie : Der Dortmunder Bier-Rebell

Wird bald eröffnet: Trinkhalle in der neuen Bergmann-Brauerei in Dortmund-Hörde
Wird bald eröffnet: Trinkhalle in der neuen Bergmann-Brauerei in Dortmund-Hörde : Bild: Neuscheler

Das ist nun fast 10 Jahr her, mittlerweile ist seine erste Brauerei zu klein geworden, daher baut er gerade eine größere im Dortmunder Vorort Hörde, einem alten Industrieviertel. Direkt gegenüber der neuen Brauerei steht einer der alten Hochöfen des Stahlwerks „Phönix-West“ – einst eines der größten Stahlwerke Europas – und rostet vor sich hin. Seit fast 20 Jahren wird hier kein Roheisen mehr hergestellt. Noch in diesem Jahr will Raphael seine neue Brauerei eröffnen, eine kleine Bier-Trinkhalle gehört auch dazu. Seine alte Brauanlage hat er in Zahlung gegeben, sie steht jetzt in Berlin bei einer kleinen Craft-Bier-Brauerei. Der Neubau in Dortmund-Hörde steht, auch die Sudkessel sowie die Gär- und Lagertanks wurden schon geliefert. Für das junge Unternehmen ist der Neubau ein „Riesenschritt“ sagt Raphael, „das nächste Jahr wird entscheidend“.

Thomas Raphael ist eigentlich Mikrobiologe und arbeitet als selbständiger Lebensmitteltechniker. Den Beruf hat er bisher nie vollständig aufgegeben, obwohl seine eigene Brauerei mittlerweile sechs Angestellte hat. In die Brauerei aber steckt er seit Jahren sein Herzblut – gegen alle Widerstände. Und davon gibt es viele.

Der alte Gasometer mit dem Hoesch-Schriftzug
Der alte Gasometer mit dem Hoesch-Schriftzug : Bild: Neuscheler

Vor allem im Kampf gegen die großen Braukonzerne fühlt sich Raphael wie David gegen Goliath. „In die Gastronomie kommen wir kaum rein“, sagt Raphael, „da geht es mit rabiaten Mitteln zu.“ Raphael erzählt die Geschichte eines Wirtes, der einmal Bergmann-Bier in sein Sortiment aufnehmen wollte. Dann sei ein Vertreter einer Großbrauerei gekommen und habe diesem Wirt gesagt, wenn er auf Bergmann verzichte, bekäme er eine Zeit lang das Bier der Großbrauerei umsonst. Bergmann ist mit einem Ausstoß von knapp 4000 Hektolitern (entspricht etwa 40 000 Kisten) und einem Umsatz von rund einer Millionen Euro im Jahr zwar winzig wie eine Mücke, dennoch werde der Neuling von den Großbrauereien bekämpft, sagt Raphael: „Jede Mücke sticht“, habe ein Vertreter einmal gesagt.

Der Kiosk war einst eine Haltestelle für Oberleitungsbusse
Der Kiosk war einst eine Haltestelle für Oberleitungsbusse : Bild: Neuscheler

Statt in Gasthäusern verkauft Bergmann über den Handel in Dortmund und der näheren Umgebung oder direkt an die Kunden: In der Innenstadt unterhält Bergmann einen auffälligen Kiosk am Hohen Wall, der inzwischen bei Studenten und Hipstern eine Art Kultstatus genießt. Abends ist der Kiosk Treffpunkt für die Anwohner des benachbarten Kreuzviertels, einer gründerzeitlichen Wohngegend, die bei jungen Dortmundern sehr beliebt ist. In den 60er Jahren war der heutige Kiosk einmal eine Haltestelle für Oberleitungsbusse; erst als die abgeschafft wurden zog ein Kiosk ein. „Das Verkaufshäuschen stand viele Jahre leer und gammelte vor sich hin“, erzählt Raphael. Als die Bergmänner den Kiosk übernahmen, mussten sie zunächst entrümpeln. Der Vorbesitzer hatte in dem Kiosk richtig gelebt. Raphael störte das Verfallene nicht, Patina zieht ihn magisch an. „Ich mag es“, sagt er, „vergangene Dinge wiederzubeleben“.

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