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Gründen für den Online-Handel : Das Lächeln gehört zum Geschäft

Nils Fischer und Jan Onnenberg Bild: Frank Röth

Immer mehr Online-Händler bieten Kunden an, Bestellungen noch am selben Tag zu liefern. Das Start-up Liefery aus Frankfurt will davon profitieren - und dafür sorgen, dass sich weniger Menschen über Zustelldienste ärgern.

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          Im Büro des Frankfurter Unternehmens Liefery lehnen Symbole des Wachstums an der Wand. Neue, noch in Kartons verpackte Bürostühle lagern im Flur der Altbauwohnung nahe dem Frankfurter Hauptbahnhof, in der sich das junge Unternehmen auf zwei Etagen ausgebreitet hat. Sie sind Ausdruck der dynamischen Entwicklung, die das junge Unternehmen gerade nimmt. Liefery ist bereits in den ersten drei Jahren seiner Existenz auf 100 Beschäftigte gewachsen und weist allein in der Frankfurter Zentrale 30 offene Stellen aus: vom Werkstudenten bis zur Führungskraft, die das Geschäft in Hamburg oder im Ruhrgebiet aufbauen soll. Dazu kommen Stellenangebote für innerstädtische Kurierfahrer in Frankfurt, Hamburg, Hannover, Berlin oder München. 300 neue Arbeitsplätze will das Unternehmen in diesem Jahr schaffen, und das soll nach dem Willen der beiden Geschäftsführer Nils Fischer und Jan Onnenberg erst der Anfang sein.

          Martin Gropp
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Denn die Liefer Factory GmbH, die hinter dem Namen Liefery steht, baut auf einen Trend, der die Handelswelt gerade wandelt - und will diesen Trend maßgeblich mitgestalten. Es geht darum, Kunden noch am Tag der Bestellung die Waren zuzustellen, die sie über das Internet oder in stationären Geschäften gekauft haben. „Same Day Delivery“ lautet das Schlagwort, das große Online-Händler von Amazon bis Zalando gerade beschäftigt. Zugleich sehen Fachleute darin eine Chance für Einzelhändler, um gegen die Konkurrenz aus dem Netz zu bestehen. Das Argument lautet dann: Der kleine Weinhändler in der Stadt kann sich vielleicht gegen den großen Online-Versender abheben, indem er den raren Burgunder noch am selben Tag bis nach Hause liefert - oder eben von Dienstleistern wie Liefery liefern lässt.

          Dass Vertreter beider Handelssparten Interesse an der taggleichen Lieferung haben, ist ein Glück für Gründer und Geschäftführer Fischer und Onnenberg. Sie zählen innerhalb einzelner Städte sowohl Online-Händler wie auch Filialisten zu ihren Kunden und mitunter auch direkte Konkurrenten. Der amerikanische Allesversender Amazon lässt seine Kunden in München genauso von dem Frankfurter Unternehmen beliefern wie der Mode-Händler Zalando in Berlin und einigen nordrhein-westfälischen Städten. Aber auch Filialisten wie Sport Scheck, Media Markt oder Jacques’ Weindepot beauftragen Liefery. Der Schraubenhersteller Würth verschickt darüber auch Material oder Ersatzteile an professionelle Handwerker, mitunter direkt auf die Baustelle.

          „Viele Menschen ärgern sich über Zustelldienste“

          Dabei gehe es manchmal nicht nur um Schnelligkeit, sagt der 30 Jahre alte Fischer. „Der Großteil der Kunden legt gar nicht so sehr wert auf die Geschwindigkeit, sondern eher auf Bequemlichkeit.“ Für Händler wie Käufer sei ein positives Zustellerlebnis wichtig. „Viele Menschen ärgern sich über Zustelldienste. Und das schlägt dann auf den Ruf des Händlers zurück.“ Deshalb stehe im Vordergrund, die Ware persönlich beim Besteller abzugeben und nicht etwa einen Zettel am Briefkasten zu hinterlassen, dass die Ware bei nächsten Lieferdienstfiliale abgeholt werden kann. Trotzdem gibt Liefery auch ein Schnelligkeitsversprechen ab: Der Besteller erhält die Ware innerhalb seiner Stadt spätestens nach 90 Minuten. Zudem bietet das Unternehmen aber auch an, zu bestimmten Zeiträumen zu liefern, auch abends zwischen 19 und 21 Uhr.

          Nach eigenen Angaben stellt Liefery 10 Prozent seiner Fahrer selbst ein, der Rest stammt von Kurierdiensten, die das Unternehmen beauftragt, oder es sind selbständige Kuriere. Liefery kann derzeit auf ein Netzwerk von 2500 Auslieferern in etwa 70 Städten in Deutschland zugreifen. Die beiden Gründer sehen sich trotz des großen Fahrer-Pools nicht als reinrassigen Logistikdienstleister. „Wir sind ein Technik- und Serviceunternehmen, das versucht, die Logistikbranche zu verbessern“, sagt Fischer und hat dabei vor allem die von seinem Mitgründer Onnenberg verantwortete Informationstechnik im Blick.

          Sowohl die Händler als auch die Fahrer kommen bei Liefery wie auf einem Marktplatz zusammen, nur dass sich dieser im Internet befindet. Das Unternehmen bietet für Händler und die Fahrer Anwendungen auf Smartphones oder Tablets an, mit denen die eine Seite eine Lieferung bei der anderen beauftragt. Verglichen mit dem Postversand, kommt das auf den ersten Blick nicht unbedingt günstig. Wer bei Liefery eine Lieferung vom Osten in den Westen Frankfurts anfragt, zahlt dafür laut Unternehmen im Schnitt 8,85 Euro. Nicht wenig, geben die Gründer zu. Aus Sicht eines Händlers stelle sich aber vielmehr eine andere Frage: Ob das Geld nicht gut investiert sei, weil man womöglich einen zufriedenen Kunden gewinnt?

          Mehr als 100.000 Sendungen im Februar

          Offensichtlich entscheiden sich jedenfalls Händler immer häufiger dazu, diesen Preis zu zahlen. Nach Fischers Angaben hat Liefery im Februar erstmals deutlich mehr als 100.000 Sendungen transportiert. Im Vergleich zu den mehr als 1,1 Milliarden Päckchen und Paketen, welche die Deutsche Post im vergangenen Jahr in Deutschland ausgeliefert hat, ist das noch sehr wenig. Aber Fischer und Onnenberg sehen sich auf dem richtigen Weg.

          Profitabel laufe das Geschäft auch wegen des Wachstums noch nicht. „Wir sind noch in einem Stadium, in dem wir manche Lieferung subventionieren“, sagt Fischer. „Gerade geht es vor allem darum, Händler von unserer Dienstleistung zu überzeugen. Unser Modell kann nur funktionieren, wenn wir so viele Lieferungen von so vielen Händlern wie möglich übernehmen und bündeln“, sagt Fischer. Doch er, sein Mitgründer und die Investoren, darunter der Kurierdienst Hermes, sind überzeugt, dass ihnen das auch gelingen kann.

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