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Gründen aus Freude an Musik : Sofaconcerts bringt die Künstler ins Wohnzimmer

  • -Aktualisiert am

Miriam Schütt (rechts) und Marie-Lene Arlington Bild: Henning Bode

Mit Livemusik wird jede Einladung oder Feier zu einem besonderen Ereignis. Sofaconcerts vermittelt internationale Künstler für den Auftritt im privaten Rahmen. Unter anderem, weil die Gründerinnen selbst gerne Konzerten im Wohnzimmer lauschen.

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          Erst der richtige Name macht ein Start-up zum Erfolg. Soll es ein in die Augen springendes Kunstwort sein oder eine Bezeichnung, die erklärt, was die Firma tut? „Sofaconcerts“ geht einen Mittelweg. „Wir haben lange über einen Namen nachgedacht, der sowohl einprägsam und griffig ist als auch unser Konzept gut beschreibt“, sagt Gründerin Miriam Schütt. „Die Resonanz zeigt, dass unsere Wortwahl gut ankommt.“ Das ist besonders wichtig, wenn man wie Schütt und ihre Mitgründerin Marie-Lene Armingeon Neuland betritt: Mit Sofaconcerts vernetzen die beiden Endzwanzigerinnen über eine Online-Plattform lokale und internationale Musiker mit Musikliebhabern. Privatpersonen können per Internet Künstler buchen und live zu sich ins Wohnzimmer holen. Musiker ihrerseits sind in der Lage, freie Tage auf Tourneen zu füllen. Und junge, unbekannte Talente finden über das Portal Auftrittsmöglichkeiten, wo vorher keine waren.

          Im Gegensatz zu herkömmlichen Booking-Agenturen und Künstler-Börsen stellt Sofaconcerts den Kontakt ohne den Umweg über Vermittler her. „Wir möchten dieses Potential für das Interesse an Live-Musik zugänglich machen, indem wir vielversprechende Musiker und Musikliebhaber auf niedrigschwellige Weise zusammenführen“, sagt Miriam Schütt.

          Die beiden Gründerinnen waren lange Jahre selbst begeisterte Zuhörerinnen bei Singer-Songwriter-Slams und Sofa-Konzerten in Studenten-WGs, bevor sie ihre Geschäftsidee in Probeläufen deutschlandweit testeten. „Wir sind seit unserer Schulzeit im schwäbischen Murrhardt befreundet und haben dort gemeinsam Musikabitur gemacht“, erzählt Schütt. Sie selbst studierte danach Betriebswirtschaft in Reutlingen und Reims, Marie-Lene Armingeon in Heidelberg Englisch und Spanisch für das Gymnasiallehramt. Aus der beiderseitigen Leidenschaft für Musik entstand der Entschluss zur Gründung von SofaConcerts. Wegen der rührigen Musik- und Start-up-Szene bot sich als Gründungsstandort Hamburg an, wo Miriam Schütt bereits drei Jahre in der Marketing-Abteilung eines großen Konzerns gearbeitet hatte.

          Firmengründung mit kurzem Vorlauf

          Sofaconcerts wurde im November 2013 als kleine GmbH beziehungsweise Unternehmergesellschaft gegründet und ging im Januar 2014 online. Geschäftsführerinnen und alleinige Gesellschafterinnen sind die zwei Gründerinnen Miriam Schütt und Marie-Lene Armingeon. Sie arbeiten heute in einem Team von sechs Leuten. Schütt kümmert sich um Marketing, Öffentlichkeitsarbeit und die kaufmännischen Bereiche. Armingeon ist zuständig für Community Management und Produktentwicklung. Sven Casimir, ein Mitgründer der Event App „Heute in Hamburg“, leitet die technische Entwicklung der Plattform.

          Noch wird er unterstützt von Marie-Lenes Vater Werner Armingeon, der selbst ein mittelständisches Unternehmen führt und von Anfang an als IT-Entwickler bei Sofaconcerts mitgearbeitet hat. Zwei weitere Mitarbeiter betreuen die Bereiche Musik- und Eventmanagement sowie Marketing.

          Der Vorlauf zur Firmengründung war kurz: „Wir sind relativ schnell gestartet, um rasch erste Erfahrungen zu sammeln und die Plattform nach den realen Bedürfnissen weiterzuentwickeln“, sagt Miriam Schütt. Natürlich habe es einen Business Plan gegeben, und zunächst sei alles selbst finanziert worden, bis nach knapp einem halben Jahr durch eine Innovationsförderung (Inno Ramp Up) eine Summe im niedrigen, knapp sechsstelligen Bereich dazugekommen sei. Dies habe es ermöglicht, die Weiterentwicklung der Plattform zu finanzieren, das Geschäftsmodell zu erproben und in Wachstum zu investieren, ohne früh Anteile an Investoren abgeben zu müssen. Das Wachstum sei sehr positiv, und die Umsätze nähmen monatlich um mindestens 20 Prozent zu. Konkrete Zahlen werden nicht genannt.

          Von Singer-Songwriter bis Folk

          Weit mehr als 2000 Konzerte wurden in den zwei Jahren des Bestehens ermöglicht. Für die Vermittlung nimmt Sofaconcerts 13 Prozent der vereinbarten Gage und liegt damit unter dem Preis der meisten Booking-Agenturen. Gastgeber bekommen eine Geld-zurück-Garantie und kurzfristig Ersatz, falls ein Musiker ausfällt. Mittlerweile sind mehr als 2000 Künstler registriert und mehr als 1000 regelmäßige „Bühnen“ verfügbar. Fast zu jeder deutschen Stadt sind Gastgeber und Künstler gelistet. Viele Künstler kommen aus England, den Vereinigten Staaten oder Kanada. Eine Reihe von ihnen nutzt die Plattform, um Europa-Touren zu ergänzen.

          „Unser musikalisches Repertoire reicht vom Singer-Songwriter Matteo Capreoli, der mit Samy Deluxe unterwegs ist, über das Pop-Duo Jonah, das mit dem Vodafone-Werbespot einen Charthit gelandet hat, bis zur neuseeländischen Folkband ,French for Rabbits’, die in ihrer Heimat große Stars, aber in Europa noch ein Geheimtipp sind“, umreißt Miriam Schütt. Die Vielfalt sei groß und für jeden Geschmack etwas Passendes zu finden. Typische Gastgeber waren anfangs Studenten und junge Erwachsene, die Live-Musik zu sich nach Hause holen wollten, statt auf Festivals oder in Clubs zu gehen. Mittlerweile gebe es allerdings immer mehr Familien und Singles, die authentische Musik mit Freunden erleben möchten, heißt es.

          Längst geht das inzwischen mit vielen Preisen ausgezeichnete Geschäftsmodell von Sofaconcerts über reine Wohnzimmerkonzerte hinaus. Bereits nach kurzer Zeit meldeten sich auch Cafés und Bars, Vereinsheime oder inhabergeführte Läden an, die ähnlich wie private Gastgeber ihre Räumlichkeiten mit Live-Musik bespielen wollten. Für diese Zielgruppe wurde eine gesonderte Mitgliedschaft eingeführt. Ein weiteres Angebot sind einmalige Buchungen zu Geburtstagen, Hochzeiten oder Firmenfeiern, die für Künstler häufig besonders lukrative Auftritte bringen.

          Die Gründer

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