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Dienstleistung : Schluss mit der Warterei auf dem Amt

Angefangen mit „intelligenter Bratpfanne“

Angefangen haben die Gründer in München, Hunderte Mal ist Simon zum Kreisverwaltungsreferat gepilgert. Inzwischen gibt es den Dienst auch in Frankfurt, Hamburg, Köln und Berlin. Die Zugriffszahlen sind noch bescheiden. Im Monat kommt knapp eine dreistellige Zahl von Aufträgen herein. In jeder Stadt hat die Firma drei bis vier Mitarbeiter, fast alles Werksstudenten und Mini-Jobber, die die Botengänge übernehmen. In diesem Jahr hoffen Geschäftsführer Simon und die Mitgründer, mit dem Umsatz knapp die Millionenmarke zu überspringen. Gewinn macht das Unternehmen dabei noch nicht. Sich selbst zahlen die Jungunternehmer ein bescheidenes Gehalt, das ihnen das Leben in der teuren bayerischen Landeshauptstadt ermöglicht.

Auf die Idee von erledigungen.de kamen die drei, die sich als BWL-Studenten und wissenschaftliche Mitarbeiter an der Universität München kennengelernt hatten, erst über einen Umweg. Eigentlich wollten sie eine „intelligente Bratpfanne“ auf den Markt bringen, ein Kochgerät mit einem Sensor im Boden, das die richtige Temperatur für ein Steak automatisch an das Handy des Benutzers meldet. Das Teil war fertig entwickelt, doch die Hürden für ein Produktionsunternehmen und eine Markteinführung erschienen ihnen dann doch zu hoch. Und als sehr mühsam erwies sich auch der Prozess der Gewerbeanmeldung vor zwei Jahren.

Bekanntheit steigern

Da kamen die drei Freunde auf die Idee, dass ein Service zur Übernahme von Behördengängen eine gute Sache wäre. Als Startkapital legten sie Ersparnisse zusammen. Der gebürtige Österreicher Simon etwa gab Philharmoniker-Goldmünzen, die er einst zu Kommunion erhalten hatte. Diplom-Informatiker Schmid, der zuvor an der Uni in einem Zentrum für Unternehmensgründungen geforscht hatte, kümmerte sich um die erste Internetseite. Und vor einem Jahr fanden sie einen vermögenden Sponsor, der einen niedrigen sechsstelligen Betrag in das Start-up investiert hat.

Die Geschäftsräume in München liegen sehr zentral, in der Kaufingerstraße. Dort hat Wayra, eine Tochtergesellschaft der spanischen Telefónica, einen Inkubator eingerichtet. Wörtlich übersetzt ist das ein „Brutkasten“ – sozusagen für neugeborene Unternehmen. Auf einer weitläufigen Etage sitzen mehr als ein Dutzend Kleinstfirmen von Jungunternehmern, getrennt durch dicke Stellwände. Jedes Start-up hat einen Stall, die Atmosphäre ist ungezwungen und international. Im Stall nebenan verhandelt ein offenbar britischer Jungunternehmer am Telefon auf Englisch. Für erledigungen.de besteht die erste große Herausforderung darin, bekannter zu werden. Dazu schalten sie Google-Anzeigen. Darüber hinaus basteln sie weiterhin an der Internetseite und entwickeln weitere Services, beispielsweise zur Übernahme von Visa-Beantragungen für Geschäftsleute oder an mehr Dienstleistungen rund um die Autozulassung.

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