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Erlebnisplattform Getyourguide : Wenn der weiße Hai vorbeischwimmt

Kunstkritische Führung für die Deutschen, zügiges Selfie für die Chinesen

Die Touren sollen so gestaltet werden, wie es frühere Teilnehmer angeregt haben. Und die Vorstellungen sind sehr unterschiedlich. Beispiel Vatikanische Mussen: Der Deutsche wünscht sich eine fundierte kunstkritische Führung mit einem Experten, der seine Sprache spricht. Das kann dann gern ein paar Stunden dauern. Der Chinese legt mehr Wert auf das zügige „Selfie“.

Wer durch die Büros in Prenzlauer Berg schlendert, sieht viele Menschen in Großraumbüros hinter Bildschirmen, die Wände sind mit bunten Zetteln gepflastert, auf den Gängen hört man fast nur Englisch. Rote Sitzkissen auf einem gestuften Podest, auf denen Leute sitzen und miteinander diskutieren – alles so, wie man sich die Dekoration einer Fernsehserie vorstellt, die in der Gründerszene spielt.

Knapp 500 Mitarbeiter hat das Unternehmen bereits. Die meisten arbeiten in Berlin, einige in Zürich, was damit zu tun hat, dass die Gründer einst an der Eidgenössischen Technischen Hochschule studiert haben. Jedes Jahr wächst die Zahl der Mitarbeiter um 70 bis 80 Prozent. Der 33 Jahre alte Geschäftsführer spricht von 400 Leuten, die er in den nächsten zwölf Monaten einstellen muss. Jeden Tag spricht er mit Kandidaten. Oft werden diese extra aus einem fernen Land eingeflogen, um zu ergründen, ob der Bewerber in die Unternehmenskultur passt.

Zwischen Politikbetrieb und Gründerszene

Im Unternehmen sind gerade noch 12 Prozent der Mitarbeiter Deutsche, in der Softwareentwicklung sind es weniger als 10 Prozent. „Das größte Problem, das wir haben, ist der Mangel an Fachkräften“, betont Reck. „Während alle Leute hitzig über die Flüchtlinge diskutieren, denke ich die ganze Zeit, das wirkliche Zukunftsproblem ist eine ganz andere Migrationsfrage: Wie kriegen wir mehr gute Leute hierher?“ Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner und der frühere CDU-Generalsekretär Peter Tauber haben das Start-up schon besucht. Reck hat die Bundeskanzlerin auf Gründer-Terminen erleben können. Angela Merkel hat ihn mit ihrer Sachkenntnis, mit ihrem tiefen Einsteigen in Probleme beeindruckt.

Und doch beklagt er ein merkwürdiges Nebeneinander in Berlin: hier die wuselige Gründerszene, dort der behäbige Politikbetrieb. Das eine hat wenig mit dem anderen zu tun. Die einen beschließen ein Rentenpaket, das die anderen wenig interessiert. Dass politische Entscheidungsprozesse zäh sind und viel Zeit brauchen, bringt Reck an den Rand der Verzweiflung. Er spricht von Parallelwelten. Er wünscht sich Politiker mit Visionen. Er fordert mehr Aufbruch. Drei Dinge hält er für geboten: erstens klare Einwanderungregeln für Top-Talente, zweitens eine riesige Bildungsoffensive, um Software-Talente zu fördern, drittens das Aufbrechen von Verkrustungen, damit sich Pensionsfonds und Versicherungen mit ihrem Kapital an Start-ups beteiligen können.

Ans Verkaufen denken die Gründer nicht, auch wenn sie von dem Geld vermutlich den Rest ihres Lebens im Luxus schwelgen könnten. Er spricht von einem Lebenswerk, seine Mitgründer sehen das nicht anders. Reck bringt seine Motivation auf die Formel: „Die Chance zu so einer Gründung hat man nur ein Mal im Leben – und die gilt es zu nutzen.“

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