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Versteck im eigenen Haus : Eine Geheimtür für das Eigenheim

Hinter dieser Tür verbirgt sich... - der Gründer Steve Humble selbst. Bild: Creative Home Engineering

Durch eine geheime Tür verschwinden und unsichtbar sein – das geht nur in Hollywood? Keinesfalls! Steve Humble hat aus seiner Faszination ein Geschäft gemacht. Nur: Wer interessiert sich für das Versteck im eigenen Haus?

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          In dem Abenteuerfilm „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ aus dem Jahr 1989 gibt es eine Szene, die Steve Humble besonders begeistert hat. Harrison Ford in der Rolle des Titelhelden und Sean Connery, der seinen Vater spielt, sind auf Stühlen aneinandergefesselt. Ein Feuer bricht aus, und die beiden versuchen verzweifelt, sich zu befreien. Ford stößt dabei mit seinem Knie an eine Metallskulptur mit zwei Schlangenköpfen, die sich zu seiner Überraschung als Hebel für eine Geheimtür in Form eines rotierenden Kamins entpuppt. Prompt finden sich die beiden Männer in einem ganz anderen Raum wieder. Die Szene hat Humble auf die Internetseite seines Unternehmens Creative Home Engineering gestellt. Ebenso wie Momente aus anderen berühmten Filmen, in denen Geheimzugänge eine Rolle spielen. Etwa der Gruselkomödie „Addams Family“, in der ein Buchregal den Weg zum Tresorraum der Titelfiguren freigibt. Oder der Comicverfilmung „Batman Begins“, in der sich eine Vitrine zum „Batcave“ mit Ausrüstung für den Superhelden öffnet, wenn bestimmte Tasten eines Klaviers gedrückt werden.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Aus seiner persönlichen Faszination für solche Geheimtüren hat Humble ein Geschäft gemacht. Sein im amerikanischen Bundesstaat Arizona beheimatetes Unternehmen ermöglicht es, sich zu Hause eine eigene verborgene Welt zu schaffen, genauso wie in Hollywood-Produktionen. Wie Humble sagt, kommen viele Kunden zu ihm und wollen genau das, was sie in einem Film gesehen haben. Weshalb er praktischerweise bei den einzelnen Filmszenen auf seiner Internetseite dazuschreibt, was das kostet. Für einen rotierenden Kamin nach Art von Indiana Jones zum Beispiel sind mindestens 12 000 Dollar fällig.

          „Ich habe jede Form des Geheimschalters hergestellt“

          Creative Home Engineering bietet Geheimtüren in diversen Erscheinungsformen an. Neben Bücherregalen oder Kaminen gibt es Spiegel, Steinwände oder Treppenaufgänge. Und was Humble an seiner Arbeit am meisten Spaß macht, ist das Konzipieren einer Aktivierungsmethode, mit der diese Dinge, die für Nicht-eingeweihte ganz gewöhnlich aussehen, ein Eigenleben entfalten können.

          Das können Klaviertasten sein wie in „Batman“ oder auch Bücher, die aus einem Geheimregal genommen oder über drahtlose Internetverbindung an einer ganz anderen Stelle des Raumes geöffnet werden. Manchmal sind es auch an der Wand hängende Landkarten, auf denen bestimmte Orte berührt werden müssen, damit die Geheimtür aufgeht. „Ich habe jede Form des Geheimschalters hergestellt, die ich in Filmen gesehen habe“, sagt Humble.

          Und wann immer er einen Film mit einem neuen Mechanismus sehe, setze er alles daran, dies auch seinen Kunden anbieten zu können. In seinem eigenen Haus hat der 40 Jahre alte Unternehmer ein verborgenes Spielzimmer, das nur zu erreichen ist, wenn auf einem Klavier die berühmte Melodie aus James-Bond-Filmen gespielt wird. Er sagt, für seine drei kleinen Kinder sei das mittlerweile so normal, dass sie meinen, in jedem Haus gebe es eine solche Geheimtür.

          Humble hat ursprünglich eine ganz andere berufliche Karriere eingeschlagen. Nach seinem Ingenieurstudium arbeitete er zunächst für ein Medizintechnikunternehmen und half bei der Entwicklung von Robotern. Aber er langweilte sich schnell und wollte etwas ganz anderes machen. Er teilte sich damals mit Freunden ein großes Haus, in dem es einige freie Zimmer gab, und seine alte Faszination für Geheimtüren brachte ihn auf die Idee, überschüssigen Platz für einen verborgenen Raum zu nutzen.

          Architekten und Designer machten ihm Mut

          Zu seiner Überraschung fand er bei einer Internetsuche niemanden, der auf so etwas spezialisiert war, und er witterte eine Geschäftschance. Er traf sich mit Architekten und Designern, die ihm Mut machten, die Idee weiterzuverfolgen, und im Jahr 2004 gründete er sein Unternehmen. Seine erste Geheimtür installierte er bei einem Freund, der gerade ein Haus baute. Hinterher überzeugte er eine Lokalzeitung, über diese Tür zu berichten. Und von da an nahm sein Geschäft Fahrt auf. Bis heute hat er fast 1500 Geheimtüren installiert. Lange waren das nur Maßanfertigungen mit einem Preis von mindestens 8000 Dollar. Seit dem vergangenen Jahr verkauft er aber auch standardisierte Geheimzugänge, die schon für 2000 Dollar zu bekommen sind. Sein Unternehmen hat heute zehn Mitarbeiter, den Umsatz will er nicht beziffern, sagt aber, er liege jährlich im Millionen-Dollar-Bereich und wachse erheblich.

          Zu Humbles Kunden gehören Prominente aus der Unterhaltungsbranche, Sportler und Politiker, Namen will er angesichts der geheimen Natur seiner Projekte nicht nennen. Mehrheitlich arbeitet er aber für Menschen mit ganz alltäglichen Berufen, etwa Ärzte oder Anwälte, und seine Auftraggeber seien „nicht so exzentrisch, wie ich selbst gedacht hätte“. In rund drei Viertel seiner Projekte gehe es nicht in erster Linie darum, Hollywood-Flair ins Haus zu bringen, sondern um Sicherheit. Also darum, einen verborgenen Ort zu haben, wohin die Bewohner bei einem Einbruch fliehen und wo sie wertvolle Dinge aufbewahren können. In Amerika würden die von seinen Geheimzugängen abgeschirmten Räume besonders oft als Depot für Waffenkollektionen oder für Gold benutzt. Humble verspricht, seine Verstecke böten viel mehr Sicherheit als Safes oder Tresore, die leicht zu knacken seien. „Traditionelle Safes geben ein falsches Gefühl der Sicherheit. Man kann auf Youtube-Videos Anleitungen sehen, wie schnell sie aufgebrochen werden können.“

          Die weit überwiegende Mehrheit seiner Geheimtüren hat Humble für den amerikanischen Heimatmarkt gefertigt. Das Schaffen eines Verstecks im eigenen Haus passt nach seiner Meinung besonders gut zur amerikanischen Mentalität, sich möglichst auf sich selbst verlassen zu wollen und nicht auf die Regierung oder die Polizei. Rund ein Fünftel der Auftraggeber kommt derzeit allerdings aus dem Ausland, darunter auch aus Europa. Humble hat dabei beobachtet, dass Amerikaner und Europäer mit Blick auf die Sicherheit verschiedene Prioritäten setzen. Amerikaner seien zwar eher geneigt, einen geschützten Bereich im Inneren ihres Hauses einzurichten, dafür sei der Hauseingang oft nicht besonders sicher. Europäer legten dagegen in erster Linie Wert auf sichere Haustüren.

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