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Datenschutzunternehmen : Mit der DSGVO kam der Erfolg

Die Dataguard-Gründer Thomas Regier, Kivanç Semen, Markus Fisseler und Reinhard Gorenflos (v.l.n.r.) Bild: Dominik Gierke

Dataguard berät kleine und mittlere Unternehmen in Sachen Datenschutz und macht die DSGVO so zum Geschäftsmodell. Doch die Gründer wollen nicht nur Geld verdienen, sie haben auch eine Mission.

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          Mai 2018: viele Unternehmen werden nervös. Vom 25. Mai an gilt in Europa die DSGVO. Viele schicken panisch Massen-E-Mails an ihre Kunden. Auch in einem ehemaligen Möbelhaus in München geht es hoch her. Doch der Grund ist ein anderer: Der Datenschutz bestimmt die Schlagzeilen. Jetzt ist die Zeit, auf die sie hingearbeitet haben bei Dataguard. Thomas Regier und Kivanç Semen sind die Gründer von Dataguard. Sie kennen sich seit der Schulzeit. Im Sommer 2017 – beide sind um die 30 – besprechen sie, was mit der DSGVO auf Europa zukommt. Und sie erkennen, dass da ein Markt entsteht – der sich mit ihrer Überzeugung deckt.

          Gustav Theile

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Dieser Rohstoff Daten war unzureichend geschützt“, sagt Regier. „Viele Unternehmen hatten das Thema nicht auf dem Schirm“, sagt Regier, vor allem kleine und mittelständische Unternehmen (KMU). Wenige seien in der Lage gewesen, aus der DSGVO abzuleiten, was konkret zu tun war. Viele der Hunderttausende KMU in Deutschland hätten sich deshalb nach „externen Datenschutzbeauftragten“ umgeschaut („Externer DSB“). „Mittlerweile sind wir einer der bundesweit führenden DSB-Anbieter für deutsche und internationale Unternehmen“, sagt Regier heute.

          Zwei Überflieger

          Regiers Brille ist dunkel wie seine Haare. Dass er chinesisch-argentinische Wurzeln hat, sieht man ihm kaum an. Sein Lebenslauf ist der eines Überfliegers: Politik- und Wirtschaftsstudium in St. Gallen, in Cambridge und im McCloy-Programm in Harvard. Dann Investmentbanker bei Goldman Sachs, Finanzvorstand eines Biotechnologie-Unternehmens in Boston. Zwischendurch einige Start-up-Gründungen. In diesem Jahr wird er 32 Jahre alt.

          Sein Partner Semen ist ähnlich viel herumgekommen. Er hat türkische Wurzeln, kommt aus Stuttgart, ist Wirtschaftsingenieur und hat in Karlsruhe, Pittsburgh und Madrid studiert. Als Gründer war er noch aktiver als Regier. Er hat in Stuttgart und Düsseldorf orientalische Restaurants eröffnet und als Digitalisierungsberater gearbeitet.

          „Als DSB nehmen wir Ihnen alles ab, was die DSGVO verlangt“, sagt Semen. Zuerst mache man eine Bestandsaufnahme. Es wird nach Abläufen und dem Umgang mit persönlichen Daten gefragt, aber auch danach, welche Schredder das Unternehmen hat und wie die zertifiziert sind.

          Gründerübermut

          Nach dem Bachelor haben sie gemeinsam einige Unternehmen gegründet – und sind gescheitert. Regier führt das unter anderem auf „jugendlichen Gründerübermut“ zurück. Sie wollten in Brasilien deutsche Effizienzhäuser verkaufen und eine Lernplattform für Studenten aufbauen.

          2017 wollen Regier und Semen bei der Gründung von Dataguard nicht wieder die gleichen Fehler machen. Sie suchen weitere Partner für die Gründung. Regier erinnert sich an Reinhard Gorenflos. Der war auch mit dem McCloy-Programm in Harvard, fast 30 Jahre vor Regier, und ist seit vielen Jahren ein Mentor für ihn. Gorenflos war mal Finanzvorstand von Aral, später bei einem Beteiligungsfonds. Heute hat er eine Familienstiftung, die in Start-ups investiert. Der vierte Gründer ist Markus Fisseler, promovierter Jurist. Er war gemeinsam mit Gorenflos im McCloy-Programm in Harvard, später Partner in großen Anwaltskanzleien. Jetzt ist er Anwalt in München.

          Fisseler und Gorenflos halten sich im Hintergrund. Semen und Regier leiten das operative Geschäft. Regier hält die Erfahrung und die Kontakte von Fisseler und Gorenflos dennoch für wichtig: „Nur deshalb kamen selbst in der Anfangsphase auch gestandene Rechtsanwälte zu uns.“

          Der Erfolg von Dataguard übertrifft die Erwartungen der vier Gründer. Im Mai 2018 geht das Unternehmen an den Markt. In den verbleibenden acht Monaten 2018 macht das Unternehmen einen „starken mittleren einstelligen Millionenumsatz“, sagt Gorenflos. 2019 wollen sie den Umsatz verdoppeln. Auch die Mitarbeiterzahl steigt schnell. Im Mai 2018 waren es 35 Leute, im März 2019 schon mehr als 100.

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