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Datenschutzunternehmen : Mit der DSGVO kam der Erfolg

Lack und Druckerschwärze

Nach dem ausführlichen Audit über Fragebogen und Interviews sagt Dataguard den Kunden, was sie tun müssen, um der DSGVO gerecht zu werden. Danach betreut Dataguard die Unternehmen weiter, dokumentiert den Datenschutz und berichtet regelmäßig, wie gut das Unternehmen die Daten schützt.

Semen erinnert sich an den Mai 2018: „Wir waren da noch in einem alten Möbelhaus, gemeinsam mit einer Druckerei. Es roch nach Lack und Druckerschwärze. Wir saßen zwischen Druckmaschinen.“ Im 30-Minuten-Takt hätten sie Kundentermine gehabt, jeder von ihnen sei an drei Tagen auf 1100 E-Mails gekommen. Zwischendurch mussten sie die Homepage offline nehmen, weil sie überlastet war. Doch die Mitarbeiter haben mitgezogen: „Das Team hat die Energie gespürt, bei etwas Großem dabei zu sein.“

Ende Januar 2019 hat das Unternehmen eine vierstellige Zahl an Kunden: Handwerksbetriebe, Arztpraxen und Marketingagenturen, inzwischen aber auch Konzerne. Kleine Betriebe zahlen 150 Euro im Monat, je nach Größe und Branche steigt der Preis. Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern zahlen mindestens 500 Euro. Der Audit am Anfang kostet zwischen 1000 und 3000 Euro. Schon 2018 hat Dataguard unter dem Strich Geld verdient, sagen die Gründer.

Dataguard setzt inzwischen auch auf Künstliche Intelligenz: „Ein Algorithmus hebt die Stellen hervor, an denen Entscheidungen getroffen werden müssen“, beschreibt Regier das Vorgehen. Das spart Geld und Zeit. Die Kunden würden aber nie von einer Maschine beliefert. „Bei uns wird immer ein qualifizierter Volljurist die finale Prüfung vornehmen“, versichert er. Dataguard. Jurist Fisseler will dadurch Zeit und Geld sparen. Die Arbeitsstunde eines Juristen koste 200 Euro, bei der repetitiven Arbeit seien lernfähige Systeme inzwischen ähnlich gut wie Menschen. Man brauche nur noch drei Prozent der Arbeitszeit für die Prüfung. Semen sieht einen weiteren Vorteil: „Langweilige Jobs werden durch spannende ersetzt.“ Darüber würden sich auch die Mitarbeiter freuen.

Meinungsführer beim Datenschutz?

Im Juni 2018 sind sie umgezogen in ein Bürogebäude in der Nähe des Münchner Hauptbahnhofs. Zweimal haben sie in dem Bürogebäude schon weitere Etagen gemietet. Schaut man sich dort um, hat es etwas von einem Callcenter. In langen Reihen sitzen acht, vielleicht zehn Leute nebeneinander vor ihren Computern. Sie tragen Headsets und telefonieren.

Über die Weihnachtsfeiertage Ende 2018 haben sie innegehalten, wollten reflektieren, was sie erreicht haben. Und sie haben überlegt: „Wie wollen wir uns in 2019 aufstellen?“ Seitdem richten sie sich auch an Privatleute – mit einer App, in der man Datenschutz trainieren kann. Beantwortet der Nutzer eine Frage richtig, erhält er ein Lob von einem Dataguard, der an einen britischen Wachmann erinnert. Liegt er falsch, erscheint eine grimmige Datenkrake.

In neuen Projekten arbeiten sie mit der Telekom und IBM zusammen. In einem anderen schulen sie kirchliche Mitarbeiter. Insgesamt 300.000 Leute würden ihre Schulungen da durchlaufen, erzählt Regier. Das kirchliche Datenschutzrecht mache es ein wenig kompliziert. „Die katholische und die evangelische Kirche haben ja ihr eigenes Datenschutzrecht.“ Er will, dass Dataguard mehr wird als ein Unternehmen, das Datenschutzbeauftragte stellt. „Meinungsführer“ beim Datenschutz soll das Unternehmen sein, sagt er, und „Standards setzen“. Dataguard wolle dazu beitragen, „dass die Millionen von Menschen hinter den Daten besser geschützt werden“. Die Leute sollten bei Datenschutz an Dataguard denken und damit etwas Positives verbinden.

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