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Gründerserie : Genau messen, was man nicht sehen kann

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In der Uni: Das Unternehmen von Ronny Timmreck, Robert Langer, Robert Brückner und Matthias Jahnel (von links) war die Idee eines Professors. Bild: Matthias Lüdecke

Das Start-up Senorics analysiert mit Hilfe von Lichtstrahlen Inhaltsstoffe. Die Messtechnik aus dem Labor soll kleinen Herstellern zugänglich gemacht werden und die Welt verbessern.

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          Absorbierte Wellenlängen, Spektralbereich, Ein- und Ausfallwinkel: Robert Langer, Mitgründer und Vertriebschef des Dresdner Start-ups Senorics wird nicht müde, das bewährte Prinzip der Nahinfrarot-Spektroskopie geduldig zu erklären. Senorics will diese Technik vom Labor in den Alltag bringen, darin liegt die Geschäftsidee der vier Gründer: Drei promovierte Physiker und Wirtschaftsinformatiker Langer haben im Juni 2017 die Senorics GmbH in Dresden gegründet. Dabei war ihr gemeinsamer Weg nicht vorgezeichnet.

          Ronny Timmreck, Geschäftsführer von Senorics, hat am Dresdner Institut für Angewandte Physik an organischen Verbindungen geforscht und wurde von seinem Professor gefragt, ob er die Entwicklung der Technik als Ausgründung weiterbetreiben wolle. Timmreck, der bereits vor einigen Jahren ein Unternehmen gegründet hatte und daraus über unternehmerische Erfahrung verfügt, suchte sich an der Technischen Universität (TU) Dresden sein Team nach den benötigten Qualifikationen zusammen. „Sandkastenkumpels waren wir nicht“, erinnert sich Langer. „Das war eine rationale Entscheidung.“ Mittlerweile wurde ihnen das Exist-Förderprogramm „Forschungstransfer“ erteilt, das maximal vier Gründern gewährt wird.

          Mit der Analysetechnik, die Senorics verwendet, kann man nachweisen, ob und welche Inhaltsstoffe in welcher Menge vorhanden sind, nachdem Lichtstrahlen eines bestimmten Bereiches durch feste oder flüssige Materie gesendet und gemessen wurden. Timmreck und seine Mitgründer wollten herausfinden, was aus dieser Technik rauszuholen war, und durchforsteten die möglichen Anwendungsgebiete. „Wir haben erst grob ausgesiebt“, sagt Langer, „und dann eine Systematik für die Marktanalyse entwickelt.“

          Proteingehalt von Weizen vor Ort messen

          Das Spektrum reicht von Messungen des Reinheitsgehaltes, der Festigkeit, Dehnbarkeit und Transparenz von Ein- und Ausgangsstoffen; dabei ist es sowohl möglich etwa die korrekte Rezeptur eines Medikamentes zu überprüfen als auch den Proteingehalt von Getreide festzustellen. Diese Analysen sind bisher nur stationär mit sensiblen, teuren und schweren Laborgeräten möglich, was zu Zeitverzögerungen in den industriellen Fertigungsprozessen führt.

          Senorics hat einen briefmarkengroßen Sensor entwickelt, mit dem auch kleine Hersteller oder Landwirte direkt am Ort des Geschehens ihre Waren prüfen können. „An der Entwicklung des Sensors haben wir unglaublich viele Stunden gearbeitet“, gesteht Langer. „Wir haben uns mehr gesehen als unsere Familien.“ Und Rückschläge ließen beim Tüfteln auch nicht auf sich warten, sagt Langer: „Wir hatten erst ein super Layout, und dann wurde das Signal verfälscht.“

          Sensor weiß so viel wie der Maschinenführer

          Mittlerweile sind die technischen Hürden genommen. „Mitgründer Robert Brückner ist unser Sensor-Guru“, erzählt Langer. Und der vierte, Matthias Jahnel, ist der Experte für die Produktion der Chips. Das ist eine wichtige Aufgabe, denn der Erfolgsfaktor des organischen Halbleiters ist neben der großen Bandbreite an Stoffen, die identifizier- und messbar sind, der niedrige Preis. Genau da sehen sie ihr Marktpotential: preiswert, portabel und so genau wie nötig soll ihr Sensor messen und unterscheidet sich somit von der bisherigen stationären Analyse.

          Hinzu kommt, dass der wiederverwendbare Sensor, wie ein Wissensspeicher, die Mensch-Maschine-Interaktion unterstützt. Wusste bisher etwa der langjährige Maschinenführer in der Verpackungsindustrie aus Gefühl und Erfahrung, wie hoch der Feuchtigkeitsgehalt der Kartonrolle vor dem Falten sein muss, wird dieses Wissen über Betriebszustände, Geschwindigkeiten und Ausstoßmengen der Maschinen in diesem Sensor verdichtet.

          Fehlerhafte Produktion vermeiden

          Dafür haben die Gründer mehrere Patente angemeldet, von denen eines dem Start-up schon erteilt wurde. „Das ist an der Uni wirklich toll, denn wir werden von Experten unterstützt, die von solchen Themen Ahnung haben“, beschreibt Langer die Begleitung der TU, in deren Räumlichkeiten sie noch untergebracht sind.

          Die vier Gründer sind auch Idealisten. „Wir glauben daran, das Leben der Menschen damit besser zu machen“, sagt Langer. „In Zeiten des Klimawandels wollen wir dazu beitragen, dass Ressourcen geschont werden.“ Der Sensor soll dabei helfen, dass durch die Messungen weniger fehlerhafte Produkte hergestellt und damit der Ausschuss verringert wird.

          Gegenüberstellung statistischer und gemessener Daten

          Im Jahr seiner Gründung hatte das junge Start-up einen ersten Kunden und nur geringe Umsätze erzielt. Unterstützt durch das staatliche Förderprogramm, besteht ihr Team mittlerweile aus zehn Personen, mit dem sie aktuell für verschiedene Kunden arbeiten, deren Namen und Umsätze sie derzeit nicht nennen dürfen. Für die Anforderungen dieser Auftraggeber entwickeln die Jungunternehmer Sensoren, die die Materie klassifizieren, quantifizieren oder qualifizieren soll.

          Parallel dazu konzipieren sie ein entsprechendes „chemometrisches Modell“, das durch die Gegenüberstellung von statistischen und neu gemessenen Daten die gewünschte Information für den Kunden ermittelt. Je nach Anwendungsfall ergeben sich unterschiedliche Entwicklungszeiten: Es hängt davon ab, ob es sich um ein neues oder ein bereits vorhandenes Produkt handelt.

          Auch Adblue wird messbar

          Auch zum Dauerthema Diesel-Technologie haben sich die Gründer Gedanken gemacht. Mit ihrem Sensor können sie den Harnstoffgehalt des Abgasreinigungszusatzes Adblue in dem entsprechenden Tank messen, denn bislang ist nur der Füllstand zu erkennen, aber nicht die Zusammensetzung der Flüssigkeit. Vertriebschef Langer ist davon überzeugt, dass die Anwendungsgebiete über die bereits identifizierten Industrien wie Nahrung, Textil und Chemie hinausreichen, da die Möglichkeiten, die die Nahinfrarot-Spektroskopie aus seiner Sicht bieten, noch längst nicht abschließend erfasst seien.

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