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Gründerserie : Mozart digital

  • -Aktualisiert am

Geübt hatte er nicht: Ulrich Halfter nutzte die Klavierstunden stattdessen anderweitig. Bild: Roger Hagmann

Das Chemnitzer Start-up Scorefab bietet digitalisierte Musiknoten an. Zoomen braucht man nicht mehr, denn die Noten passen sich der Bildschirmgröße an. Das ermöglicht neue Nutzungsformen.

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          Ich hatte für die Klavierstunde nicht geübt“, sagt Ulrich Halfter, Gründer und Geschäftsführer des Start-ups Scorefab. „Damit hatten wir viel Zeit, über andere Dinge zu sprechen.“ Statt Vierklänge zu üben, entstand mit seinem Klavierlehrer Lukas Heinig die Idee, Notenblätter überall verfügbar, gut lesbar und leicht zugänglich zu machen.

          Was einfach scheint, hat Generationen von Musikern viel Mühe und manchmal auch Nerven gekostet: Denn sind die Notenblätter endlich zusammengestellt, bleiben sie irgendwo liegen oder fallen gar beim Umblättern runter. Vor allem Korrepetitoren, die am Klavier mit Künstlern Stücke einüben, tragen gleich Bündel von Musiknoten mit sich und müssen zwischen verschiedenen Stellen im Werk hin- und herspringen.

          Große Orchester leihen bei den Musikverlagen die Noten für alle Instrumente aus. Von diesen Notenblättern dürfen für das Konzert Arbeitskopien gemacht werden, welche die Musiker mit eigenen Notizen versehen können. Musikschulen schließen mit den Verwertungsgesellschaften Pauschalverträge ab, die ihnen erlauben, im vereinbarten Rahmen Vervielfältigungen herzustellen. Der Rest ist eine Grauzone, die sich zwischen Raubkopie und lizenzfreien Kopien bewegt.

          „Erst mal ganz naiv“

          Die Lösung für diese praktischen als auch rechtlichen Schwierigkeiten sah das Duett von Klavierschüler Halfter und Lehrer Heinig in der Kooperation mit den Musikverlagen, um deren Noten in digitalisierter Form auf einer Plattform bereitzustellen. „Von Anfang an wollten wir mit dieser Idee ein Unternehmen gründen, hatten davon aber keine Ahnung“, erinnert sich Halfter. Sie wendeten sich an das Gründernetzwerk der Technischen Universität Chemnitz (TUC). „Und gingen erst mal ganz naiv dahin“, sagt Halfter, der als TUC-Absolvent für Angewandte Informatik zu der Zeit am dortigen Fraunhofer-Institut in der Softwareentwicklung arbeitete.

          Durch den fast zweijährigen Austausch in dem Netzwerk gewann ihre Idee Kontur: Aus der anfänglichen Vorstellung wurde ein Geschäftsmodell. Die wissenschaftlichen Mitarbeiter des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre an der TUC unterstützten die angehenden Gründer, nannten ihnen Ansprechpartner und halfen mit, die Finanzierung sicherzustellen: zunächst durch das Gründerstipendium Exist und anschließend durch das Technologiegründerstipendium der Sächsischen Aufbaubank. Im Gründernetzwerk lernten sie zwei Gleichgesinnte kennen und gründeten im August 2017 das Start-up „Scorefab“, wobei das englische Wort „score“ übersetzt Partitur bedeutet.

          Das Gründerquartett ist zwischen 30 und 40 und teilt die Leidenschaft für Musik: Die Kommunikationswissenschaftlerin Josephin Hartmann aus Jena spielt Klavier und ist bei Scorefab für das Marketing zuständig. Der Leipziger Wirtschaftsingenieur Alexander Wolf verantwortet die wirtschaftlichen Belange und spielt in seiner Freizeit Gitarre. Klavierlehrer Heinig berät Scorefab mit seiner musikalischen Expertise als studierter Musiker und Konzertpianist, während Halfter die Anwendungen programmiert, mit denen die dynamische Notendarstellung auf den Endgeräten möglich wird.

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