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Gründerserie : Mozart digital

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Bloß nicht an der schwierigsten Stelle umblättern

Grundlage für seine Programmierung ist das maschinenlesbare Format der Musiknoten, das die Musikverlage seit mehr als zwanzig Jahren für die eigene Drucklegung vorhalten. Mit Hilfe einer Darstellungsbibliothek werden die Noten automatisch der Bildschirmgröße des Anzeigegerätes angepasst, die Produktinnovation von Scorefab. Es wird darauf geachtet, dass Seitenumbrüche, die durch das Lektorat der Verlage bereits sorgsam austariert wurden, nicht verlorengehen, denn kein Musiker möchte an der schwierigsten Stelle des Stücks die Seite umblättern. Hingegen müssen die bislang üblichen PDF-Blätter – als bloße Bilder – immer wieder neu in die erforderliche Größe gezoomt werden.

Scorefab ist dabei, mit den Musikverlagen Kooperationsverträge abzuschließen. Davon haben beide etwas: Scorefab kann eine möglichst große Anzahl an Komponisten, Werken und Stilrichtungen anbieten, und die Verlage erschließen sich auf diese Weise einen weiteren Vertriebsweg. Auf den Digital-Zug sind bereits einige namhafte Verlage aufgesprungen und bieten Apps an, über die sie aber ausschließlich ihre eigenen Noten vertreiben. „Scorefab versteht sich als Aggregator, der Notenmaterial sammelt und den verschiedenen Nutzergruppen anbietet“, sagt Halfter. Der große Wissensschatz der Notenwarte oder die sachkundige Beratungsleistung der Musikalienhändler wird bei Scorefab abgelöst durch Suchfunktionen, mit denen die Musiker etwa per „Schwierigkeitsstufe“ Werke aus dieser Vielfalt auswählen können, die vielleicht nicht zum üblichen Repertoire zählen. „Es gibt unzählige Schätze, die auf diese Weise gehoben werden können“, erklärt Halfter. Denn nicht jedes Werk wird regelmäßig gedruckt und steht im Laden.

Auch Noten sind so leichter wiederzufinden, und ähnlich wie bei Tonträgern kann der Kunde auch einzelne Titel kaufen und auf sein Tablet runterladen statt des ganzen Liederbuches. Noch sind die „digital natives“, also die Generation, die mit Nutzung von Computern selbstverständlich aufwächst, unter den Musikern in der Minderheit. Doch der Umbruch ist im Gange. Junge, herausragende Künstler wie Michael Barenboim spielen von digitalen Endgeräten. „Auch in der Jazzmusik sind Digitalnoten verbreitet“, weiß Halfter.

Die Seiten werden mit dem Fuß umgeblättert. Scorefab hat dafür ein batterieloses Pedal entwickelt. Den Gebrauch muss man üben, vor allem weil der Pianist den linken Fuß mitunter zum Dämpfen des Tones am Klavier braucht.

Orchester können effizienter werden

Die digitale Bereitstellung der Noten bietet auch für Orchester Möglichkeiten, effizienter vorzugehen. In Zusammenarbeit mit der Chemnitzer Robert-Schumann-Philharmonie wurden verschiedene Funktionen entwickelt und getestet: Einzelne Solostimmen können zu- oder weggeschaltet werden, der Dirigent kann die Partitur ändern, und dies ist sofort bei allen Musikern sichtbar, individuelle oder Gruppennotizen sind möglich, auch können Nutzer die Werke in eine andere Tonart übertragen. „Leider hinkt die Hardware hinterher“, bedauert Halfter. „Tablets in DIN-A4-Größe sind noch nicht für jeden Musiker erschwinglich.“

Scorefab will im Sommer 2018 mit seiner Grundversion in den deutschen Markt eintreten, immerhin hat ein Fünftel der Bevölkerung einen musikalischen Hintergrund. Die Skalierbarkeit des Unternehmens liegt in der angedachten Internationalisierung. Derzeit steht die nächste Finanzierungsrunde an. Mit Investoren, die das Wachstum der nächsten zwei bis drei Jahre finanzieren, sei man bereits im Gespräch.

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