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Gründerserie : Eine Biogasanlage für 500 Euro

  • -Aktualisiert am

Katrin Pütz Bild: Edgar Schoepal

Katrin Pütz hat eine Mini-Biogasanlage entwickelt. Sie soll Menschen in Entwicklungsländern Perspektiven geben. Auf Fördergelder verzichtet sie.

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          Auf einer Wiese in einem Gemeinschaftsgarten im Süden von Köln zwischen Beeten und Sträuchern, versteckt unter einer schwarzen Plane, liegt ein zwei Meter langer, weißer Sack. An beiden Enden ragen PVC-Rohre hervor, abgestützt durch graue Ziegelsteine. Viel mehr braucht es für die Mini-Biogasanlage nicht, die Katrin Pütz erfunden hat. Aus ihrem Rucksack holt die Agraringenieurin in Zeitungspapier eingewickelte Küchenabfälle. Mit Wasser vermischt, kippt sie die Kartoffelschalen und Essensreste durch das vordere Rohr in die Anlage. „Beim ersten Mal muss die Anlage mit Kuhdung befüllt werden, damit Methanbakterien hineingelangen“, erklärt Pütz. Danach könnte der Nutzer die Anlage jedoch mit Bioabfällen aller Art „füttern“, wie sie es nennt. Im Inneren bauen die Bakterien die Abfälle ab und produzieren dabei Gas. Mit jeder „Fütterung“ wird die Masse im Sack weitergeschoben, bis sie schließlich vergoren am anderen Ende aus dem zweiten Rohr herauskommt. „Das ist super Dünger!“, lacht Pütz und zeigt auf die bräunliche Flüssigkeit im Eimer. Aktuell produziere die Anlage nicht viel, dafür sei es zu kalt, unter zwanzig Grad könnten die Bakterien nur langsam arbeiten.

          Svea Junge
          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Für den Gebrauch in unseren Breitengraden hat Pütz die Anlage auch nicht entwickelt. Die Gründerin von (B)Energy will mit ihrem Produkt Menschen in Entwicklungsländern eine Perspektive bieten. So können Besitzer einer Mini-Biogasanlage das produzierte Gas nicht nur für den eigenen Hausgebrauch verwenden. Pütz hat einen Rucksack entworfen, mit dem Besitzer das Gas transportieren und weiterverkaufen können. Mit den Maßen von 2 Metern mal 1,5 Metern ist der Rucksack nicht gerade klein, aber auch prall gefüllt wiegt er Pütz zufolge nicht mehr als 4 Kilogramm. Eine Mini-Biogasanlage kostet zwischen 500 und 600 Euro. Durch die Einnahmen aus dem Gasverkauf könne ein afrikanischer Bauer mit Kühen einen Kredit in dieser Höhe aber innerhalb von ein bis zwei Jahren wieder abbezahlen, sagt Pütz.

          Pütz ist 38 Jahre alt, quirlig und, wie sie selbst sagt, von einer großen Neugier getrieben, wie Dinge funktionieren. Nach dem Abitur machte sie eine Ausbildung zur Schreinerin und reiste anschließend um die ganze Welt. „In der Zeit habe ich viel ausprobiert und gelernt“, sagt Pütz – ob als Sennerin in den Alpen oder als Stierfängerin im australischen Outback. Die Idee für den Biogas-Rucksack kam ihr 2008 im Agrartechnikstudium an der Universität Hohenheim, wo sie Biogas als Energieträger kennenlernte. „Ich war begeistert vom simplen Prinzip der Technik und wollte Biogas in Afrika wirtschaftlich nutzbar machen“, erinnert sich Pütz. Zuvor sei sie für ihre Bachelorarbeit im Fach Ökologische Folgenforschung 2008 in Ruanda gewesen und dort zum ersten Mal mit Entwicklungshilfe in Berührung gekommen. „Ich war schockiert“, sagt Pütz. Statt Anreize zu setzen, hätten die Programme die Abhängigkeit der Menschen gefördert: „Ich fand es unwürdig, wie die Hilfe den Menschen aufgezwungen wurde.“

          Der Markt ist verzerrt

          Am Ende ihrer Masterarbeit hatte Pütz ein Geschäftsmodell entwickelt und konnte die ersten Rucksack-Prototypen testen. Sie forschte weiter, entwickelte die erste Mini-Biogasanlage und wurde von einer äthiopischen Universität eingeladen und finanziert, um ihre Technik zu erproben. Sie baute sogar einen Brenner und eine Platte zum Backen von Injera, dem äthiopischen Nationalgericht, für dessen Zubereitung rund 60 Prozent der Haushaltsenergie in Äthiopien verwendet werden. Nach mehreren erfolgreichen Pilotprojekten habe sie gewusst: „Jetzt gibt es nur noch eins zu tun – eine Firma gründen“, erzählt Pütz. Und das tat sie: 2014 rief sie schließlich in Deutschland (B)Energy ins Leben.

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