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Entsalzungsanlagen : Berliner Wasserkioske liefern in Afrika sauberes Wasser

Ihre zweite Idee war dann der Wasserkiosk. Die beiden haben dafür bestehende Systeme für Entsalzungsanlagen radikal vereinfacht. „Andere Anbieter für solche Kleinanlagen zur Wasserentsalzung bauen diese meist für Yachten, das sind Luxuslösungen wie ein Ferrari“, sagt Beheshti. Solche Apparate könne man sich in afrikanischen Dörfern niemals leisten, verstanden die beiden Firmengründer nach mehreren Reisen nach Kenia. „Wir haben keinen Ferrari, sondern einen Toyota gebaut“, erklären Beheshti und Al-Hakim. Sie verwenden günstigste, aber robuste Komponenten: ein einfacher, solargetriebener Elektromotor, einfache Pumpen, die das Wasser mit hohem Druck durch eine Membran pressen, Gummischläuche statt teurer Edelstahlleitungen, handbetriebene statt elektrisch gesteuerter Ventile.

Wasserkiosk mit sozialer Komponente

Damit konnten sie den Preis für die Anlage, die aus gut 400 Einzelteilen besteht, auf rund 22.000 Euro senken. Das ist immer noch viel, aber eben halb so viel wie bisherige Produkte. Und die Maschine ist so robust und einfach, mit einem einzigen Ein-/Aus-Schalter, dass sie nicht schnell kaputtgeht und im Bedarfsfall von lokalen Technikern repariert werden kann.

Trinkbar oder Brackwasser? Millionen Menschen in Afrika haben keinen Zugang zu gutem Trinkwasser.

Nun starten sie mit der Installation der ersten Anlagen. Ihre Projekte haben auch lokale Politiker in Kenia so sehr überzeugt, dass sie den beiden Jungunternehmern gratis Land überlassen als Standort für ihre Container. Denn die Wasserkioske bieten nicht nur günstigeres Trinkwasser. „Sie sind zugleich soziale Treffpunkte: Es gibt drinnen eine kleine Bibliothek mit hundert Kinderbüchern, die uns Hilfsorganisationen spenden. Dann gibt es eine Ladestation für Mobiltelefone, W-Lan für Internet, einen Kühlschrank, in dem beispielsweise Medizin gelagert werden kann. Und zudem werden Lebensmittel, zum Beispiel Kekse, verkauft“, erzählt Beheshti. Der Kiosk auf der Insel Wasini steht neben der lokalen Schule. Deren Rektor freut sich, dass hier technische Ausbildungen stattfinden können.

Hilfsorganisationen und Konzerne sind interessiert

Je Wasserkiosk beschäftigen sie drei Personen, zwei für Betrieb und Verkauf und einen Wachmann für die Nacht. Insgesamt zehn Angestellte hat das kenianische Tochterunternehmen der beiden schon. Die beiden Unternehmer betreiben die Anlagen selbst, laut Planung soll ein Kiosk 2600 Euro Umsatz im Monat machen. Innerhalb von drei Jahren soll sich die Investition amortisieren und die Gewinnschwelle erreicht sein. Was ist dabei ihre Motivation? „Wir sind kein Wohltätigkeitsprojekt, wir wollen Profit machen“, stellt Beheshti klar. „Aber es erfüllt uns mit Freude, dass unser Geschäft mit dem Wohlergehen der ärmsten Menschen verbunden ist“, sagt er.

Inzwischen haben sich die Hilfsorganisationen Oxfam und Care International bei Boreal Light gemeldet, die Wasserkioske für den Jemen kaufen wollen. Der italienische Süßwarenkonzern Ferrero schickte eine große Managergruppe nach Berlin-Adlershof, die sich die Entsalzungsapparatur anschauten. Auch der niederländische Tiernahrungshersteller Nutreca und der Konsumgüterkonzern Unilever sind interessiert. Vor kurzem gab es noch eine freudige Nachricht für die Gründer: Ihr Start-up wurde als „European Food Startup of the Year“ prämiert. Das Preisgeld von 50.000 Euro stecken sie in den Aufbau ihrer Firma.

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