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Berliner Start-up Hund Hund : Mode aus dem Goldfischglas

Rohan Hoole, Isabel Kücke und Hündin Ella Bild: Matthias Lüdecke

Stoff 9,86 Euro, Sticken 20 Euro, Fotoshooting 2,07 Euro: Das Label Hund Hund bietet nachhaltige Mode an und beziffert für jeden Arbeitsschritt die Kosten. Kann das Schule machen?

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          Der Stadtteil Wedding ist nicht gerade die erste Adresse, die einem für ein Berliner Mode-Start-up in den Sinn kommt, und vielleicht sitzen Isabel Kücke und Rohan Hoole gerade deshalb hier. Prenzlauer Berg, Mitte oder Friedrichshain sind bekanntlich ebenso überlaufen wie teuer. Gut getroffen haben sie es trotzdem. Ihr Studio ist im Terrassenhaus des Architekten Arno Brandlhuber – „Lobe Block“ getauft – beheimatet.

          Benjamin Fischer

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Gentrifizierungsgegner sind nicht gerade begeistert von dem brutalistischen Betonbau, architekturaffine Touristen umso mehr. Regelmäßig erkunden Gruppen das graue Gebäude über die außen liegenden Treppen und haben dank der komplett gläsernen Fassade besten Blick in die Hund-Hund-Räumlichkeiten im zweiten Stock: „Manchmal fühlt man sich hier wie ein Goldfisch im Glas“, sagt Hoole.

          Dem 41 Jahre alten Australier und seiner sieben Jahre jüngeren Partnerin kommt das allerdings gerade recht, passt es doch optimal zum Hund-Hund-Slogan: „radikale Transparenz“. In der Praxis bedeutet dies nicht nur einen permanenten Blick hinter die Kulissen, sondern auch eine Kostenaufstellung für jeden Arbeitsschritt, der für ein Kleidungsstück anfällt; zu finden auf der Website.

          Stil erinnert an COS

          Vom Stil her erinnern ihre Stücke an den H&M-Ableger COS – minimalistisch-funktionelles Design mit raffinierten Details und ausgefallenen Schnitten. Den Kreationen der Konkurrenz aus Schweden könne er optisch durchaus etwas abgewinnen, bekennt Hoole. Das Problem liegt für ihn dahinter, und hier versuchen die beiden Gründer anzusetzen: „Wir wollten ein Label schaffen, das nicht nur unseren ästhetischen Ansprüchen entspricht, sondern auch unseren Werten.“ Da sei es unumgänglich, möglichst nachhaltig und zu fairen Bedingungen zu produzieren.

          Hoole und Kücke haben sich in Indien kennengelernt. Während die Designerin nach ihrem Studium an der Universität der Künste Berlin eine Stickerei aufgebaut hatte, arbeitete Hoole in der Werbebranche und produzierte Videos für die indischen Ausgaben der Magazine „Vogue“ und „GQ“. Die Mode-Industrie sei sehr gut darin, schöne Bilder zu kreieren.

          „Wir aber haben hautnah miterlebt, wie für europäische Marken produziert wird und zu welchen Bedingungen“, erzählt Hoole. So reifte die Idee für ein eigenes Label. Nach dem Umzug nach Berlin starteten sie im Juli 2016 – weil sie Hunde mögen und ihnen kein besserer Name einfiel – unter dem Namen „Von Hund“, den sie wenig später nach einem Rechtsstreit über geistiges Eigentum ablegen mussten.

          „Radikale Transparenz“ betreiben auch andere

          Zunächst führten sie das Unternehmen aus ihrer gemeinsamen Wohnung in Neukölln, als Startkapital dienten Hooles Ersparnisse. Im September 2018 folgte der Umzug ins Terrassenhaus. Zwei Mal in der Woche können Interessierte hier auch für wenige Stunden Kleidung anprobieren und kaufen. Basis ihres Geschäfts bleibt aber der Direktvertrieb über das Internet. Das spare Kosten, da kein Geld an Zwischenhändler fließe, so Hoole. Ein praktisches und beliebtes Modell für Start-ups.

          Auch das Konzept der „radikalen Transparenz“ haben Hoole und Kücke nicht exklusiv, daraus machen sie keinen Hehl. Das amerikanische Label Everlane, gegründet 2010, arbeitet so schon länger. Seit kurzem versuchen sich auch die Schweden von Asket daran, und bei Jan ’n June aus Hamburg steht teils bis auf die Koordinaten genau, wo welcher Arbeitsschritt erledigt wurde.

          Hoole ist optimistisch, dass die gesellschaftliche Debatte über Umweltschutz und Nachhaltigkeit langsam auch beim Thema Mode wirklich ankommt: „Die Leute wollen zunehmend wissen, für was sie eigentlich bezahlen, um bewusster entscheiden zu können.“

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