https://www.faz.net/-gyl-91e9i

Die Gründer : Auf den Teller statt in die Tonne

  • -Aktualisiert am

Jeder Deutsche wirft pro Jahr etwa 80 Kilogramm Lebensmittel in den Müll. Bild: dpa

Die App „Too Good to go“ vermittelt Kunden kurz vor Ladenschluss und zum reduzierten Preis Essen aus der Gastronomie. Wie ein Start-up Lebensmittelverschwendung reduzieren will.

          4 Min.

          Dänemark gilt vielen als Land, in dem Milch und Honig fließen. Die Menschen seien glücklicher als anderswo, heißt es. Ausgerechnet von dort kam 2015 die Idee, mit der App „Too Good To Go“ online frische Lebensmittel aus der Gastronomie vor der Abfalltonne zu retten. Denn Restaurants entsorgen abends regelmäßig beträchtliche Mengen von überschüssigem Essen in den Müll, wenn sie es tagsüber nicht verkaufen konnten. Um solcher Verschwendung Einhalt zu gebieten, vermittelt die App übrig gebliebene Gerichte zum reduzierten Preis an Kunden, die sie per Handy bestellen, online bezahlen und vor Ladenschluss selbst abholen.

          „Too Good To Go“ – Motto: „Essen retten, Geld sparen und die Welt verbessern“ – wurde im Sommer vor zwei Jahren in Kopenhagen gegründet. Initiatoren waren Thomas Bjørn Momsen, Stian Haanes Olesen, Adam Sigbrand, Brian Christensen und Klaus Pedersen, fünf Freunde, digital erfahren und in der Wirtschaft tätig. Finanziert haben die Mitt- bis Endzwanziger ihr Unternehmen mit einem siebenstelligen Betrag aus Eigen- und Fremdkapital. Die beiden in der IT-Branche bekannten Dänen Preben Damgaard und Mette Lykke zählen zu den Hauptinvestoren.

          Mehr als 1,5 Millionen Nutzer

          Die kostenfreie App hat heute mehr als anderthalb Millionen Nutzer. Mehr als eine Million Portionen an übrig gebliebenen Speisen sind bisher auf diesem Weg verkauft worden. Die App gibt es auf Dänisch, Norwegisch, Englisch, Französisch und Deutsch. Weitere Länder sind in Planung. Das Unternehmen hat 50 Mitarbeiter, davon 15 in Deutschland. In den ersten sechs Monaten, in denen das Start-up 2016 auch in Deutschland aktiv war, wurde der Betrieb noch aus Kopenhagen gesteuert. „In dieser Zeit haben wir in neue Vertriebsstrukturen und in die Anpassung unserer IT-Lösung investiert“, sagt Deutschland-Chef Julian Stützer.

          Gründer Julian Stützer

          Im Februar 2017 wurde dann in Düsseldorf die deutsche Tochtergesellschaft als GmbH eingetragen. Hauptsitz hierzulande ist inzwischen Berlin, vor allem wegen des dynamischen Umfelds: „Dort können wir uns mit wichtigen Entscheidungsträgern aus den Bereichen Umwelt, Gastronomie, Wirtschaft und Politik direkt vernetzen.

          19 Millionen Tonnen im Müll

          Zudem lassen sich vor Ort viele junge, talentierte Leute finden“, sagt Stützer. Er ist 31 Jahre alt, hat Betriebswirtschaftslehre  studiert und gehört zusammen mit dem 26 Jahre alten Gründer Thomas Momsen zum deutschen Gründerteam des Unternehmens, das sich kurz nach den vier Anfangsbuchstaben der Wörter im Namen TGTG nennt.

          Zur Gründung der deutschen Dependance hat ihn und seine Kollegen die auch hier hohe Lebensmittelverschwendung motiviert. „Jährlich landen hierzulande 19 Millionen Tonnen Lebensmittel nutzlos im Müll“, sagt Stützer. Mit den Tafeln in vielen Städten und sogenanntem Foodsharing gebe es zwar schon Konzepte, um diese Zahlen zu verringern. Aber es werde dort ein anderer Ansatz verfolgt. „Mit Too Good To Go haben wir eine ergänzende Lösung geschaffen, die eine weitere Zielgruppe anspricht. Sie macht es nunmehr auch für gastronomische Betriebe, Hotels und Supermärkte extrem einfach, Lebensmittel zu retten.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Gestärkt: Der türkische Staatspräsident Erdogan spricht am Sonntag mit türkischen Journalisten

          Türkische Offensive : Erdogans Gewinn

          Wieder einmal stärkt eine Krise, die der türkische Staatspräsident ausgelöst hat, seine innenpolitische Stellung. Die ausbleibende internationale Unterstützung aber dürfte einen hohen Preis haben.
          Zweimal Gündogan: Kimmich schreit seine Erleichterung über die Treffer des Kollegen heraus.

          3:0 für Deutschland : Geduldsspiel in Tallinn

          Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft muss einen frühen Platzverweis von Emre Can verkraften, gewinnt aber nach zähem Beginn 3:0 in Estland. Gündogan trifft zweimal, Werner setzt noch einen drauf.
          Was denkt die Queen über den Brexit? Die britische Königin Elisabeth II. im Mai 2019.

          Brexit-Streit : Die Queen liest Johnson

          Elisabeth II. trägt an diesem Montag im Unterhaus das Regierungsprogramm des Premierministers Boris Johnson vor. Im Zentrum steht der Brexit-Prozess, der gerade in einer entscheidenden Phase ist.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.